MyMz
Anzeige

Technik

Die Drohne über Nachbars Garten

Mit den Hightech-Fliegern, die auch im Kreis Schwandorf zum Hype geworden sind, bewegen sich Hobbypiloten in einer Grauzone.
Von Hubert Heinzl

Privat genutzte Drohnen oder Multicopter werden zunehmend auch im Landkreis Schwandorf gesichtet – aber auch die Hobbypiloten bewegen sich rechtlich nicht im luftleeren Raum und müssen den Schutz der Privatsphäre beachten.
Privat genutzte Drohnen oder Multicopter werden zunehmend auch im Landkreis Schwandorf gesichtet – aber auch die Hobbypiloten bewegen sich rechtlich nicht im luftleeren Raum und müssen den Schutz der Privatsphäre beachten. Foto: dpa

Schwandorf.Als Franz P. (51, Name geändert) aus Maxhütte-Haidhof an einem Wochenende Anfang April mit seiner Frau beim Garteln ist, hat er ein verstörendes Erlebnis. Es ist Nachmittag, die Sonne scheint, da hört er auf einmal „ein summendes Geräusch. Und dann ist dieses Ding gekommen, vielleicht in 40, 50 Meter Höhe, und direkt über uns stehen geblieben. Die Kamera konnte man deutlich sehen. Dann flog es weiter und ist am Ende irgendwo zwischen den Nachbarhäusern verschwunden.“

Das Ding war eine Drohne, ein Multicopter, wie er inzwischen bei jedem besser sortierten Elektronik-Versand und natürlich im Internet erhältlich ist. Inzwischen sind die „Unmanned Air Vehicles“ (UAV) auch für Privatleute erschwinglich. Doch damit fangen die Probleme erst so richtig an. Denn zumindest Franz P. hatte hatte plötzlich ein ungutes Gefühl. „Als hätte uns jemand beobachtet“, sagt der 51-Jährige.

So wie dem Freiberufler aus dem Maxhütter Ortsteil könnte es künftig vielen Menschen ergehen. Die Mini-Drohnen für den Privatgebrauch müssen bisher nirgendwo angemeldet werden. „Drohnen“, heißt es in einer Antwort des zuständigen Luftamts Nordbayern in Nürnberg auf eine MZ-Anfrage, „können von jedermann erworben werden, ohne dass dies einer Registrierung bei einer staatlichen Stelle bedürfte“. Daher existierten auch keine Statistiken über ihre Verbreitung. Aber es gibt Schätzungen, wonach die Zahl der „unbemannten Flugobjekte“ allein in Europa pro Jahr um 100 000 steigen wird. Schon jetzt sollen weltweit viereinhalb Millionen der Multicopter die Runde machen.

„Bei uns ist alles streng geregelt“

„Das ist ein echter Hype geworden“, sagt Johnny Gruber, von dem die Zahlen stammen. Er ist nicht nur langjähriger Vorsitzender des Modellbauclubs Schwandorf mit seinen 85 Mitgliedern, sondern auch Gebietsbeauftragter Ostbayern des Deutschen Modellfliegerverbands (DMFV). Als solcher repräsentiert er immerhin 47 Vereine mit rund 2500 begeisterten Modellfliegern – und hat auch in dieser Funktion immer mehr mit den unbemannten Flugkörpern zu tun.

Multicopter sind beliebt wie nie:

Das Wort „Drohne“ kommt Gruber schwer über die Lippen, denn er wehrt sich gegen die Vorstellung „der bösen Modellflieger, die uns ausspionieren“. Der Funktionär spricht deshalb lieber von den Multicoptern, die inzwischen auch im Schwandorfer Verein eine Rolle spielen. „Wir haben selber welche – drei, vier Mitglieder vielleicht. Doch bei uns ist das alles streng geregelt“, sagt Gruber. Wenn ein Modellflieger mit einem handtellergroßen Flugobjekt im eigenen Wohnzimmer herumexperimentiert, ist das ohnehin seine Sache, die Öffentlichkeit nicht tangiert. Und auf dem Vereinsgelände am Murnersee gelten dieselben Bestimmungen wie für die traditionellen Fluggeräte.

Es gibt eine offizielle, vom Luftamt Nordbayern abgesegnete Aufstiegserlaubnis und einen genehmigten Flugradius von 500 Metern um das Vereinsheim. All das ist auch noch in Luftraumkarten amtlich festgehalten. Die Quadrocopter des Vereins haben ohnehin gerade mal eine Reichweite von 100 Metern.

