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Bilderschau einer Auferstehung

Vor 70 Jahren lag Schwandorf in Schutt. Eine Fotoausstellung im Rathaus zeigt alte Ansichten der Stadt und die Gegenwart.
Von Dietmar Zwick

Interessiert begutachteten die Besucher die Fotos und tauschten Erinnerungen aus.
Interessiert begutachteten die Besucher die Fotos und tauschten Erinnerungen aus. Foto: Dietmar Zwick

SCHWANDORF.Großer Andrang herrschte bei der Eröffnung der Fotoausstellung „Bilderbegegnungen - In der Geschichte die Gegenwart finden“ im Rathaus, Spitalgasse 1. Auf rund 125 Bildern, zum Teil großformatigen, historischen Aufnahmen, wird Schwandorf vor und nach Ende des Zweiten Weltkrieges gezeigt. Darunter befinden sich Luftaufnahmen und Gegenüberstellungen von Gebäuden von damals und heute.

Oberbürgermeister Andreas Feller konnte hierzu Landrat Thomas Ebeling, Alt-OB Helmut Hey, zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl, dritte Bürgermeisterin Martina Englhardt-Kopf, Stadträte und sehr viele Besucher begrüßen. Stadtarchivar Josef Fischer hatte die Ausstellung zum 70. Jahrestag des Bombardements auf Schwandorf zusammengestellt.

In Anbetracht der Bilder, und was aus Schwandorf bis heute geworden sei, zollte OB Feller den Menschen Respekt, die aus den Ruinen wieder eine funktionierende und liebenswerte Stadt entstehen ließen. Aber auch Flüchtlinge, die sich in Schwandorf niederließen, leisteten hierfür ihren Beitrag, so Oberbürgermeister Andreas Feller. Die wohl schwerste Katastrophe in der mehr 1000-jährigen Geschichte der Stadt ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 17. April 1945. Auf Schwandorf fiel eine Bombenlast von mehr als 600 Tonnen.

Leben in den Kellern

Dieses Bombardement zerstörte große Teile der damals mit Flüchtlingen heillos überfüllten Stadt.Mindestens 1250 waren zu beklagen. Darunter viele Frauen und Kinder. Aus Angst vor weiteren Luftangriffen blieben Tausende von Menschen noch mehrere Tage in den Felsenkellern, in denen sich unerträgliche hygienische Zustände ausbreiteten.

Dadurch stiegen täglich die Zahl der Infektionskranken an. Allein an Typhus und Flecktyphus waren mehr als 100 Menschen erkrankt. Hinzu kam eine unbekannte Zahl von an offener Tuberkulose, Diphterie, Masern, Keuchhusten oder auch Scharlach erkrankten hinzu, berichtete Josef Fischer.

Die Ernährungslage war mit weit unter 750 Kalorien pro Kopf mehr als unzureichend. Von einer ursprünglichen Milchlieferung von 25 000 Litern wurden nur 2500 geliefert. Dies führte zu einer sehr hohen Säuglingssterblichkeit.

Ganz bewusst beginnt die Ausstellung im Eingangsbereich mit großformatigen Bildern, die die Zerstörung Schwandorfs zeigen. Bei manchen Aufnahmen ist schwer zu sagen, in welchem Bereich Schwandorfs das Bild gemacht wurde. Vier Luftaufnahmen von 1944, vom 16. April 1945, also einem Tag vor dem Bombardement, einige Tage nach der Zerstörung und schließlich aus dem Jahre 1952 bilden den Einstieg in die Ausstellung.

Bald Besserung der Verhältnisse

Die Fotoschau sollte allerdings nicht in der Zerstörung enden, sondern die Zeit nach 1945 widerspiegeln. Schon in den 1950er Jahren kann man bereits von einer Verbesserung der Lebensverhältnisse sprechen, erklärte Fischer. „Etwas in der geschichtlichen Gegenwart finden, Vergangenes in Erinnerung rufen, die Gegenwart festhalten und für die Zukunft dokumentieren“, ist das Fazit der Ausstellung für Josef Fischer.

Die Vernissage wurde von Corinna Böhm (Gesang) und Andreas Juraske (Gitarre) musikalisch umrahmt.

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