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Entwicklung

Die Stadt soll wieder aufblühen

Architekt Johann-Peter Scheck hat für das Schmidt-Bräu-Areal in Schwandorf ein Viertel mit Gassen und Gärten entworfen.
Von Elisabeth Hirzinger

Der Architekt hat „nachhaltig“ und „sozial gerecht“ geplant.
Der Architekt hat „nachhaltig“ und „sozial gerecht“ geplant. Foto: Hirzinger

Schwandorf.„In den 60er Jahren muss Schwandorf sehr schön gewesen sein“, sagt Johann-Peter Scheck, der von der Idee beseelt ist, diesen Zustand wieder zu erreichen – für die Stadt und die Menschen, die hier leben und ihm ans Herz gewachsen sind. Der Architekt wirkt authentisch, wenn er von Schwandorf schwärmt. Immerhin ist er vor zwei Jahren aus Regensburg hierher gezogen, weil ihm die Stadt gefällt, weil die Leute hier „viel netter sind und alles bezahlbarer ist“.

Johann-Peter Scheck, der an der OTH Regensburg lehrt und ein Architekturbüro für Städtebau betreibt, weiß, wie die Innenstadt schöner werden kann. Ein Ziel, das er gemeinsam mit dem Ehepaar Geiß umsetzen will. Und die Voraussetzungen sind optimal: Die Familie Geiß ist im Besitz eines, wie es Johann-Peter Scheck ausdrückt, „prominent gelegenen Grundstücks“, und der Architekt wiederum ist spezialisiert auf „Grundstücke, die schief gegangen sind“. Scheck spielt damit auf die vergangenen Jahre an, in denen die Familie Geiß und die Stadt vergeblich versucht haben, das Filetstück im Herzen der Stadt zu vermarkten.

Keine Mühen und Kosten gescheut

Dabei haben die Stadt und die Grundstückseigentümer im Vorfeld keine Mühen und Kosten gescheut. So wurde eine eigene Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die potenziellen Investoren als Leitlinie dienen sollte, an die sich Professor Scheck letztlich aber nicht gehalten hat. Er fand die Studie schlicht „stadtfremd“.

Mit Professor Scheck hat ein Umdenken stattgefunden. Der renommierte Architekt hat sich auf der Straße umgehört. Viele hätten geklagt, dass „nichts mehr los ist“ in Schwandorf, erzählt der Architekt, der festgestellt hat, dass das vor allem denen „ans Herz geht“, die schon lange hier wohnen, wie die Familie Geiß, die darunter leide, dass die Stadt so ausgedünnt sei.

Kommentar

Eine gute Nachricht

Wenn das mal keine gute Nachricht ist: Das seit Jahren brachliegende Grundstück im Herzen der Stadt wird endlich bebaut. Pessimisten hatten schon gemunkelt,...

Für den Architekten und die Grundstücksbesitzer stand fest, dass in die Stadt das Leben zurückkehren muss. Mit 300 Personen mehr am Tag, die über den Marktplatz gehen, wäre man diesem Ziel schon ein gutes Stück näher gekommen, meint Scheck. Eine Frequenz, die er mit den „130 bis 150 Menschen“ erreicht, die in den drei Häusern wohnen werden, die er entworfen hat. „Die Leute werden tagtäglich einmal rein und rausgehen“, hat der Architekt errechnet.

Aber die Masse allein macht es nicht. Die Familie Geiß sei nicht auf Gewinnmaximierung aus, betont der Architekt, der deshalb seine Ideale von einer nachhaltigen und sozial gerechten Stadt bei der Beplanung des Schmidt Bräu-Areals ausleben durfte.

Die Häuser sind so nur virtuell zu sehen. In Wirklichkeit werden sie zum großen Teil durch die bestehende Bebauung am Marktplatz verdeckt. Quelle: Architekt
Die Häuser sind so nur virtuell zu sehen. In Wirklichkeit werden sie zum großen Teil durch die bestehende Bebauung am Marktplatz verdeckt. Quelle: Architekt

Bei der Stadt, bei der Regierung und bei den Denkmalschützern hat Johann-Peter Scheck mit seinen Plänen jedenfalls offene Türen eingerannt. Jetzt müssen noch die Nachbarn gefragt werden, „ob sie damit leben können“, aber die werden eigentlich alle gewinnen, meint der Architekt. Die in der darüber gelegenen Spitzwegstraße, weil sie mehr Licht bekommen und ihre Grundstücke aufgewertet werden und die direkt am Marktplatz gelegenen Hausbesitzer, weil auch sie von dem neuen Altstadt-Flair profitieren werden.

Professor Scheck zeigt auf dem Modell in seinem Büro auf die Gassen zwischen den Häusern und die kleinen Gärten. Er sieht den Blick der Oma schon über den gepflasterten Innenhof schweifen, wie sie den Kindern beim Spielen zuschaut, während die Mama schnell im Morgenmantel zum Bäcker flitzt. Wie in Paris, schwärmt der Professor, der hinter den Häuserfronten auf dem Marktplatz auch noch Platz für Läden oder Büros freigehalten hat.

Autos sind nicht vorgesehen

Autos sind bisher auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal nicht vorgesehen. Aus ökologischen Gründen, und um die Ressourcen anders zu verteilen, erklärt der Architekt, der dafür plädiert, die Kapazitäten in den nahe gelegenen Parkhäusern zu nutzen.

Aber das ist alles noch in der Diskussion. Wichtig ist, dass die Stadt wieder aufblüht, sagt der Planer. Und in einem scheinen sich alle Beteiligten einig zu sein: So wie auf den Plänen von Professor Scheck sieht die Stadt der Zukunft aus. Die Regierung jedenfalls hat dem Planer jegliche Unterstützung zugesagt und auch die Stadt scheint begeistert zu sein.

Die Gespräche mit potenziellen Investoren laufen bereits. Verkauft werden die Grundstücke jeweils mit Architektenleistung. Demnächst wird die alte Brauerei abgerissen - bis auf Teile des nördlichen Gebäudes. Der Turm bleibt stehen und wird in den Neubau integriert. Ende 2017 sollen laut dem Architekten die 39 Wohnungen bezugsfertig sein.

Pläne des Architekturbüros

  • Die Idee

    Drei Häuserblöcke hat der Architekt Johann-Peter Scheck auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal hinter der bestehenden Häuserfront auf dem Marktplatz geplant – mit Gassen, die zur Spitzwegstraße führen, mit kleinen Gärten und „viel öffentlichem Raum“. Die Häuser sind drei- bis vierstöckig plus Dachwohnungen. Zwei Gebäude werden in gefördertem Wohnungsbau errichtet. Zwölf der 39 Wohnungen sind rollstuhlgerecht konzipiert.

  • Massive Wände

    Die Häuser sind so nur virtuell zu sehen. In Wirklichkeit werden sie zum großen Teil durch die bestehende Bebauung am Marktplatz verdeckt. In dem linken Haus sind Eigentumswohnungen vorgesehen. Alle Wohnungen haben entweder einen Balkon oder eine Terrasse und von drei Seiten Licht. Gebaut wird laut dem Architekten nach ökologischen Gesichtspunkten, ohne Kunststoffe und mit massiven Wänden „wie vor 200 Jahren“.

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