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Das heiße Wasser fließt bald noch weiter

Durch die Fernwärmeversorgung werden in Schwandorf sechs Millionen Liter Heizöl – Tendenz steigend – alljährlich eingespart.
Von Dietmar Zwick

  • Ein Arbeiter schweißt die Leitung im Autogenschweißverfahren zusammen. Fotos: Dietmar Zwick
  • Ein Wirrwarr an unterschiedlichen Leitungen Strom, Gas, Telefon, Starkstrom, Kanal oder auch Wasserleitungen.
  • Thomas Seidel, Firma Steininger, OB Andreas Feller, stv. SWF-Werkleiter Christof Both, Günter Kraus SWF, Andreas Schmid von S² Beratende Ingenieure, und SWF Werkleiter Walter Zurek (von links)

Schwandorf.Zahlreiche Verkehrsteilnehmer mussten in den letzten Wochen Staus, Umwege oder längere Wartezeiten vor der Ampelanlage am Wendelinplatz in Kauf nehmen. Doch am Ende profitieren die Umwelt und die Schwandorfer Bürger. Denn alljährlich werden rund sechs Millionen Liter Heizöl aufgrund der städtischen Fernwärmeversorgung in Schwandorf eingespart. Und der Einspareffekt wird mit dem Ausbau des Netzes immer größer.

Rund 620 Haushalte werden dadurch mit Heizenergie versorgt. 30 Prozent der Leistung benötigen Unternehmen und 40 bis 45 Prozent gehen an öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Bäder und verschiedene Ämter; aber auch das Krankenhaus und das Gemeinsame Zentrum der deutsch-polnischen Polizei- und Zollzusammenarbeit werden durch das städtische Fernwärmenetz, das nun auf eine Länge von rund 45 Kilometern angewachsen ist, effizient und ökologisch versorgt. Im Vergleich dazu sind gut 450 Kilometer Wasserleitung von Dauching bis Niederhof und Fronberg bis Bubach im Erdreich verlegt.

Bereits Anfang der 80er-Jahre wurde eine kalte Fernwärme, die aus der Abwärme des Kühlturms des Bayerwerks gespeist wurde, aufgebaut. Um damit Wohnungen zu beheizen, musste das Wasser mittels dreier Gasgeneratoren von einer Temperatur von 30 bis 40 Grad auf 90 Grad erhitzt werden. Diese Versorgungszentrale war im Gleisdreieck beim St. Barbara-Krankenhaus angesiedelt und machte die damalige Fernwärme eher uneffektiv.

Doch seit 1996 wird das Leitungsnetz vom Müllkraftwerk Schwandorf gespeist. Heute wird das Netz mit 90 bis 125 Grad heißem Wasser bei einem Ruhedruck von sechs bar betrieben, im Winter auch bis zu zwölf bar. Drei Wärmetauscher mit einer Leistung von je neun Megawatt sind dafür installiert, wie Werkleiter Walter Zurek erklärte. Doch weil sich die umweltfreundliche und günstige Energie weiter großer Beliebtheit erfreut, wächst auch das Netz.

Neue Versorgungszentrale

Eine weitere Baumaßnahme setzte man ebenfalls beim Müllkraftwerk um, eine neue Leitung von der Hauptleitung bei der ZMS Fernwärmeauskoppelung, parallel zum Werksgleis in das zu erwartende Industriegebiet Süd wurde verlegt. Darüber hinaus errichtete man 2014 eine neue Versorgungszentrale am Gleis, die bereits ihren Betrieb aufgenommen habe und sich im Winter schon positiv bemerkbar machte, wie Zurek informierte.

Doch bis eine neue Fernwärmeleitung verlegt wird, vergehen drei bis vier Jahre Planung, wie Werkleiter Walter Zurek am Montagmittag am Wendelinplatz erklärte. Und besonders schwierig sind die Arbeiten in der Innenstadt, eine Herausforderung für alle Beteiligten – ähnlich wie schon 2013 in der Inneren Ettmannsdorfer Straße bis hinauf zum Rathaus. Und trotz des im Vorfeld nicht geplanten Austausches der Gasleitungen konnte damals alles termingerecht fertiggestellt werden. Archäologische Ausgraben unterbrachen die Arbeiten ebenfalls immer wieder.

Nun werden seit Wochen in der Regensburger Straße und Friedrich-Ebert-Straße Leitungen verlegt, damit wieder mehr Bürger mit Wärme aus dem Heißwassernetz versorgt werden können. Der Anschluss der Stichleitung erfolgte in der Pesserlstraße und geht an der Adenauerbrücke entlang bis hinauf zur Schwaigerstraße, wo dann dass Ende ist. Doch diese Baustelle hatte es in sich. Vor allem die Baggerführer brauchten hierfür das notwendige Fingerspitzengefühl. Viele Versorgungsleitungen wie Telefon, Kabelfernsehen, Stromkabel für Hausanschlüsse, 20 kV-Hauptleitungen, Kanal, Gas, Ampelkabel und Wasserleitung mussten gekreuzt werden; und dabei muss immer ein Abstand von 30 Zentimeter zu anderen Leitungen eingehalten werden, was aufgrund der Leitungsdichte nicht mehr möglich sei, betonte Zurek.

