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Übung

Ein Aktion für schnelle Hilfe im Wald

Tausende von Unfällen erfordern Prävention. Forstamt und Waldbauernvereinigung organisierten in Pfreimd eine Rettungsaktion.
Von Maximilian Schmid

BRK-Sanitäter und Mitglieder der Bergwacht versorgen die „verletzte Person“. Fotos: smx
BRK-Sanitäter und Mitglieder der Bergwacht versorgen die „verletzte Person“. Fotos: smx

PFREIMD. Jedes Jahr ereignen sich Unfälle bei Waldarbeiten. In Bayern gab es mehr als 4000 Ereignisse, bei denen Menschen teils schwer verletzt wurden – oder gar den Tod fanden. Diese Unfälle mit Motorsägen oder durch umfallende Bäume ereignen sich meist im unwegsamen Gelände. Eine schnelle Rettung ist wegen fehlender Ortskenntnisse der Rettungskräfte nicht immer möglich, zumal die Wege mit Einsatzfahrzeugen nur bedingt befahren werden können.

Vor diesem Hintergrund haben das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AfELF) Schwandorf, die Waldbauernvereinigung (WBV) Nabburg-Burglengenfeld sowie die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) gemeinsam mit den Einsatzkräften der Feuerwehr Pfreimd, des Roten Kreuzes und der BRK-Bergwacht aus dem Schönseer Land eine groß angelegte Übung in einem Waldstück in der Nähe des OSB-Schießleistungszentrums bei Pfreimd organisiert.

Immer ein Risiko

Forstdirektor Alwin Kleber, Bereichsleiter Forsten beim AfELF, konnte vor Übungsbeginn auf dem Parkplatz des Schützenheims zahlreiche Waldbesitzer mit ihrem Vorsitzenden August Steinbauer, Mitarbeiter seiner Behörde und die Hilfsorganisationen begrüßen. Da Waldarbeiten immer mit Gefahren verbunden seien, ergebe sich die unbedingte Notwendigkeit, solche Situationen in einem Rettungsvorgang darzustellen. Kleber dankte den Rettungsdiensten und der Feuerwehr für ihre Beteiligung an der Übung.

Feuerwehrleute und Sanitäter tragen den Verletzten gemeinsam zum Rettungswagen.
Feuerwehrleute und Sanitäter tragen den Verletzten gemeinsam zum Rettungswagen.

WBV-Geschäftsführerin Yvonne Wolfrum rief die Waldbauern dazu auf, gegen eine gewisse Routine bei Waldarbeiten anzukämpfen, sie würden Gefahren in sich bergen. Die Rettungsübung solle auch zum Nachdenken und zu richtigem Handeln anregen.

Im Anschluss marschierten die Beobachter der Übung zur rund einen Kilometer entfernten angenommenen Unfallstelle in den Wald. Akteure des „Unfalls“ waren die Waldfacharbeiter Hans Schlagenhaufer (verletzte Person) und Michael Blabmeier, der für den Verunglückten Hilfe organisierte. Die beiden spielten Vater und Sohn bei Waldarbeiten; der Vater war auf dem glitschigen Waldboden ausgerutscht und hatte sich schwer am Rücken verletzt.

Die ersten Hilfskräfte am Ort des Geschehens waren die Feuerwehrleute aus Pfreimd, etwas später kamen die Sanitäter der BRK-Bereitschaft sowie die Bergwacht aus dem Schönseer Land hinzu. Der Sicherheitsbeauftragte des AfELF, Hubert Amode, erläuterte während der Rettung die Notwendigkeit hinterlegter GPS-Punkte und verwies auch auf Schilder, die Rettungspunkte ausweisen. In der Nähe der Unfallstelle stehe bei der Autobahnbrücke auf der Weiherner Straße ein solches Schild mit der Kennziffer 1028. Eintausender-Nummern würden für Privatwald, Zweitausender für Staatswald stehen.

Forstdirektor Alwin Kleber vom Amt für Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schwandorf leitete die Rettungsübung im Wald bei Pfreimd.
Forstdirektor Alwin Kleber vom Amt für Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schwandorf leitete die Rettungsübung im Wald bei Pfreimd.

