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Kommunikation

Buddeln für Turbo auf der Datenautobahn

Fast 12 000 Haushalte sollen bis Ende 2016 schnelles Internet nutzen können. 30 Kilometer Glaskabel werden dafür verlegt.
Von Reinhold Willfurth

Sie freuen sich über das schnelle Tempo auf der Datenautobahn in der Innenstadt: Enrico Delfino von der Telekom, Dritte Bürgermeisterin Martina Engelhardt-Kopf, OB Andreas Feller, Wirtschaftsförderin Maria Schuierer, Thomas Krieger von der Telekom und Stadtbaumeister Roland Stehr (vorne, v. l.)
Sie freuen sich über das schnelle Tempo auf der Datenautobahn in der Innenstadt: Enrico Delfino von der Telekom, Dritte Bürgermeisterin Martina Engelhardt-Kopf, OB Andreas Feller, Wirtschaftsförderin Maria Schuierer, Thomas Krieger von der Telekom und Stadtbaumeister Roland Stehr (vorne, v. l.)Foto: fu

Schwandorf.Wer sich zu Tagesschau, Tatort oder einer anderen Lieblingssendung verspätet hat, der braucht sich ab Dezember nicht mehr zu grämen – vorausgesetzt, er lebt in der Schwandorfer Innenstadt und leistet sich einen neuen Service der Telekom. Die Nummer eins der deutschen Kommunikationsunternehmen lässt derzeit 45 Multifunktionsgeräte in der Stadt (und drei in Wackersdorf) installieren, um das sogenannte Vectoring vorzubereiten. Mit dieser Turbotechnik für die Datenautobahn würden Dienste wie das zeitversetzte Fernsehen möglich, sagte Dipl. ing. Thomas Krieger, Leiter Technik der Niederlassung Nord der Telekom, beim symbolischen Spatenstich am Montag in Fronberg.

Noch wichtiger dürfte für viele Nutzer des sogenannten VDSL-Netzes die Geschwindigkeit sein, die der Datenturbo ermöglicht. Die Telekom verspricht eine Verdoppelung des Tempos beim Herunterladen von Daten auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Beim Heraufladen soll sich das Tempo sogar vervierfachen. (Video-)Telefonieren, Surfen und Fernsehen soll mit der neuen Technik gleichzeitig möglich sein.

Glasfaserkabel mit ihrer schier unbegrenzten Datenkapazität machen die Beschleunigung auf der Datenautobahn möglich. Rund 30 Kilometer davon lässt die Telekom in den nächsten Monaten im Stadtgebiet verlegen. Sie ergänzen die Kupferkabel, die von der Telekom-Vermittlungsstelle am Bahnhof zu den Verteilerkästen in der City führen. Von dort geht es nach einer Datenwandlung wiederum per Kupferkabel in die jeweiligen Häuser. 11 800 Haushalte, davon gut 8000 in der Großen Kreisstadt, können so mit der neuen Technik versorgt werden.

So häufig, wie die Länge der verbauten Glaskabel befürchten lässt, soll es nicht zu Behinderungen auf den Straßen der Innenstadt kommen, versprach Krieger: „Nur cirka sieben Kilometer werden wir aufgraben müssen, für den Rest verwenden wir bestehende Rohre“.

Telekominvestiert1,5 Millionen Euro

Bis zum Ende des Sommers will die Telekom die Leitungen verlegt haben. Ende November/Anfang Dezember werden sie dann freigeschaltet. Die Telekom hofft auf viele Kunden, um die Investition von rund 1,5 Millionen Euro profitabel zu machen. „Mittelfristig brauchen wir 60 Prozent der Kunden“, gab Thomas Krieger als Ziel vor. Ab 35 Euro monatlich lasse sich der neue Service für Fernsehen, Internet und Telefonie benutzen, sagte Enrico Delfino vom Telekom-Vertrieb. Je nach Nutzung kann sich dieser Betrag auch leicht in dreistellige Dimensionen bewegen.

