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Bundeswehr

Die Panzer sind schon unterwegs

Das Panzerbataillon 106 aus Pfreimd geht in den Auslandseinsatz nach Litauen – und die Ausrüstung muss mit.

Beim Verladen der schweren Panzer in Vilseck ist Maßarbeit angesagt. Foto: Reinhard Jäger
Beim Verladen der schweren Panzer in Vilseck ist Maßarbeit angesagt. Foto: Reinhard Jäger

Pfreimd.Der Motor brummt, die Kette quietscht – 60,5 Tonnen setzen sich in Bewegung. Ganz langsam rollt der Panzer von der Rampe auf den schmalen Waggon, während der Fahrer den Zeichen des Einweisers folgt. Maßarbeit ist das Verladen von Kampfpanzern der Bundeswehr auf Eisenbahnwaggons, um diese an ihren neuen Einsatzort im Baltikum zu schicken. Für ein halbes Jahr geht das Panzerbataillon 104 aus Pfreimd nach Litauen, um dort gemeinsam mit Unterstützungskräften aus anderen Ländern eine multinationale Battle Group der NATO zu bilden.

Es ist der zweite Zug, den die Pfreimder nun auf den Weg schicken. Das Besondere: Nachdem im ersten Transport Container mit Material versandt wurden, folgen nun elf Kampfpanzer Leopard 2A6 sowie zwei Bergepanzer Büffel, ein Pionierpanzer Dachs und ein Brückenlegepanzer Biber. Jedes einzelne gepanzerte Fahrzeug muss von der Kopframpe in Vilseck, dem Südlager des US-amerikanischen Truppenübungsplatzes Grafenwöhr, vorsichtig auf die flachen Waggons der Deutschen Bahn bugsiert werden. Rund 750 Tonnen sind es insgesamt, die auf die Reise gehen. „Das ist kein Regelverkehr von der Stange. Jeder Militärtransport ist etwas Außergewöhnliches“, erklärt Claus Barth, zuständiger Leiter der DB Cargo für Nordost-Bayern und Beauftragter für Militärtransporte.

Bei Panzertransporten gibt es besondere Sicherheitsbestimmungen

Bahnverladung der Kettenfahrzeuge in Vilseck Foto: Reinhard Jäger
Bahnverladung der Kettenfahrzeuge in Vilseck Foto: Reinhard Jäger

Ein Zug mit Panzern hat Überbreite, es gelten deshalb besondere Sicherheitsbestimmungen. Bart hat einen Vorteil: Er kennt sich mit der Bundeswehr aus – als Major der Reserve spricht er die gleiche Sprache. Für sein Team ist die Verladung reine Routine – seit Jahren verladen Barths Rangierer amerikanische Militärfahrzeuge. Seit sich die Bundeswehr im Baltikum engagiert, nimmt auch die Zahl der deutschen Panzertransporte wieder zu.

Das sieht man auch bei den Pfreimder Panzersoldaten: „Mit Blick auf unsere Verpflichtung in Litauen hatten wir im vergangenen Jahr ein umfangreiches Ausbildungsprogramm absolviert“, erklärt der stellvertretende Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Christian Märkl. Bei Übungsplatzaufenthalten in Bergen, Munster und Klietz hatte das Bataillons stets seine Panzer dabei – und per Bahn transportiert.

Sechs Monate im äußersten Osten

  • Konzept:

    Enhanced Forward Presence heißt das Konzept, mit dem die NATO ihre Bündnispartner im Baltikum unterstützt. Rotierend stationierte Truppen sollen gemeinsam mit Litauern, Esten und Letten die Landes- und Bündnisverteidigung üben und sich so für den Ernstfall rüsten.

  • Auslandseinsatz:

    Für die Pfreimder Panzersoldaten heißt dies: Sechs Monate lang Training im äußersten Osten der Europäischen Union, und dies mit kompletten Material und allen Fahrzeugen.

Märkl ist zufrieden: Trotz Schneefall in der Nacht ging die jüngste Verladung reibungslos vonstatten, in zwei Stunden waren die Fahrzeuge auf den Waggons. Lediglich beim 40 Kilometer langen Landmarsch von Pfreimd nach Vilseck überhitzte bei einem Panzer das Getriebe. Kein Problem, das die Panzersoldaten lange aufhielt.

Oberstleutnant Christian Märkl stellt sich den Fragen. Foto: Reinhard Jäger
Oberstleutnant Christian Märkl stellt sich den Fragen. Foto: Reinhard Jäger

„Alle Fahrzeuge abgenommen“, meldet der Verladeoffizier, Oberleutnant Jens Gierend. Alle Feststellbremsen sind angezogen, alle Panzertürme verzurrt, alle ABC-Anlagenklappen verdrahtet und gesichert. Märkl: „Reibungslos, ruhig und professionell“ sei die Verladung trotz Schneetreiben gelaufen, „und am Schluss kam sogar noch die Sonne raus“.

Die nächste Verladung steht schon an: In wenigen Wochen müssen noch Radfahrzeuge verschickt werden, fünf weitere schwere Kampfpanzer sollen in Bad Salzungen gemeinsam mit mehreren Schützenpanzern Marder verladen werden.

Fünf Tage braucht der Zug nun, um über Polen die Grenze Litauens zu erreichen, wo die Panzer schließlich umgeladen werden, weil die Bahnen im Baltikum auf breiteren Gleisen fahren. Die Pfreimder Soldaten kommen derweil mit dem Flieger an die Ostsee.

Bundeswehr

Größter Auftrag für das Bataillon

300 Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 sind vom Einsatz in Litauen zurückgekehrt und bei einem Appell begrüßt worden.

Die Pfreimder Soldaten sind bis Juli in Litauen

Eine Stabs- und eine Kampfkompanie bilden gemeinsam mit zwei Infanteriekompanien aus Tschechien und den Niederlanden sowie Pionieren, Versorgen, Artilleristen und Panzergrenadieren eine Battle Group, die gemeinsam mit einer litauischen Brigade für den Ernstfall trainiert. Insgesamt 600 deutsche Soldaten mit 150 Radfahrzeugen und 32 Kettenfahrzeugen werden in Rukla stationiert sein. Im Juli werden die Pfreimder zurück erwartet.

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