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Spender für Moritz (6) gesucht

Der lebensfrohe Junge hat Blutkrebs. Eine Freundin der Familie organisiert Sonntag eine Typisierungsaktion in Pfreimd.
Von Jay Schnorrer

Die Speichelprobe ist einfach und schmerzfrei. Archivfoto: Lukesch
Die Speichelprobe ist einfach und schmerzfrei. Archivfoto: Lukesch

Pfreimd.Eine Speichelprobe genügt, um sich in die Deutsche Knochenmark Spender-Datei (DKMS) aufnehmen zu lassen. Mund auf, Stäbchen rein – fertig. Geringer Aufwand, der Leben retten kann. Konkret geht es um den sechsjährigen Moritz aus Pfreimd, bei dem Anfang Mai Blutkrebs diagnostiziert wurde. Bisher wurde noch kein Spender gefunden. Verena Schottenheim, eine Freundin der Familie, erfuhr eine Woche später von der kritischen Prognose und ließ sich sofort typisieren.

Petra Stahl und Verena Schottenheim stellten die Typisierungsaktion auf die Beine. Foto: Schottenheim
Petra Stahl und Verena Schottenheim stellten die Typisierungsaktion auf die Beine. Foto: Schottenheim

Schnell stellte sie jedoch fest, dass viele Menschen in ihrem Umfeld noch nicht bei der DKMS registriert sind. Unter Absprache mit Moritz’ Mutter wurde Schottenheim dann aktiv: vom DKMS erhielt sie einen Leitfaden zur Organisation einer Typisierung und machte sich an die Arbeit.

Am 2. Juni ist es nun soweit. Von 11 bis 16 Uhr sind alle Menschen in der Landgraf-Ulrich-Halle in Pfreimd willkommen, um sich kostenlos registrieren zu lassen. Solch ein Event mit nur einem Monat Vorlaufszeit auf die Beine zu stellen, braucht viele helfende Hände. Die waren überraschend schnell gefunden, von Privatpersonen wie Stefanie Bauer über den Hausmeister der Halle bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr Pfreimd oder dem Kindergarten. Auch das BRK packt mit an.

Rahmenprogramm organisiert

Insgesamt werden über 60 Personen gebraucht, damit die Registrierung einschließlich Speichelentnahme problemlos vonstattengehen kann. 40 Stationen zur Speichelentnahme stehen laut Stefanie Bauer am 2. Juni zur Verfügung. Dazu kommt noch ein tolles Rahmenprogramm: „Wir grillen, es gibt Kinderschminken und ein Kasperletheater und einen Kuchenverkauf“, erzählt Verena Schottenheim. Fußballbegeisterte dürfen sich beim Torwandschießen austoben. Und die ganz Mutigen wagen sich auf einen Bullen beim Bullriding.

Viele dieser Impulse stammen dabei nicht von Schottenheim selbst, sondern von Fremden. „Ich weiß nicht, woher die meine Handynummer bekommen haben“, gibt Schottenheim zu, aber sie habe sich über die Hilfsangebote und Ideen sehr gefreut. „Das ist echt Wahnsinn.“ Auch Stefanie Bauer ist positiv überrascht von der enormen Hilfsbereitschaft. „Es tut einem gut zu sehen, dass Leutezusammenhalten, wenn so etwas ist.“

Die Typisierung in Pfreimd

  • Termin:

    Am 2. Juni kann man sich von 11 bis 16 Uhr in der Landgraf-Ulrich-Halle in Pfreimd für die Deutschen Knochenmark Spender-Datei (DKMS) registrieren lassen.

  • Methode:

    Die Typisierung erfolgt durch einen Speicheltest.

  • Angebot:

    Für ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Kuchenverkauf, Kinderschminken etc. ist gesorgt.

Andere Vereine und Firmen der Region beteiligen sich durch finanzielle Spenden. Die sind dringend notwendig, da jede Registrierung Kosten von 35 Euro verursacht, die weder die DKMS noch die Krankenkassen übernehmen.

Laut Stefanie Bauer rechnet das Orga-Team aufgrund von Erfahrungswerten der DKMS mit rund 500 Spendern. Das allein würde 17 500 Euro ausmachen. Hinzu kommen noch Kosten für die Verpflegung der Helfenden. Stefanie Bauer gibt sich zuversichtlich: „Es ist Sonntag, man kann einfach mal hingehen, Kuchen kaufen, Kaffee trinken und die Kinder bespaßen.“ Somit hat ‚Spender werden‘ an diesem Tag zwei Bedeutungen: Denn auch wer bereits in der Datenbank aufgenommen ist, sich nicht typisieren lassen darf oder möchte, kann durch einen finanziellen Beitrag viel bewirken.

In erster Linie hoffen die Organisatorinnen, dass sich durch die Aktion ein Knochenmark-Spender für Moritz finden lässt. Mit einer Typisierungsaktion steigt zudem die Wahrscheinlichkeit für andere Menschen mit Blutkrebs, die noch auf Spender warten.

Für Verena Schottenheim selbst ist Krebs und Blutkrebs kein neues Thema. Sie wird in ihrem Beruf fast täglich damit konfrontiert. Seit fünf Jahren ist sie als Ergotherapeutin tätig. „Ich weiß, was das in Familien anrichten kann. Aber wenn ein kleiner Junge betroffen ist, ist das noch mal schwerer.“

Sechs Wochen Wartezeit

Moritz selbst geht damit allerdings ganz gut um. Er sei schon immer ein liebenswerter, aufgeschlossener, lebensfroher Junge gewesen, der gerne unterwegs ist und eine Familie hat, die hinter ihm steht. „Er beschwert sich nicht“, verrät Schottenheim. „Er ist kurz traurig, dann lacht er aber wieder.“ Ob er eine Chance bekommt, stellt sich rund sechs Wochen nach der Aktion heraus. Bis dahin werden im Labor die Gewebemerkmale der potenziellen Spender bestimmt, auf die es für eine erfolgreiche Stammzelltransplantation ankommt. Erst danach stehen die Spender dem internationalen Suchlauf – und somit auch für Moritz – zur Verfügung.

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