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Kultur

Brücken zu den Nachbarn gebaut

Hans Eibauer tritt als Leiter des Centrums Bavaria Bohemia in Schönsee ab. Hinter den Kulissen macht er aber weiter.
Von Reinhold Willfurth

Schönsee.An seinem vorletzten Arbeitstag ist Hans Eibauer wieder einmal rastlos unterwegs im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB). Im großen Saal tagen die Akteure des neuen Projekts „Barockregion Bayern-Böhmen“. Passt der Besucher mal nicht auf, ist Eibauer schon irgendwo um die Ecke gebogen, um kurz darauf an einer anderen wieder aufzutauchen. Die Treppen im stilvoll sanierten ehemaligen Kommunbrauhaus der Stadt Schönsee nimmt er im Eiltempo.

Eibauer feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag. Ein Alter, in dem manche schon seit zehn Jahren ihre Pension verzehren. Für Eibauer ist das nichts, deshalb wird er auch nach seinem offiziellen Abschied am Freitag dem CeBB verbunden bleiben – als eine Art „Minijobber“, wie er in einem TV-Interview sagte. Wer ihn kennt, weiß, dass das schwer untertrieben ist.

Hans Eibauer vor seinem Lebenswerk, dem Centrum Bavaria BohemiaFoto: Willfurth
Hans Eibauer vor seinem Lebenswerk, dem Centrum Bavaria BohemiaFoto: Willfurth

Als mit allen Wassern gewaschener Scout für Zuschüsse und Sponsoren sitzt er im Stiftungsrat weiter an einer Schlüsselstelle für die Zukunft des CeBB. Denn bei allen Erfolgen, die Eibauer für sein CeBB ernten konnte, bei aller nationalen und internationalen Anerkennung: Die finanzielle Absicherung seines Lebenswerks ist eine Daueraufgabe, die ihn auch nach der Verabschiedung durch den Verein Bavaria Bohemia und seinen Mitarbeitern begleiten wird. „Es ist nach wie vor eine Herausforderung, den laufenden Betrieb eines solchen Hauses zu finanzieren“, sagt Eibauer. Seine zahlreichen Kontakte und seine Beharrlichkeit können da helfen.

Keine Angst vor Visionen

Dr. Veronika Hofinger (Mitte) ist die neue Leiterin des CeBB. Foto: Veres
Dr. Veronika Hofinger (Mitte) ist die neue Leiterin des CeBB. Foto: Veres

Dass er seiner Nachfolgerin als Leitung des CeBB, Dr. Veronika Hofinger, auf den Zehen stehen wird, hält der scheidende Chef für äußerst unwahrscheinlich, zumal er Hofinger für einen „Glücksfall“ hält: Nach einer ersten Etappe in der Regionalentwicklung habe sie Erfahrung in der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Kosovo gesammelt. Und sie sei noch dazu zweisprachig – „perfekt“, findet Eibauer.

Er habe „keine Angst vor großen Ideen und Visionen“, charakterisiert Hofinger ihren Vorgänger. Mit optimistischer Grundstimmung treibe er sich und seine Leute zu Höchstleistungen an. „Er ist kein Chef, der zu Müßiggang anregt“, sagt die neue Chefin. „Und er ist sich für keine Arbeit zu schade.“

Sehen Sie Hans Eibauer im Gespräch mit Reinhold Willfurth im 360-Grad-Foto. Sie können das Bild mit der Maus bewegen:

Hans Eibauer vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) im Gespräch mit MZ-Reporter Reinhold Willfurth in Schönsee - Spherical Image - RICOH THETA

Ihm falle es nicht schwer, im Jahr seines runden Geburtstages das Haus zu übergeben, sagt Eibauer. Der Trägerverein sei mit rund 480 Mitgliedern gut aufgestellt, mit Irene Träxler amtiere eine verlässliche Größe als Vorsitzende. „Die Nachfolge muss man regeln wie in einem Betrieb. Und wie oft funktioniert das nicht, obwohl ein Nachfolger da ist?“, fragt der CeBB-Gründer. Auch in seinem Gastrobetrieb („Dietersberger Scheune“) hat Eibauer die Verantwortung an seinen jüngsten Sohn abgegeben.

Wenn man so will, dann war der ehemalige Schweinestall auf dem Gutshof der Eltern so etwas wie die Keimzelle des CeBB. Eibauer, Student der Politikwissenschaften, wollte Leben in sein verschlafenes Heimatstädtchen bringen. „Da habe ich zusammen mit einem Freund den Schweinestall zur ersten Diskothek in Schönsee umgebaut.“ Später lotste der Jungveranstalter eine vielversprechende Deutschrockband namens „Scorpions“ in den Oberpfälzer Wald. „Die kamen in einem uralten Bus an und erhielten 600 Mark Gage“, erinnert sich Eibauer.

Die „Scorpions“ am Weltenende

Die Weltstars in spe am „Ende der Welt“: So kann’s auch gehen, wenn man nicht aufgibt. Dieses Motto nahm Eibauer mit in seine politische Karriere, die 1975 mit einem Sieben-Stimmen-Vorsprung bei den Bürgermeisterwahlen begann. Umtriebig machte sich Eibauer daran, seine Heimat draußen in der Welt bekannt zu machen – und Schönsee avancierte zur Touristenhochburg im Oberpfälzer Wald.

15 000 Tulpen, Prominente, Preise

  • Höhepunkt:

    15 000 Tulpen und 20 000 Besucher auf dem Pilsener Marktplatz: Die vom CEBB inszenierte Aktion ließ die europäische Kulturhauptstadt 2015 aufblühen. Hans Eibauers persönlicher Höhepunkt.

  • Prominenz:

    Politiker wie der damalige tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg (M.) oder Bernd Posselt, Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, besuchten das CEBB.

  • Preisträger:

    Der Brückenbauer-Ehrenpreis ist Eibauer viel wert. Denn er wurde für Menschen ins Leben gerufen, die sich in besonderer Weise um die bayerisch-böhmische Nachbarschaft verdient gemacht haben.

  • Nachfolgerin:

    Dr. Veronika Hofinger tritt in die Fußstapfen des scheidenden CEBB-Gründers. Eibauer lässt nichts auf seine Nachfolgerin kommen: „Sie ist ein Glücksfall in jeder Hinsicht“. (fu)

1988 entwarf er die Vision, das einstige Kommunbrauhaus in das Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald zu verwandeln. Den Zuschlag erteilte der Kreistag elf Jahre später Nabburg, begleitet von dem Hinweis, eine grenzüberschreitende Kultureinrichtung in Schönsee zu unterstützen. Eibauer verstand den Wink und legte los. Die Energie dazu lieferte ihm die Grenzöffnung 1989. „Mir war vom ersten Moment an klar: Das ist eine Riesenchance“, erinnert er sich.

Das sahen viele in Schönsee anders. „Des kannst niat sanieren“, war die dominierende Meinung über das marode Kommunbrauhaus. Tiefpunkt war ein durch 600 Unterschriften unterfüttertes Bürgerbegehren, das den Bau trotz einer Förderung von 90 Prozent verhindern sollte. Eibauer blieb stur und wies nach, dass das Bürgerbegehren gegen geltendes Recht verstieß. Erst eine Informationsfahrt zum gelungenen Kulturspeicher in Würzburg mit den späteren Architekten Brückner & Brückner stimmte den Stadtrat um. Sechs Jahre nachdem Eibauer ein erstes Konzept geschrieben hatte, stand die Finanzierung. Und dann ging es schnell: Im Frühjahr 2006 wurde Eibauers Vision Wirklichkeit.

Sehen Sie sich in unserem 360-Grad-Foto im Treppenhaus des CeBB in Schönsee um:

Einblick in das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee - Spherical Image - RICOH THETA

Gefragt nach seinem persönlichen Höhepunkt in über zehn Jahren CeBB-Geschichte zögert Eibauer nicht lange: „Das war das Glück, einigermaßen entspannt die Eröffnung zu feiern.“ Ein anderes Ereignis neun Jahre später hat sich tief in die Gefühlswelt des CeBB-Gründers eingegraben: die Aktion „Blumen für Pilsen“. Zum Finale des Pilsener Jahres als europäische Kulturhauptstadt verteilten Eibauer und seine Mitstreiter 15 000 Tulpen an die Besucher auf dem Pilsener Marktplatz. 20 000 Tschechen, Deutsche (mitsamt dem Further Drachen) feierten im Sommer 2015 gemeinsam.

Der Brückenbauer-Ehrenpreis ist Eibauer viel wert. Denn er wurde für Menschen ins Leben gerufen, die sich in besonderer Weise um die bayerisch-böhmische Nachbarschaft verdient gemacht haben. Foto: ggo
Der Brückenbauer-Ehrenpreis ist Eibauer viel wert. Denn er wurde für Menschen ins Leben gerufen, die sich in besonderer Weise um die bayerisch-böhmische Nachbarschaft verdient gemacht haben. Foto: ggo

Ein Kontrastprogramm zum gegenwärtigen Nationalismus, der Osteuropa heimsucht, auch Tschechien nicht verschont und auch in Deutschland und Österreich seine Spuren hinterlässt. Umso wichtiger ist es Eibauer, „auf der unteren Ebene nicht nachzulassen“ und die vielen Kontakte zwischen den Nachbarn beiderseits der bayerisch-böhmischen Grenze auszubauen.

Das CeBB wird weiter leuchten

Wo steht das CeBB in zehn Jahren? Das „architektonische Highlight“ werde auch weiter leuchten, ist sich Eibauer sicher. Dank der guten Lage in der Mitte zwischen Regensburg und Pilsen, zwischen München und Prag, zwischen Hof und Passau werde das CEBB als Kulturdrehscheibe an der Schnittstelle zwischen Bayern und Böhmen weiter ausgebaut.

Und was gönnt sich Hans Eibauer jetzt, was er sich bisher aus Zeitgründen versagen musste? Der Pensionär zuckt mit den Schultern: „Es ist ja auch mal ganz schön, mit der Frau einen Spaziergang zu machen.“ Mehr Zeit für seine heimliche Leidenschaft, das Schreiben von Konzepten, will er sich, der einmal Journalist werden wollte, nehmen. Und mit seiner „Nebentätigkeit“ als Berater in seinem Lebenswerk wird er auch gut beschäftigt sein.

Auch im Gewölbesaal des CeBB können Sie sich umsehen:

Ein Blick in den Gewölbesaal des Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee - Spherical Image - RICOH THETA

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