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Die ersten Erfahrungen im Betrieb

Mit der Aktion „Ein Tag Azubi“ öffneten die Wirtschaftsjunioren in Schwandorf jungen Flüchtlingen die Werkstore.
Von Hubert Heinzl

Unter dem Motto „Ein Tag Azubi“ absolvierten acht Schüler(innen) aus den Flüchtlingsklassen erstmals ein Schnupperpraktikum.
Unter dem Motto „Ein Tag Azubi“ absolvierten acht Schüler(innen) aus den Flüchtlingsklassen erstmals ein Schnupperpraktikum. Foto: Heinzl

Schwandorf.Es ist ein Beispiel, das Schule machen soll: Acht junge Flüchtlinge beteiligten sich kürzlich an der Aktion „Ein Tag Azubi“, mit der die Wirtschaftsjunioren nicht nur im Landkreis Schwandorf jungen Leuten mit Nachholbedarf die Berufsorientierung erleichtern wollen. „Die Erfahrungen in den Unternehmen waren gut bis sehr gut“, fasste IHK-Geschäftsführer Markus Huber zusammen. Und: „Man kann nur an alle Betriebe appellieren, konstruktiv an das Thema Flüchtlinge heranzugehen“, wie er bei einem Pressegespräch im Berufsschulzentrum betonte.

Natürlich sind die acht Freiwilligen – darunter auch zwei junge Frauen – noch nicht topfit für ihren künftigen Beruf. Es war ihr erstes in einer ganzen Reihe von Berufspraktika, so Lehrerin Anna Hanf vom Berufsschulzentrum. Die Schülerinnen und Schüler stehen erst am Anfang der zweiten, stärker berufspraktisch orientierten Integrationsklasse. Und so haperte es wenigstens zum Teil noch an den Deutschkenntnissen, oder auch an Fähigkeiten, die Kinder und Jugendliche heutzutage schon fast mit der Muttermilch aufsaugen – Computerkenntnissen etwa.

Bei den „Social Skills“ dagegen sind die jungen Leute aus der Fremde oft wesentlich weiter als ihre deutschen Altersgenossen. Erlache (16) aus Afghanistan beispielsweise hinterließ bei Elisabeth Berger von der gleichnamigen Physiotherapiepraxis in Nabburg einen „sehr positiven Eindruck“. Sie war „hilfsbereit, offen und sehr interessiert und hatte keine Berührungsängste“, als es auch einmal in eine gerontopsychiatrische Abteilung ging. „Ich denke, das Mädel macht ihren Weg“, so Bergers Eindruck. Für sie käme etwa eine Ausbildung an den Berufsfachschulen für Kinder- oder Sozialpflege in Oberviechtach in Frage, so Ralf Bormann, der Leiter des Berufsschulzentrums in Schwandorf. Auch die zweite Praktikantin, die sich für eine Arbeit als Bürokauffrau interessierte, überzeugte Inga Tschirch, die Vorstandssprecherin der Wirtschaftsjunioren, durch ihre menschlichen Qualitäten: „Total motiviert, höflich und sehr, sehr nett“, fand sie die junge Mitarbeiterin auf Zeit.

Aktion „Ein Tag AZUBI“

  • Hintergrund:

    Mit der bundesweiten Aktion der Wirtschaftsjunioren unter dem Motto „Ein Tag Azubi“ soll jungen Leuten, die im Wettbewerb um attraktive Ausbildungsplätze aus den verschiedensten Gründen benachteiligt sind, die Berufsorientierung erleichtert werden. Einen Tag lang lernen die Interessenten einen Betrieb kennen – mit dem Ziel, ein längerfristiges Praktikum und am Ende einen Ausbildungsplatz zu bekommen, der ihren Interessen und ihrer Qualifikation entspricht.

  • Teilnehmer:

    An der zweiten Aktion „Ein Tag Azubi“ nahmen acht junge Flüchtlinge teil, die in sechs Betrieben den Arbeitsalltag kennenlernen konnten, unter anderem bei der Schwandorfer Baufirma Donhauser, dem bbz oder emz Hanauer in Nabburg. (hh)

Aber auch die jungen Praktikanten waren voll des Lobes über den Schnuppertag. Doumbia (18) aus der Elfenbeinküste lernte beim bbz die ersten Schritte in der Metallbearbeitung. Der junge Syrer Abdul (20) genoss die Werksführung bei emz Hanauer in Nabburg und schwärmte von den Sensoren, die hier für Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte gefertigt werden. Persönlich interessiert ihn alles, was mit Informatik, Kommunikations-, Foto- oder Videotechnik zu tun hat. Und Belete (24) aus Äthiopien kann sich nach dem Mini-Praktikum bei der Spedition Kiessling in Regenstauf durchaus vorstellen, bei der Firma eine Ausbildung zu machen. „Es hat viel Spaß gemacht“, erzählt er dem MZ-Reporter und meint damit vor allem die Fahrt mit dem Gabelstapler und im 40-Tonner. „Sie haben gesagt, ich soll eine Bewerbung schicken und ein Praktikum machen, und das werde ich tun“, sagt der junge Mann.

Bei allen Fortschritten bei der beruflichen Integration von Flüchtlingen – beim Pressegespräch traten Schulleiter Ralf Bormann und Werner Nagler vom Berufsschulzentrum auch auf die Euphoriebremse. Die sieben Flüchtlingsklassen, die zur Zeit in Schwandorf eingerichtet sind, decken laut Bormann längst nicht den tatsächlichen Bedarf. Zudem fehlt es an Lehrkräften. Der Markt für Lehrer(innen), die Deutsch als Zweitsprache unterrichten, ist im Augenblick nahezu leergefegt. Deshalb fordern die Männer aus der Praxis, dass die Professur für Deutsch als Zweitsprache an der Uni Regensburg zum Lehrstuhl ausgebaut wird. So soll wenigstens genug Personal aufgebaut werden, um die Lehrkräfte in der Oberpfalz für die neuen Aufgaben zu schulen.

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