800 Meter Fernwärmeleitung mit Vor- und Rücklauf werden in diesem Bereich für 485 000 Euro verlegt. Hinzu kam die Erneuerung der 175er-Trinkwasserleitung auf 400 Meter Länge, die schon 107 Jahre auf dem Buckel hat. Damit wird nun ein Ring geschlossen, was für Zurek sehr erfreulich ist, denn es erhöhe die Versorgungssicherheit. Hierfür müssen rund 290 000 Euro aufgewendet werden.

Doch nicht immer lief alles glatt, denn beim Zusammenschluss der Wasserleitung kam es nachts zu drei Rohrbrüchen, die die Arbeiter der Firmen Sieber, Steininger und die städtischen SWF-Mitarbeiter zu einer unfreiwilligen Nachtschicht herausforderten. Gut ausgegangen ist zum Glück auch das Leck in der Gasleitung an der Kreuzung zur Garrstraße. Obwohl Firmen Betriebsurlaub hatten, waren sie zur Stelle. Die Auftragsvergabe an örtliche Firmen habe sich damit wieder mehr als positiv erwiesen, betonte Zurek.

Demnächst werde noch die Fernwärmeleitung von der Agentur für Arbeit zur Galgengasse geführt. Erfreulich für die Verkehrsteilnehmer ist, dass ab Ende der Woche die Straße von der Wackersdorfer Straße her über die Regensburger Straße zur Pesserlstraße und Adenauerbrücke wieder frei befahrbar ist, kündigte Zurek an. Davon, die Fernwärmeleitungen weiter in die Friedrich-Ebert-Straße zu verlegen, sehe man vorerst ab. Man müsse erst sehen, was die Zukunft bringe. Die Schwaigerstraße wäre für später noch eine Option.

Durch unvorhergesehene Schäden im Bereich Wendelinplatz werden insgesamt 800 000 Euro in Wasser- und Fernwärmeversorgung hier investiert. Auch in der Flurstraße wird das Heißwassernetz um 400 Meter mit einem Kostenaufwand von rund 200 000 Euro erweitert. Insgesamt fließen 2015 1,3 Millionen Euro in den Ausbau eines „Energienetzes, das nachhaltig, regenerativ und besonders umweltfreundlich und für Industriebetriebe sehr interessant“ ist, wie Zurek schwärmte.

Ziel ist die Energiespeicherung

Denn große Betriebe, die ein Kesselhaus mit einer Leistung von einem Megawatt betreiben, brauchen einen Kesselwärter. Beim Fernwärmenetz werden die Kesselwärter im Müllkraftwerk eingesetzt und stellen so diese Energieversorgung sicher: rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Ein weiterer Schritt werde die Speicherung von Energie in der Fernwärme sein. Denn am Morgen werde mehr davon benötigt und die Pumpen im Müllkraftwerk müssen mehr leisten. Um einen gleichmäßigen Pumpenlauf zu ermöglichen, plane man die Speicherung und Pufferung. Damit ist man anderen Städten wieder einen Schritt voraus.

OB Andreas Feller und Werkleiter Walter Zurek dankten den Vertretern der beteiligten Firmen Thomas Seidel und Franz Weigl von der Firma Steininger, dem Planer Andreas Schmid von S² Beratende Ingenieure Stelzenberger + Scholz, dem stellvertretenden SWF Werkleiter Christof Both und Günter Kraus, für die im Zeitplan liegenden Arbeiten, die im Bereich Wendelinplatz noch bis Mitte November dauern werden. Oberbürgermeister Andreas Feller zollte allen beteiligten bauausführenden Partnern aus der Umgebung seinen Respekt, das alles reibungslos, trotz des fließenden Verkehrs, über die Bühne gehe. Auf der einen Seite werden die Bürger mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt und auf der anderen Seite das Wasserversorgungsnetz erneuert, was ihn sehr positiv stimmt.

Zahlenspiele

  • Dimensionen:

    Das ganze derzeit bestehende rund 45 Kilometer lange Fernwärmenetz ist mit 950 Kubikmeter konditioniertem Wasser gefüllt.

  • Aufwand:

    Um diese Menge im Sommer einmal umzuwälzen, dauert es etwa 16 Stunden, im Winter geht dies aufgrund des erhöhten Wärmebedarfs mit zwei bis drei Stunden viel schneller.

  • Finanzen:

    Die Kilowattstunde kostet derzeit 5,5 Cent und ist damit sehr günstig. Ein Meter verlegte Fernwärmeleitung schlägt mit 700 Euro Netto zu Buche.

  • Leistung:

    Um dem steigenden Bedarf leistungsmäßig nachzukommen, wurde eine Erhöhung auf 36 Megawatt Heizleistung im Jahr 2016/17 beantragt; das heißt die in der Fernwärmeauskoppelung des ZMS aufgestellten drei Heizkondensatoren (Heikos) werden durch drei Zwölf-Megawatt Heikos ersetzt, um so für die Zukunft gerüstet zu sein.

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