MyMz
Anzeige

Umweltschutz

Grünes Band soll die Länder verbinden

Die Lücke im „Grünen Band“ an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien soll nun geschlossen werden.
Von Ralf Gohlke

  • Das Naturdenkmal „Gneis am Hochfels“ bei Stadlern ist schon jetzt geschützt und bildet somit auch einen Teil des „Grünen Bandes“. Foto: Thomas Kujat
  • Bürgermeisterin Birgit Höcherl Foto: ggo
  • Jan Sima Tschechien Foto: ggo

Schönsee.Noch ist es nur eine Machbarkeitsstudie, mit welcher die Idee des „Grünen Bandes“ für den Grenzbereich zwischen Bayern und der Tschechischen Republik auf eine neue Basis gestellt werden soll. Im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee erfolgte jetzt die offizielle Präsentation des Projektes, welches im April 2017 Rahmen einer Sitzung des Bayerischen Kabinetts in Amberg beschlossen wurde.

Ziel der Studie ist es, die realisierbaren Möglichkeiten für einen Lückenschluss auf beiden Seiten des ehemaligen Grenzverlaufes zu erkunden. Neben dem reinen Biotopverbund spielt in den dem Fall die kulturhistorische und landschaftsgeschichtliche Bedeutung des Grenzraumes des Bezirkes Oberpfalz und der tschechischen Bezirke Pilsen und Karlsbad eine besondere Rolle.

Große Erwartungshaltung

Regierungspräsident Axel Bartelt Foto: ggo
Regierungspräsident Axel Bartelt Foto: ggo

In seinen einführenden Worten erinnerte Regierungspräsident Axel Bartelt noch einmal an die Grundidee des „Grünen Bandes“. Innerhalb Deutschlands habe man diese Idee vordringlich für die Grenze zur ehemaligen DDR übernommen. So sei eine Lücke für das Gebiet zwischen Bayern und der Tschechischen Republik entstanden, die es nun zu schließen gelte. Bartelt zeigte sich dankbar, dass die Anregung der Regierung der Oberpfalz auch vom Bayerischen Kabinett so positiv aufgenommen worden sei. Ebenso habe die tschechische Seite sofort für die Arbeit an einem „grünen Rückgrat“ zugesagt.

„Wir haben auch eine große Erwartungshaltung festgestellt.“

Axel Bartelt, Regierungspräsident

Der Regierungspräsident sagte: „Bei all den bereits geführten Gesprächen haben wir sehr viel positive Resonanz erfahren aber auch eine große Erwartungshaltung festgestellt.“ Er stellte heraus, dass alle daraus resultierenden Maßnahmen freiwillig und im Konsens mit der Bevölkerung umgesetzt werden sollen. Er bezeichnete das „Grüne Band“ als einen Mosaikstein für das noch engere Zusammenwachsen und das bessere gegenseitige Verstehen der Menschen. Zugleich soll damit auch ein Beitrag zur Wertschöpfung im Tourismus geleistet werden.

Darum geht es bei dem Projekt:

Eine paneuropäische Verbundachse

  • Lage:

    Das „Grüne Band“ verbindet auf einer Strecke von über 12 500 Kilometer entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges den nördlichen Teil Europas mit dem Adriatischen, Schwarzen und Ionischen Meer. Es verknüpft somit 24 Länder und bildet, wegen der über Jahrzehnte beschränkten Nutzung im Grenzgebiet, eine der wichtigsten paneuropäischen Biotopverbundachsen und somit einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

  • Bedeutung:

    Mit seinen historischen Relikten und früheren Nutzungsstrukturen im Bereich der bayerisch-tschechischen Grenze kommt dem Grünen Band eine wesentliche, kulturhistorische Bedeutung zu. Aus dem Grund hat die Regierung der Oberpfalz 2016 die Idee entwickelt, den Biotopverbund, die kulturhistorische Bedeutung und den Bereich Naturerholung am Grünen Band zur Tschechischen Republik zu stärken.

Amtschef Dr. Christian Barth Foto: ggo
Amtschef Dr. Christian Barth Foto: ggo

Ministerialdirektor Dr. Christian Barth, Amtschef des Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz, erinnerte noch einmal an die Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhanges und stellte fest: „Die einzige, die nicht darunter gelitten hat, war die Natur.“ Das Ergebnis sei ein Biotop, für das es nun gelte, Verantwortung zu übernehmen. Die Vision des ehemaligen Bundnaturschutzvorsitzenden Hubert Weiger, das Grüne Band auf ganz Europa auszudehnen, werde nun Realität.

Hochrangige Vertreter beider Länder vermittelten die gemeinsame Zielsetzung für die Umsetzung der Machbarkeitsstudie. Foto: r. Gohlke
Hochrangige Vertreter beider Länder vermittelten die gemeinsame Zielsetzung für die Umsetzung der Machbarkeitsstudie. Foto: r. Gohlke

Dr. Barth machte deutlich, dass in diesen Bereichen das „who is who“ aller Arten der Roten Liste zu finden sei. Als einen der Gründe für die Machbarkeitsstudie nannte er auch das Ziel, den Menschen dort die Angst zu nehmen, dass ihnen staatlicherseits etwas „übergestülpt“ werden solle. Vielmehr solle an das große Bündel vorhandener Maßnahmen angeknüpft und Neues erst geprüft werden. Wie bei der „Naturoffensive Bayern 2030“ sollen Formen gefunden werden, die auf große Akzeptanz stoßen.

Ergebnisse bis Dezember

Für das Planungsbüro Blum stellte Diplom-Ingenieur Peter Blum die Zielsetzungen und die bereits laufenden Arbeiten für die Machbarkeitsstudie vor. Dabei nannte er als die drei Säulen die Biodiversität, die historische Kulturlandschaft und naturverträglichen Torusismus. „Wir erfinden keine Projekte, sondern versuchen sie zu bündeln“, sagte Blum. Im Ergebnis sollen konzeptionelle Ansätze sowie Vorschläge zur Realisierung und den Finanzbedarf enthalten sein. Die Präsentation sei für Dezember vorgesehen.

Führungen im Grenzbereich, wie hier in der Bügellohe, gibt es bereits. Foto: Stadt Schönsee
Führungen im Grenzbereich, wie hier in der Bügellohe, gibt es bereits. Foto: Stadt Schönsee

Von tschechischer Seite unterstrich Jan Sima vom Umweltministerium, dass sich auch sein Land der Bedeutung des Grünen Bandes bewusst sei. Er freute sich schon jetzt auf Gelegenheit, an grenzüberschreitenden Projekten mitwirken zu können.

„Das Grüne Band war schon immer eine Herzensangelegenheit des BUND“, sagte sein neuer Landesbeauftragter Richard Mergner. Die Geschichte jetzt in der Oberpfalz fortschreiben zu können, sei eine riesige Chance. Bürgermeisterin Birgit Höcherl stellte einige Projekt aus dem Schönseeer Land vor und sah das größte Problem in der Koordination der vielen Ideen am Ende der Studie.

Weitere Nachrichten aus Schwandorf lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht