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Architektourbus

Zahnarztpraxis mit Wohlfühl-Charakter

Der Wartebereich mit Sonnenterrasse ist beim Kieferorthopäden in Pfreimd getrennt von den Behandlungsräumen darüber.
Von Petra Beer-Dausch

Modern einladend präsentiert sich die Zahnarztpraxis im Zentrum von Pfreimd: Die Behandlungszimmer verfügen über maximal zwei Plätze.
Modern einladend präsentiert sich die Zahnarztpraxis im Zentrum von Pfreimd: Die Behandlungszimmer verfügen über maximal zwei Plätze. Foto: Manntau - Die Medieningenieure

PFREIMD.Nein, wie beim Zahnarzt fühlt man sich wirklich nicht, wenn man die Kieferorthopädische Praxis im Herzen Preimds betritt. Vielmehr möchte man es sich mit einer Zeitschrift auf einer der roten Ledercouches im Eingangsbereich bequem machen. Oder hinaus gehen in den kleinen geschützten Innenhof und die Sonne genießen. Von der Arbeit in den Behandlungsräumen im Obergeschoss bekommt der Besucher im Erdgeschoss zunächst einmal nichts mit.

Die Idee von Dr. Volker Mertins, die Bereiche Warten und Behandlung räumlich zu trennen, ist voll aufgegangen. Schnell wird bei einem Rundgang klar, dass der Bauherr und Architekt Konrad Kraus für den Umbau des Wohn- und Geschäftshauses in eine Kieferorthopädische Gemeinschaftspraxis ein innovatives Konzept umgesetzt und dabei jedes Detail durchdacht haben. Davon können sich auch die Teilnehmer am diesjährigen ArchitektOurbus überzeugen. Die Kieferorthopädische Praxis ist eines der Ziele bei der Tour am 9. Mai.

Vor der Sanierung ließ das Wohn- und Geschäftshaus in der Leuchtenberger Straße in Pfreimd Charme vermissen. Teile des Gebäudes dürften bereits mehr als 100 Jahre alt sein, sagt Architekt Konrad Kraus. Die letzten größeren Veränderungen stammten allerdings aus den Jahren 1953 und 1971.

Im Juni 2010 startete die Sanierung – mit Abrissarbeiten. „Nur die Hülle des Gebäudes blieb stehen“, blickt Konrad Kraus zurück. Das Haus war innen komplett ausgehöhlt, mit „freier Sicht von der Bodenplatte bis zum Dachstuhl“. Es wurden Stahlträger und Stützen eingebaut, Holz-Beton-Decken eingezogen. „So hatten wir eine komplette, neue Ebene, auf die wir Trockenbauwände und die Technik für die Behandlungsräume aufbauen konnten“, erläutert der Architekt. Die Treppe, die Erd-, Ober- und Dachgeschoss miteinander verbindet, wurde ins Zentrum des Hauses verlegt. Die großen Schaufensterfronten wurden reduziert, die Fassadenfliesen entfernt, das Mauerwerk neu verputzt, dreifachverglaste Fenster eingebaut, ein vollverglaster Windfang neu gesetzt. Die Außenwände des Hauses, das nicht unterkellert ist, erhielten zudem eine Abdichtung nach unten, das Problem der aufsteigenden Feuchtigkeit im Mauerwerk wurde so gelöst.

Wohl fühlen beim Warten

Durch den neuen Windfang, der gleichzeitig als Lärmschutz zur Hauptdurchgangsstraße dient, gelangen Besucher in den Eingangsbereich der Praxis. Das Erdgeschoss ist offen und lichtdurchflutet. Hochwertige Materialien bestimmen die Optik. Am Boden setzen polierte Streifen Akzente in den ansonsten matten Granit-Fliesen. Kalksteinwände sind Gestaltungselemente in den Wartebereichen. Dort eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, war Dr. Volker Mertins wichtig. In die Praxis kämen viele jüngere Patienten, die von den Eltern begleitet werden. Die Begleitpersonen sollten sich wohl fühlen, während sie warten.