Vor allem die schnellere Ladegeschwindigkeit dürfte für viele Kunden attraktiv sein. An vielen Stellen in der Innenstadt bewegt sich der Internet-Verkehr bei einem Tempo von 20 bis 25 MBit pro Sekunde ziemlich lahm. Stellenweise geht es sogar nur im Schneckentempo vorwärts. Das liegt laut Thomas Krieger am Kupferkabel, dessen Signale mit zunehmender Länge immer schwächer werden. Die neue Technik analysiere und eliminiere Störsignale bis zu 200 einzelne Kabel „in Echtzeit“ per Gegensignal. „Das muss man sich vorstellen wie bei aktiven Kopfhörern, bei denen störende Außengeräusche ausgeschaltet werden“, so Krieger.

Vorsicht bei Bohrungen angemahnt

Damit der Zeitplan eingehalten werden kann, ist eine reibungslose Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung nötig. Stadtbaumeister Roland Stehr versprach, Aufbruchgenehmigungen in zwei bis drei Tagen zu besorgen. Allerdings müsse man mit Verfahren wie Spülbohrungen vorsichtig sein: Im Schwandorfer Boden könnten immer noch Relikte des Bombenangriffs von 1945 verborgen sein.

Oberbürgermeister Andreas Feller zeigte sich aus zwei Gründen froh über den Ausbau der Datenautobahn in der Schwandorfer Innenstadt: Zum einen sei der Ausbau ein Standortvorteil für die Stadt. Denn nicht nur private Nutzer profitierten davon, sondern auch Selbstständige und Arbeitnehmer mit Heimbüro. Zum anderen dankte er der Telekom, den Ausbau eigenwirtschaftlich, also ohne öffentliche Zuschüsse, angepackt zu haben.

Knapp die Hälfte der Schwandorfer Haushalte müssen auch nach dem Ausbau der Telekom immer noch mit lahmem Internet auskommen – aber nicht mehr lange, wenn es nach der Stadt geht. Die Verwaltung plant auch im restlichen Stadtgebiet den Anschluss an den Daten-Turbo, der in diesem Fall von Bundes- und Landesmitteln gefördert wird.

Gerade weil in Bayern der Ausbau derzeit besonders stark gefördert wird, könne die Telekom derzeit Unterstützung aus dem Norden gebrauchen, sagte Wilhelm Köckeis, zuständig für den Breitbandausbau der Telekom in den ostbayerischen Kommunen. Das ist der Grund, warum mit Thomas Krieger der Leiter der für Hamburg und Schleswig-Holstein zuständigen Technik-Niederlassung des Kommunkationsriesen zum Spatenstich gekommen war – aber nicht der einzige: Krieger nahm die Gelegenheit zu einem Wiedersehen mit seiner Heimatstadt nur zu gerne wahr, wie er sagte.

Dem jetzigen Ausbau waren monatelange Planungen der Telekom vorausgegangen. Wegen des Ausbaubooms in Bayern müsse man sich die Kapazitäten der Bauunternehmer sichern, denn nach der Ankündigung müsse der Ausbau binnen eines Jahres über die Bühne gehen. Sonst drohten Regressforderungen.

Die neue Technik

  • Verfahren:

    Vectoring verringert das unerwünschte Übersprechen zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen. Dadurch kann die Übertragungsrate, insbesondere in ungeschirmten Kabelbündeln üblicher Telefonnetze und mit vielen VDSL-Teilnehmern, teils deutlich gesteigert werden. Die Telekom baut die neue Technik in der Kernstadt, im Industriegebiet Bellstraße sowie in den nahe gelegenen Ortsteilen Dachelhofen, Ettmannsdorf, Fronberg und Krondorf ein. Die Rechnung zahlen die Kunden der neuen Technik, die Stadt muss für den Ausbau nichts beisteuern.

  • Ausbau:

    Für den Breitbandausbau in den restlichen Ortsteilen und an der Peripherie hat die Stadt Schwandorf im aktuellen Haushaltsjahr 2,2 Millionen Euro eingeplant. Bis spätestens 2019, wenn das Bundesförderprogramm ausläuft, sollen auch die letzten Weiler und Gehöfte im Stadtgebiet ans schnelle Internet angeschlossen sein – mit Übertragungsraten von rund 30 Megabit pro Sekunde, wie sie die bayerische Breitbandinitiative vorsieht. Auch an diesem zweiten Ausbauschritt will sich die Telekom bei einer Ausschreibung beteiligen.

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