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Umweltschutz

Hammersee: Quell der Algenpest gefunden

Im Zustrom aus dem Weichselbrunner Weiher in den Bodenwöhrer Hammersee gibt es auffällige Messwerte.
Von Renate Ahrens

Der Hammersee ist ein anerkanntes EU-Badegewässer und seit Jahren im Sommer von Blaualgen geplagt.Foto: Ahrens
Der Hammersee ist ein anerkanntes EU-Badegewässer und seit Jahren im Sommer von Blaualgen geplagt.Foto: Ahrens

BODENWÖHR.Der Weichselbrunner Weiher muss wohl als Quelle der Blaualgenbildung betrachtet werden. Das ist das Ergebnis umfangreicher Untersuchungen im Hammersee. „An diesem Zustrom ist die Messung deutlich auffälliger“, erklärte Hartmut Wassmann vom Ingenieurbüro Wassmann aus Berlin dem Gemeinderat am Dienstag.

Der Übeltäter scheint gefunden – doch damit stehen Wassmann und die Gemeinde Bodenwöhr vor einer erneuten Herausforderung: Der Weichselbrunner Weiher ist ein Naturschutzgebiet und darf wie auch der Warbrucker Weiher nicht mit Booten befahren werden; die Entnahme von Wasserproben ist verboten.

Eine Behandlung ist also dort nicht möglich, selbst weitere Erkenntnisse über den Zustand dieses Gewässers dürfen nicht gewonnen werden. Doch Wassmann konnte auch eine gute Nachricht verkünden: Die Belastung des Hammersees mit Cyanobakterien, die die potenziell giftigen und übelriechenden Blaualgen verursachen, konnte mit der Ultraschallbehandlung deutlich reduziert werden.

Das in Bayern einzigartige Pilotprojekt, das im Juni 2016 gestartet wurde, bringt also endlich den gewünschten Erfolg. Die Gemeinde hat sich dem Forschungsprojekt des Ingenieurbüros Wassmann angeschlossen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Die Ultraschallbehandlung wirkt

Ein detailliertes Messprogramm ist als Auflage daran gekoppelt, das nun viele Erkenntnisse lieferte, zum Beispiel über Sichttiefe, Sauerstoffgehalt, Zusammensetzung des Planktons, mögliche Entstehungsorte, Wassertemperatur und natürlich Algenkonzentration. Die Untersuchungen werden von der Kommune größtenteils selbst vorgenommen, auch zweiter Bürgermeister Albert Krieger ist daran beteiligt und nimmt regelmäßig Wasserproben.

„Wenn man die Quelle nicht zumacht, ist es, wie mit dreckigen Schuhen ständig in ein sauberes Haus zu laufen.“

Hartmut Wassmann

Lange unklar war bisher, warum man trotz „überraschend niedriger“ Phosphatwerte seit Jahren in den Sommermonaten eine Massenvermehrung von Blaualgen beobachten kann. Bodenwöhr ist ein anerkannter Erholungsort und leidet sehr darunter. „Das Seenland ist das Kapital und die Attraktion der Region“, betont Wassmann. „Die Sichttiefe hat oft unter 50 Zentimeter gelegen. Der See hat sich als stark eutroph erwiesen, also sehr nährstoffreich.“

Der See hat sich deutlich erholt

Noch im Jahr 2013 habe man bis 190 Mikrogramm pro Liter Blaualgenkonzentration gemessen. Im Jahr 2017, nach Beginn der Behandlung mit Ultraschall, hat sich der See deutlich erholt und die Sichttiefe sogar auf bis zu drei Meter erhöht. „Die Spitzenbelastung mit Blaualgen lag bereits im Jahr 2016 bei nur 53 Mikrogramm pro Liter.“ Im Juli 2017 konnten kurzfristig sogar gar keine Blaualgen gemessen werden, eine zwischenzeitliche Algenblüte zu dieser Zeit sei auf ungiftige Grünalgen zurückzuführen.

Die Ultraschalltechnologie

  • Schadwirkungen des Ultraschalls

    auf Fischfauna oder Zooplankton oder andere Störungen seien laut Untersuchungen nicht festgestellt worden. Diese relativ neue Technologie stoße immer noch auf „enorme Skepsis“, was laut Wassmann verständlich sei. Die Forschung befasst sich auch mit der Frage nach den Auswirkungen der Ultraschall-Anwendung auf Menschen, Tiere und andere Pflanzen.

  • Bisher sind

    im Hammersee erst 55 Prozent der geplanten Ultraschallgeräte eingesetzt. Insgesamt acht Ultraschallköpfe sollen final angebracht werden.

  • Schall wird

    unter Wasser sehr gut geleitet. Daher verbraucht die Technologie wenig Energie, für eine Fläche von 300 mal 150 Meter nur etwa 80 Watt, so viel wie eine Glühbirne.

Ab Mitte September war es zu wieder zur Entwicklung von Blaualgen gekommen, diese sei jedoch schnell abgeklungen. „Die Bereiche mit höchster Ultraschallpräsenz wiesen deutlich geringere Biovolumina und Chlorophyllgehalte der Blaualgen auf“, erläuterte der Experte. An den Zuflüssen sei der Gehalt deutlich höher. „Das gibt zu denken.“

Der Naturschutz, so kritisierte Wassmann, werde strikt konservativ ausgelegt. Dabei würden die toxischen Blaualgen laut Studien viele Amphibien, Fischotter oder Vögel gefährden, unter anderem eben auch im Naturschutzgebiet.

„Man sollte den Naturschutz mit in die Betrachtung einbeziehen.“

Hartmut Wassmann

„Der Moorfrosch steht zum Beispiel auf der Roten Liste. Er braucht gewisse Lebensbedingungen.“ Wassmann empfahl, die Ultraschall-Anwendung in diesem und nächsten Jahr konsequent fortzuführen. „Flankierende Maßnahmen zur Bekämpfung sind sinnvoll und geboten“, so Wassmann. Bestimmte Wasserpflanzen könnten etwa bei entsprechender Ausbreitung eine erhebliche Rolle bei der Bekämpfung von Plankton und Blaualgen spielen.

Es sollte überprüft werden, ob der Weichselbrunner und präventiv der Warbrucker Weiher mit in die Beschallung einbezogen werden können. Man wolle, so schlug Krieger vor, das Problem mit den Fachstellen diskutieren, was auch beschlossen wurde, ebenso will man eine weitere Genehmigung beim Landratsamt für eine Fortführung der Behandlung erlangen.

Alois Feldmeier (Bürgerliste) beantragte, die Gemeinderäte laufend über den jeweiligen Stand zu informieren, was ebenfalls beschlossen wurde. Doch solange man den Zufluss am Weichselbrunner Weiher nicht im Griff habe, so resümierte Stefan Rauch (SPD), sei wohl kein dauerhafter Erfolg zu erwarten.

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