„Wir haben selber welche – drei, vier Mitglieder (die Multicopter besitzen, Anm. d. Red.) vielleicht. Doch bei uns ist das alles streng geregelt.“

Johnny Gruber, Vorsitzender des Modellbauclubs Schwandorf

Für problematisch hält Johnny Gruber dagegen die Nutzung von Multicoptern außerhalb von Vereinsstrukturen. Zwar bewegen sich die privaten Drohnen-Piloten rechtlich nicht im luftleeren Raum – sie gelten laut Luftverkehrs-Ordnung als „Flugmodelle“, wenn sie ausschließlich zum Zweck des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden. Doch wer weiß schon über die damit verbundenen Einschränkungen Bescheid? Das fängt schon damit an, dass Schäden durch Drohnen fast immer nur durch eine zusätzliche „Lufthaftpflichtversicherung“ abgedeckt werden; fehlt diese, muss der Besitzer des unbemannten Flugobjekts für Schäden selber aufkommen. Und es endet beim Verbot, ohne Erlaubnis des Luftamts Nordbayern eine Drohne über Menschenansammlungen aufsteigen zu lassen – ganz einfach aus Sicherheitsgründen. Auch oberhalb einer gewissen Gewichtsgrenze endet der Freiflugschein für Drohnenbesitzer – ab fünf Kilo bedarf es ebenfalls einer Erlaubnis.

Ansonsten ist der Überflug über Nachbars Garten rein luftrechtlich nicht geregelt. Aber auch 40 Meter über dem Boden bewegt sich der Drohnen-Besitzer nicht in einem rechtsfreien Raum. Wenn er einfach ablichtet, wie sich die Nachbarin auf der Terrasse räkelt, sind laut aktueller Rechtsprechung deren Persönlichkeitsrechte verletzt. Und das kann teuer werden. Die Internet-Plattform jurablogs.com zitiert dazu ein aktuellen Urteil des Amtsgerichts Potsdam. Das untersagte dem Hobby-Piloten sämtliche Aufnahmen vom Nachbargrundstück und den sich dort aufhaltenden Personen. Bei Zuwiderhandlung drohte es mit einem Ordnungsgeld von 250 000 Euro.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Regensburg sind laut Pressesprecher Marco Müller bisher noch keine Rechtsverstöße durch Multicopter bekanntgeworden. Aber die Beamten wappnen sich für die Zukunft. „Die Mitarbeiter des Sachgebiets Verkehr bereiten gerade die Rechtsgrundlagen auf und informieren die Kollegen“, so der Pressesprecher.

Ärger über die schwarzen Schafe

Vereinschef Johnny Gruber ärgert sich über die schwarzen Schafe, denn sie werfen nach seinen Worten ein schlechtes Licht auf die Modellflieger insgesamt. Im Augenblick hat er aber noch andere Sorgen. Die von Verkehrsminister Alexander Dobrindt geplante Novellierung des Luftrechts, fürchtet er, könnte das Vereinsleben auf lange Sicht in die Knie zwingen.

Rechtsfragen und Kategorien

  • Flugmodelle:

    Wenn Drohnen nur zum Zweck des Sports oder der Freizeitgestaltung betrieben werden, gelten sie luftrechtlich als Flugmodelle. Sie dürfen über Menschenansammlungen aus Sicherheitsgründen nur mit Erlaubnis des Luftamts Nordbayern betrieben werden, ebenso ab fünf Kilo Gewicht. Weitergehende Bestimmungen gibt es nicht, auch keine Registrierung.

  • Unbemannte Luftfahrtsysteme:

    Für alle anderen Drohnen, also etwa bei einer kommerziellen Nutzung, gelten die Bestimmungen für sogenannte Unbemannte Luftfahrtsysteme. Sie bedürfen in jedem Fall einer sogenannten Aufstiegserlaubnis durch das Luftamt Nordbayern in Nürnberg. Es gilt nationales Recht, europarechtliche Regelungen sind aber in Vorbereitung. (hh)

Denn es gebe Bestrebungen, die Mini-Multicopter mit den gigantischen Transportdrohnen in einen Topf zu werfen, deren Zulassung Frachtriesen wie Amazon oder DHL bei den europäischen Aufsichtsbehörden beantragt haben. Das aber würde zu einem enormen bürokratischen Aufwand führen und viele Vereinsaktivitäten lähmen. Auch eine Höhenbegrenzung auf 100 Meter für Modellflieger schwebt Verkehrsminister Dobrindt vor. Johnny Gruber: „Dann könnte man von 19 deutschen und internationalen Meisterschaften 15 nicht mehr durchführen“. Der DMFV mit seinen bundesweit 86 000 Mitgliedern hat deshalb unter www.pro-modellflug.de eine Online-Petition gestartet, um die Pläne des Bundesverkehrsministeriums zu stoppen.

Weitere Nachrichten aus dem Kreis Schwandorf lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht