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Die etwas andere Ausbildungsmesse

Berufsschule, IHK, Handwerkskammer und Arbeitsagentur Schwandorf brachten junge Flüchtlinge und Ausbildungsbetriebe zusammen.
Von Renate Ahrens

Die Handwerker und Firmenvertreter hatten oftmals Arbeitsmaterialien oder Werkzeuge zur Veranschaulichung mitgebracht.
Die Handwerker und Firmenvertreter hatten oftmals Arbeitsmaterialien oder Werkzeuge zur Veranschaulichung mitgebracht. Fotos: Ahrens

Schwandorf.Eigentlich unterscheidet sich bei dieser Ausbildungsmesse nichts von anderen solchen Veranstaltungen – die rund 50 Jugendlichen gehen von Stand zu Stand, informieren sich über die jeweiligen Berufe und kommen mit den potenziellen Arbeitgebern in Kontakt. Wie lange dauert die Ausbildung? Wieviel kann ich danach verdienen? Solche und andere Fragen werden gestellt, die Antworten eifrig notiert. Manche geben sogar schon ihren Lebenslauf ab.

Arbeitsalltag ganz anders

Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Diese Ausbildungsmesse im Charlottenhof wurde speziell für Asylbewerber und Flüchtlinge ausgerichtet. Die jungen Menschen, die sich hier für die Berufe interessieren, lernen erst seit einem bis zwei Jahren Deutsch. Es ist beeindruckend, wie gut sie sich verständigen können und wie engagiert sie sind. Schließlich unterscheiden sich die Berufe und auch der Arbeitsalltag in vielen Punkten von dem, was sie aus ihrer Heimat kennen; das ist die Erfahrung der Handwerkskammer Schwandorf, in deren Räumen die Messe erstmals stattfand. Die berufsschulpflichtigen, meist 17- bis 18-jährigen Asylbewerber und Flüchtlinge besuchen aktuell die BAF-Klassen des Berufsschulzentrums in Schwandorf. „Es sollen vor allem Berührungsängste abgebaut werden“, erklärt Angela Sedlmaier, Ausbildungsakquisiteurin für Flüchtlinge bei der Handwerkskammer. In kleinem Rahmen sollte die Messe deshalb ablaufen und den jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich auf unkomplizierte Art zu informieren.

„Die meisten jungen Flüchtlinge bringen sehr gute Arbeitserfahrungen von zu Hause mit, die ihnen nützen. Sie sind höflich und engagiert.“

Dr. Anna Hanf, Sozialpädagogin

Veranstalter sind das Berufsschulzentrum Schwandorf, die IHK Regensburg, die Agentur für Arbeit sowie die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Elf Firmen aus verschiedensten Branchen sind vertreten – von Bäcker über Schreiner bis zum Friseur. Um die Tätigkeiten so anschaulich wie möglich zu machen, haben die Firmenvertreter spezifische Werkzeuge wie Hobel oder Isolierrohr oder die jeweiligen Produkte mitgebracht.

Konditor Johann Brunner (re.) hat bereits zwei Beschäftigte aus Syrien und war auch bei der Ausbildungsmesse vertreten.
Konditor Johann Brunner (re.) hat bereits zwei Beschäftigte aus Syrien und war auch bei der Ausbildungsmesse vertreten.

Ziel der Messe ist es, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Praktikums- oder womöglich gar eine Ausbildungsstelle zu vermitteln. Dass die Betriebe dringend Lehrlinge suchen, ist keine Frage. Erfahrungen mit ausländischen Mitarbeitern hat zum Beispiel Konditor Johann Brunner aus Schwandorf schon gemacht: „Wir haben zwei syrische Arbeitskräfte in der Backstube und im Laden. Wir sind mit ihnen außerordentlich zufrieden. Sie sind zuverlässig, pünktlich und sehr liebenswürdig“, lobt er. Und: „Man muss ihnen doch eine Chance geben!“ Auch Brunner ist überrascht, wie gut die jungen Messebesucher die deutsche Sprache schon beherrschen. Da es unmöglich ist, ohne ausreichende Sprachkenntnisse auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, wird in den BAF-Klassen darauf großer Wert gelegt.

„Man muss tolerant sein und Zeichen setzen statt über die Situation der Flüchtlinge zu jammern. Wenn wir nichts machen, kostet uns das noch mehr.“

Bernhard Helmstreit, Agentur für Arbeit

Manche, die nach Deutschland kommen, haben noch nie eine Schule von innen gesehen. Andere haben sogar schon einige Semester an der Universität absolviert, bevor die politische Lage ihres Heimatlands sie zur Flucht zwang, weiß Bernhard Helmstreit von der Agentur für Arbeit. Der Bildungsstand sei sehr unterschiedlich, das bedeutet für das Berufsschulzentrum eine große Herausforderung. „Wir versuchen, viele praxisbezogene Projekte zu integrieren“, erklärt Sozialpädagogin Dr. Anna Hanf.

Interesse an Pflegeberufen

Ein Praktikum zu absolvieren, um zu sehen, welcher Beruf welche Anforderung stellt und um Erfahrungen zu sammeln, sei deshalb das Wichtigste, sagt auch Helmstreit. Schreinermeister Michael Bräu ist gerne bereit, den Flüchtlingen Schnuppertage zur ermöglichen und auch, sie auszubilden. „Wenn sie den Hobel in die Hand nehmen, spielen Sprachbarrieren oder fehlende Computerkenntnisse keine große Rolle mehr“, zeigt er sich aufgeschlossen. Großes Interesse hatten die Jugendlichen auch an Pflegeberufen. Gabriela Fitz-Blendinger, Schulleiterin bei den Döpfer-Schulen im Bereich Altenpflege, war positiv überrascht. In einem Jahr könnten die Interessierten an der Schule zum Pflegefachhelfer ausgebildet werden - ein guter Einstieg in die Pflege, wie die Schulleiterin betont. Nach einer Stunde hat sie schon acht Bewerbungen um einen Praktikumsplatz erhalten.

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