Amode forderte die Waldbauern dazu auf, bei Arbeiten immer ein Handy für eine Notfallalarmierung mitzunehmen und es am Körper zu tragen und nicht etwa auf dem Traktor liegen zu lassen. Hintergrund für diese Vorsichtsmaßnahme seien 4000 bis 5000 Unfälle pro Jahr in Bayern, die sich in Wäldern ereigneten.

Nie alleine loslegen!

Anton Zitzler von der SVLFG sagte, das es Aufgabe der Waldbesitzer sei, für wirksame Erste Hilfe bei Unfällen zu sorgen. Ein Verbandskasten im Auto oder auf dem Traktor reiche da nicht aus, man wisse, wie man mit Hilfsmitteln auch nachhaltig umgehen könne. Auch sollten Waldarbeiten immer mit mindestens zwei Personen durchgeführt werden, damit im Notfall einer dem anderen helfen könne.

Yvonne Wolfrum von der Waldbauernvereinigung Nabburg-Burglengenfeld
Yvonne Wolfrum von der Waldbauernvereinigung Nabburg-Burglengenfeld

Sicherheitsbeauftragter Hubert Amode informierte über markierte Rettungspunkte und über GPS-Punkte, die eine Rettung im unzugänglichen Gelände ermöglichen.
Sicherheitsbeauftragter Hubert Amode informierte über markierte Rettungspunkte und über GPS-Punkte, die eine Rettung im unzugänglichen Gelände ermöglichen.

Zitzler verwies auch auf die vorgeschriebene Schutzausrüstung für die Arbeit im Wald: Helm mit Gesichts- und Gehörschutz, Arbeitshandschuhe, Schnittschutzhose und Sicherheitsstiefel mit Stahlkappen. Zu empfehlen seien auch Jacken in Leuchtfarben. Damit könne man Verletzte im Wald besser erkennen.

Armin Joscht vom BRK, der das Einsatzgeschehen koordinierte, informierte, dass bei einem Notruf in der Integrierten Leistelle immer eine optimale Versorgung der verletzten Personen das Ziel sei. Die Rettungskräfte der Feuerwehr banden dicke Seile um die Bäume, an denen sich die Sanitäter festhalten konnten, um so gefahrlos zur Unfallstelle zu kommen. Nach der Erstversorgung (Atemkontrolle, Ansprechbarkeit) wurde die Luftrettung des Verletzten durch die Bergwacht simuliert. Vorher wurde der verletzte Waldarbeiter mit Hilfe einer Schaufeltrage in den Luftrettungssack gehoben.

Feuerwehrleute und Sanitäter trugen ihn dann gemeinsam zum Rettungswagen und später in den simulierten Hubschrauber. Bergwachtleiter Dieter Güll nannte den Helikopter als das für den Verletzten schonendste Rettungsmittel, schnell und effektiv.

Was die Experten sagen

  • Yonne Wolfrum:

    Die Geschäftsführerin der Waldbauernvereinigung Nabburg-Burglengenfeld hat gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft die Übung organisiert.

  • Einsatzkräfte:

    Sanitäter des BRK, Luftretter der Bergwacht aus dem Schönseer Land und Feuerwehrleute der FFW Pfreimd tragen die „verletzte Person“ im Rettungssack gemeinsam aus dem unzugänglichen Waldstück zum Rettungswagen, nachdem sie medizinisch notversorgt worden war.

  • Hubert Amode:

    Der Sicherheitsbeauftragte des AfELF (links) erläuterte an der „Unfallstelle“ die Funktionsweise von GPS-Punkten und informierte über Schilder, die Rettungspunkte kennzeichnen. Rechts der Vorsitzende der WBV, August Steinbauer.

  • Anton Zitzler:

    Der Fachberater von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (früher landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft) rief zu Vorsicht bei Waldarbeiten auf. Immer wieder komme es zu schweren Unfällen im Wald, 2017 waren es 27 tödliche.

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