Im Erdgeschoss befindet sich lediglich ein behindertengerechter Behandlungsraum. Außerdem ein abgetrenntes Büro hinter dem Empfangsbereich, Toiletten, ein Technik- und Müllraum sowie ein Mundhygiene-Bereich mit LCD-Monitor. Dort können sich Patienten die Zähne putzen.

Die freie, zentrale Treppe führt hinauf zu den vier weiteren klimatisierten Behandlungszimmern. „Ich wollte maximal zwei Stühle pro Zimmer, es gibt auch zwei Einzelzimmer“, sagt Dr. Volker Mertins, der zusammen mit Dr. Johanna Mertins und Dr. Tanja Pamler dort praktiziert. Dass die Behandlungsräume im Obergeschoss liegen, hatte für die Erschließung der Plätze einen großen Vorteil. Diese konnte von unten erfolgen, die Leitungen für Wasser, Strom und Druckluft wurden in der abgehängten Decke versteckt. Das erforderte laut Architekt sehr viel Detailplanung. Denn gleichzeitig sollten die Räume so hoch wie irgendmöglich werden. Dank niedrigem Bodenaufbau und integrierter Deckenbeleuchtung wurden 2,48 Meter erreicht.

Ein Steg verbindet im Obergeschoss die Behandlungs- mit den Funktionsräumen wie Gipsküche, Serverraum oder Ärztebüro mit Zugang zu einem kleinen Balkon.

Neun Monate Bauzeit

Zwischen den Behandlungsräumen gibt es außerdem ein Hygienezimmer mit Instrumentenaufbereitung. Während die Verkehrsflächen komplett mit dunkelgrauen Granit-Fliesen belegt sind, wählten Bauherr und Architekt für die Behandlungsräume Vinyl-Boden in Holzoptik. Im Dachgeschoss sind schließlich ein Labor mit zwei Arbeitsplätzen, ein Sozialraum mit Küche, Personalraum, Waschraum, Toilette, Archiv und Technikraum mit Gastherme untergebracht. So können auf drei Etagen insgesamt rund 400 Quadratmeter genutzt werden. Im März 2011 nahm die Praxis nach neunmonatiger Bauzeit den Betrieb auf.

„Für mich war es das erste Haus, das ich saniert habe, ich habe auch noch keines gebaut, ohne Architekt wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Dr. Volker Mertins. Schließlich habe man eine Altbau-Sanierung und die speziellen technischen Anforderungen einer Kieferorthopädischen Praxis unter einen Hut bringen müssen. Die sicher einfachere Alternative, einen Neubau an anderer Stelle, hatte der Bauherr zwar kurz überlegt. „Aber ich bin froh, dass wir die Entscheidung so getroffen haben und im Zentrum geblieben sind“, sagt Dr. Mertins.

Der ArchitektOurbus

  • Termin:

    Der Architekturzirkel Schwandorf veranstaltet zusammen mit der Stadt Schwandorf am Samstag, 9. Mai, zum 9. Mal einen ArchitektOurbus ab Schwandorf. Zwei Reisebusse starten um 13 Uhr am Volksfestplatz.

  • Ziele:

    Bei der Rundfahrt werden fünf Projekte vorstellt: Neubau Kinderkrippe Schwandorf, Neubau Geschäftshaus Hermann/Glöckler in Schwarzenfeld, Sanierung und Erweiterung Wohnhaus Messerer in Pfreimd, Sanierung und Umbau für die Kieferorthopädische Praxis Dr. Mertins, Pfreimd, Neubau Depot des Oberpfälzer Freilandmuseums, Neusath.

  • Zielgruppe:

    Der ArchitektOurbus richtet sich an alle Interessierten, künftige Bauherren und Entscheidungsträger in Verwaltungen oder kommunalen Gremien.

  • Karten:

    Im Tourismusbüro der Stadt Schwandorf können die Fahrkarten gegen eine Schutzgebühr in Höhe von zehn Euro (ermäßigt fünf Euro) reserviert und abgeholt werden.

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