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Auf den Spuren des Gerstensafts

Eine neue Schauspielführung gibt Einblicke in die Biergeschichte der Stadt Schwandorf. Die MZ war bei dem Spaziergang dabei.
Von Renate Ahrens

Eine Schankmagd (Christina Fink-Rester) hat ein hartes Los. Bei nur 50 Pfennig Bezahlung am Tag muss sie lang und schwer arbeiten und ist auf Trinkgeld angewiesen. Mit dem betrunkenen Gast (Daniel Zimpel) macht sie kurzen Prozess. Da gibt es auch einmal eine Watschn.
Eine Schankmagd (Christina Fink-Rester) hat ein hartes Los. Bei nur 50 Pfennig Bezahlung am Tag muss sie lang und schwer arbeiten und ist auf Trinkgeld angewiesen. Mit dem betrunkenen Gast (Daniel Zimpel) macht sie kurzen Prozess. Da gibt es auch einmal eine Watschn. Foto: Ahrens

Schwandorf.„Das Bier ist bitter, das trinken die Ritter, der Wein ist sauer, den trinkt der Bauer.“ Gerstensaft war früher ein Getränk der armen Leute, das und vieles mehr erfahren die Gäste bei der interessanten und amüsanten Stadtführung „Bier – das fünfte Element…von Bierpantschern, Bierkiesern und Raufbolden“. Viele Anekdoten, Musik, Schauspieleinlagen und natürlich eine Bierprobe bereichern dieses neue Angebot des Tourismusbüros.

Schließlich ist Schwandorf eine von Biertraditionen geprägte Region.

Das war allerdings nicht immer so, erklärt Stadtführerin Karin Mager beim abendlichen Spaziergang durch die Gassen. Das Gebiet an der Naab gilt als uraltes Weinbaugebiet, auch in Schwandorf gab es einen Weinberg. Davon ist aber nur noch der Name geblieben. Nach dem 30-jährigen Krieg änderte sich das Trinkverhalten der Bürger. Bier wurde immer beliebter und in Schwandorf begann man, Felsenkeller in den Sandstein zu treiben. Heute ist Bier, so Mager, eben das „fünfte Element“.

Steuer auf Wein, Met und Bier

Auch steuerpolitisch spielte das Gebräu eine große Rolle, schließlich brachte es beträchtliche Einnahmen ein. „Für die Finanzierung des Stadtmauerbaus wurde Mitte des 15. Jahrhunderts eigens eine Steuer auf Wein, Met und Bier erhoben“, sagt Mager am Stettnerplatz. „Für die Bürger war das Getränk schnell zum Grundnahrungsmittel geworden. Die Einführung des Kommunbraurechts erlaubte jedem Schwandorfer, im städtischen Kommunbrauhaus an der Naab für den Eigenbedarf selbst zu brauen, unter gewissen Voraussetzungen. Man musste frei sein, ein Handwerk ausüben und Grundbesitz haben.“

„Der Biertrinker ist stattlich beleibt und sein Blick stiert und glotzt“, so wurde damals gesagt.
„Der Biertrinker ist stattlich beleibt und sein Blick stiert und glotzt“, so wurde damals gesagt. Foto: Ahrens

Der Sud blieb sechs Wochen im Felsenkeller, danach wurde der „Zoigl“, ein Zunftstern, ausgehängt, um anzuzeigen, dass hier gerade Bier ausgeschenkt wird. „Es konnte aber auch einfach ein Blumenstock, ein Besen oder ein Buschen sein“, so Mager. Wenn man die alten Stadthäuser betrachtet, kann man sich das durchaus lebhaft vorstellen. Immer wieder weist Mager auf ein Gebäude hin, etwa ein ehemaliges Weißbierbrauhaus oder ein Mulzhaus.

Leider wurden viele Brauhäuser bei der Altstadtsanierung abgerissen. 80 Kommunbrauhäuser habe es in Schwandorf gegeben, erst 1921 sei die Kommunbraugesellschaft erloschen. Die Qualität des Gebräus wurde vom „Bierkieser“ überprüft. So manches Bier wurde nämlich gestreckt und das hatte Klagen der Bürger zur Folge. Das weiß man aus alten Polizeiprotokollen. „Was für ein liederlicher Trunk!“ schimpfte so auch lauthals der Regensburger Schauspieler Erik Jon Smekal als Bierkieser und führte den Wirt (Profischauspieler Daniel Zimpel aus Regensburg) ab. Damals wurde kurzer Prozess gemacht.

„Aller Unrat, ob Essensreste oder Nachttopfinhalte, wurden vom Fenster auf die Gasse gekippt.“

Stadtführerin Karin Mager

Der Bierkieser, so Mager, musste mit seinen „Geschmackswerkstoffen“, also Gaumen und Zunge, begutachten, ob das Bier leicht oder schwer, und natürlich nicht gestreckt sei. Diese Gutachter hatten strenge Auflagen, durften nicht alles essen, das ihren Geschmack beeinträchtigen könnte, und „am halben Tag nicht mehr als sechs Biere trinken“. Das Bier war auch oft keineswegs so rein, wie es das Reinheitsgebot verlangte. Kräuter und Wurzeln, Eichenrind oder auch Ochsengalle sollten das Bier besser und haltbarer machen. „Oft wurde geschimpft, die Brauer würden stinkiges und schleimiges Wasser aus der Naab verwenden“, wusste Mager. „Naturtrüb hatte da eine andere Bedeutung.“ Aber als im Jahr 1909 für den Bau der öffentlichen Wasserversorgung Geld von den Bürgern verlangt wurde, wurde wieder geschimpft.

Schwandorfer ließen „die Sau raus“

Wie es damals in den Gassen aussah, kann man heute nur erahnen. „Aller Unrat, ob Essensreste oder Nachttopfinhalte, wurden vom Fenster auf die Gasse gekippt“, erzählt die Stadtführerin. Ab und zu wurden Schweine durch die Straßen getrieben, die ja bekanntlich alles fressen. „Daher kommt der Ausdruck: die Sau rauslassen.“ Natürlich verbreiteten sich so Krankheiten, aber selbst für manches Leiden, wie etwa Gicht, sei „braunes Bier gesund“, liest Mager aus einem Büchlein mit Hausrezepten des „Speismeisters“ und Mönchs Odilio Schreger vor. Die Gäste lauschen fasziniert.

Stadtführerin Karin Mager und auch ihre Kollegen wissen viele amüsante Begebenheiten rund ums Bier.
Stadtführerin Karin Mager und auch ihre Kollegen wissen viele amüsante Begebenheiten rund ums Bier. Foto: Ahrens

„Kindlein“ solle man die Füße mit warmem Bier waschen, das vertreibe Husten, ist zu erfahren. Natürlich gab es ebenso Mittel gegen den Rausch. „Wo viel getrunken wird, wird aber auch gerauft. Trinken und Raufen, beides war damals Volkssport“, erklärt Mager, vor allem an Markttagen. Dass es die Bedienungen nicht leicht hatten, liegt auf der Hand. 50 Pfennig verdiente eine Schankmagd am Tag, in einer Arbeitszeit von sieben bis 23 Uhr. Christina Fink-Rester, die auch das Drehbuch für die Szenen geschrieben hatte und Regie führte, spielte gekonnt die Bedienung

„Wenn ich zu ernst bin, bekomme ich kein Trinkgeld, wenn ich die Gäste anlächle, werde ich belästigt“, beklagt sie ihr hartes Los bei der Arbeit in der Schankstube. Über ihre Gäste bei der Stadtführung war sie jedoch hocherfreut, denn diese benahmen sich natürlich alle manierlich. Als Abschluss durften sie im Felsenkeller den kredenzten Gerstensaft mit ihren Geschmackswerkstoffen testen, bei zünftiger Musik des ehemaligen Stadtstreichers Günter Schmid.

Aktuelle Nachrichten aus dem Kreis Schwandorf lesen Sie hier.

„Bier – das fünfte Element“

  • Von Bierpantschern und Raufbolden

    Der Biertrinker ist stattlich beleibt und sein Blick stiert und glotzt“, so wurde damals gesagt. Die thematische Stadtführung „Bier – das fünfte Element … von Bierpantschern, Bierkiesern und Raufbolden“ wird anlässlich des 500-jährigen Jubiläums des bayerischen Reinheitsgebots angeboten und soll das Führungsangebot der Stadt bereichern.

  • Zünftige Schauspieleinlagen

    Bierpantschern (Erik Jon Smekal) wurde damals kurzer Prozess gemacht. Er wird von einem Gendarm abgeführt. Bei der Führung bekommen die Gäste nicht nur Einblicke in die historischen Felsenkeller, sondern es werden auch zünftige Schauspieleinlagen sowie eine traditionelle Bierverkostung mit Musik geboten.

  • Amüsante Begebenheiten

    Stadtführerin Karin Mager und auch ihre Kollegen wissen viele amüsante Begebenheiten rund ums Bier. Wer mehr über die Biergeschichte der Stadt Schwandorf erfahren will, kann die Führung an folgenden Terminen genießen: 5. August, 19 Uhr, 19. August, 19 Uhr, 3. September, 18 Uhr, 10. September, 18 Uhr, 24. September, 18 Uhr.

  • Im Rausch sind alle gleich

    „Das fünfte Element vereint sie alle“, sagt die Schankmagd. „Im Rausch ist eh einer wie der andere.“ Die Teilnahmegebühr beträgt 18 Euro pro Person. Anmeldungen erfolgen im Tourismusbüro Schwandorf unter der Telefonnummer (0 94 31) 4 55 50. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.schwandorf.de . (tre)

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