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Ausbildung gibt Flüchtlingen eine Chance

Um Hemmschwellen gegen die Beschäftigung von Asylbewerbern abzubauen, informierten IHK und Handwerkskammer in Schwandorf.
Von André Baumgarten

Die Nachfrage den bei Betrieben ist da: Asylbewerber könnten laut Manuel Lischka von der IHK „die Fachkräfte von übermorgen werden“.
Die Nachfrage den bei Betrieben ist da: Asylbewerber könnten laut Manuel Lischka von der IHK „die Fachkräfte von übermorgen werden“. Foto: dpa

Schwandorf.Anpassung auf beiden Seiten ist notwendig, um die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das stellte die Seniorexpertin Dr. Sylvia Schroll-Machl am Montag bei einer Gemeinschaftsveranstaltung von IHK und Handwerkskammer zum Thema Asyl fest. „Wir müssen ihnen dazu Hilfestellung geben“, sagte sie in ihrem Impulsvortrag. „Wir müssen vieles, was uns ganz vertraut deutsch ist, erläutern und erklären.“ Die Flüchtlinge müssten wissen, woran sie sich anpassen sollen. Dazu sei aber auch viel Verständnis gefragt.

Ihre greifbaren und zugleich höchst unterschiedlichen Beispiele, wie die Welt in Deutschland und islamisch geprägten Ländern funktioniert, sorgten für Erheitung, aber auch Staunen. Während hierzulande zumeist strikt zwischen Arbeit und Beruf getrennt werde, sähen Muslime ihren Ausbilder und Chefs oftmals als großer Bruder oder auch als eine Vaterfigur. Worauf es ankommt, verriet Schroll-Machl zudem: „Ich empfehle ihnen einen Mentor für Flüchtlinge im Betrieb –im besten Fall sind das ältere und hierarchisch höher gestellte Personen.“

Referentin klärt über Vorurteile auf

Das Interesse einen Flüchtlinge und Asylbewerber zu beschäftigen und ihnen einen Ausbildungsplatz zu bieten, scheint groß zu sein im Landkreis. Rund 35 Interessierte fanden sich am Montagnachmittag im „FITZentrum“ der Firma Horsch Landmaschinen in Sitzenhof ein. Schroll-Machl räumte mit dem Vorurteil auf, Frauen würden in muslimischen Ländern unterdrückt. So sei beispielsweise das Banken- und Versicherungswesen fest in den Händen von Frauen – „aber eben unter sich, das ist dort Normalität.“

„Wir müssen vieles, was uns ganz vertraut deutsch ist, erläutern und erklären.“

Dr. Sylvia Schroll-Machl

Hausherr Michael Horsch hatte in seiner Begrüßung betont, dass „Asyl und Arbeitsmarkt ein Thema ist, das uns alle angeht“. Ihn treibe das schon aus moralischer Sicht um. „Mit einer Ausbildung können wir auch Einfluss nehmen auf Werte und diese mitgeben“, betonte er. Mit Veranstaltungen wie dieser verband er zudem die Hoffnung, den teils „negativen Entwicklungen in der Gesellschaft ganz aktiv entgegenzuwirken“. Horsch verwies jedoch auch auf die nicht wenigen Probleme, die in Details schlummern. Aufklärung darüber boten die Vorträge an diesem Nachmittag allemal.

Nachfrage bei Betrieben ist hoch

Um Unternehmern die Beschäftigung von Flüchtlingen zu erleichtern, wurde die Infoveranstaltung organisiert. Das sagte Manuel Lischka, der für den Landkreis Schwandorf zuständige IHK-Gründungsberater. Mehr als zwei Drittel der Flüchtlinge seien unter 30 Jahren, gut die Hälfte unter 20. „Eine Ausbildung bietet diesen jungen Menschen die Möglichkeit, die Fachkräfte von übermorgen zu werden“, sagte er. Die Nachfrage auf Seiten der Betriebe sei hoch. Laut Ausbildungsakquisiteurin Angela Sedlmaier von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz gibt es eine „große Gruppe motivierter junger Menschen, die nach Ausbildungsplätzen suchen“. In Berufsschulen seien zum aktuellen Halbjahr fast 2500 Schüler in Vorbereitungsklassen.

„Wir brauchen dringend Praktikums- und Ausbildungsplätze.“

Ralph Bormann vom Beruflichen Schulzentrum

Mit Zahlen und Hintergründen aus dem Schulamtsbezirk und dem Beruflichen Schulzentrum in Schwandorf warteten Renate Vettori und Ralph Bormann auf. 187 Schüler besuchten – „mit leicht ansteigender Tendenz“ – die Übergangsklassen. Beide machten die mangelnden Sprachkenntnisse als Hauptproblem aus. Aufgeschlossenheit und Verständnis seien hierbei gefragt. Als „sportliches Ziel“ bezeichnete es Bormann, die jungen Leute binnen zwei Jahren zur Ausbildungsreife zu führen. 30 der 40 Schüler würden das im Abschlussjahrgang in diesem Jahr vermutlich schaffen, erklärte er auf eine MZ-Nachfrage. Großes Augenmerk lege man im Berufsschulalltag auf die Aufarbeitung der Flüchtlingsgeschichte. „Wir brauchen dringend Praktikums- und Ausbildungsplätze“, appellierte er an die rund 35 Unternehmer.

Für die Arbeitsagentur beleuchtete Wolfgang Zwicknagl die rechtlichen Hintergründe. Bis auf eine Ausnahme sei für Praktika grundsätzlich die Erlaubnis von der Ausländerbehörde am Landratsamt nötig – ebenso bei Ausbildungsplätzen. Unterschieden werde unter anerkannten Flüchtlingen (laufende Asylverfahren) und Geduldeten sowie Asylberechtigten. Letztere dürften „jederzeit in Arbeit oder Ausbildung gehen“. Er empfahl aber, die Ansprechpartner im Arbeitgeberservice einzubinden. „Die Bereitschaft der Betriebe, Flüchtlinge eine Ausbildung zu ermöglichen, ist hoch“, betonte er.

Einblicke in die Praxis gewährt Werner Damböck vom Kolping-Bildungswerk in Regensburg. Gefragt seien vor allem Mechaniker-Berufe.

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Ist eine Genehmigung nötig?

  • Praktika:

    In fast jedem Fall muss laut Arbeitsagentur vor einem Praktikum der konkrete Einzelfall von der Ausländerbehörde geprüft werden. Lediglich Schulpraktika müssten nicht genehmigt werden. „Im Zweifel aber hilft nachfragen.“ Unterschieden wird laut dem Referenten in Flüchtlinge mit noch laufende Asylverfahren und Geduldeten. Nur anerkannte Asylberechtigte dürften demnach jederzeit in Arbeit oder Ausbildung gehen.

  • Ausbildung:

    Die vorgenannte Unterscheidung gilt auch für Ausbildungsplätze. Asylbewerber (laufendes Verfahren) dürfen nach der Prüfung durch die Ausländerbehörde ab dem vierten Monat eine Ausbildung beginnen; Geduldete ab dem ersten Monat. Der Aufenthalt kann für jeweils ein Jahr verlängert werden. Sofern die Ausbildung abgeschlossen wird, ist auch eine befristete Arbeitserlaubnis möglich, so Zwicknagl. (ba)

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