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Ein Kurzfilm als erste Visitenkarte

Eine junge Schwandorfer Regisseurin setzt sich mit Heimat und Familie auseinander. Crowdfunding soll bei der Finanzierung helfen.
Von Philipp Seitz

In einem Youtube-Video stellt die gebürtige Schwandorferin Julia Schnorrer ihr Projekt vor. Sie studiert Filmwissenschaften in Berlin.
In einem Youtube-Video stellt die gebürtige Schwandorferin Julia Schnorrer ihr Projekt vor. Sie studiert Filmwissenschaften in Berlin. Foto Schnorrer

Schwandorf.Jeder Euro zählt. So lautet das Motto von Julia Schnorrer. Die 24-jährige Studentin der Filmwissenschaft ist auf jede Spende angewiesen, um ihr großes Ziel zu erreichen: Sie möchte als Regisseurin ihren eigenen Kurzfilm drehen. Als Drehort für ihr Debüt hat sich die gebürtige Schwandorferin, die derzeit in Berlin studiert, Klardorf ausgesucht. Im und vor dem Haus ihrer Eltern sollen die Szenen entstehen, die später einmal in der ganzen Republik über die Leinwände flimmern sollen.

Schnorrers erster Kurzfilm setzt sich mit Themen wie Heimat und Familie auseinander. Die Nachwuchsregisseurin hofft, dass sich nach ihrem Erstlingswerk einige Türen in der Filmbranche für sie öffnen: „Am Anfang ist der Einstieg immer schwer. Der Kurzfilm ist eine teuere Visitenkarte, die man allerdings braucht.“ Die Studentin will deshalb nichts dem Zufall überlassen: Knapp drei Monate hat Schnorrer an ihrer Handlung getüftelt und ein Storyboard verfasst. Doch hinter dem Kurzfilm steckt noch mehr Aufwand: Für die Szenen auf der Straße in Klardorf musste sich Schnorrer extra vom Landratsamt eine Drehgenehmigung erteilen lassen. Außerdem musste eine geeignete Crew für den Dreh gefunden werden.

Spenden sollen Dreh finanzieren

Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Requisiten und Beleuchtung der Räume stimmen müssen. Für professionelles Kameraequipment und die benötigte Ausstattung fallen hohe Kosten an. Um den Film zu finanzieren, startete Schnorrer deshalb nun eine Crowdfunding-Kampagne. Das Filmprojekt kann im Internet noch 26 Tage lang mit einer beliebigen Summe unterstützt werden. Schnorrer hofft, dass bis Mitte Juli insgesamt 1000 Euro an Spenden zugesagt werden. „Ich bin sehr optimistisch. Das muss ich aber auch sein, weil sonst hätte ich mit dem Projekt erst gar nicht anfangen dürfen.“ Bislang läuft die Crowdfunding-Kampagne ziemlich gut: 380 Euro an Spenden hat Schnorrer schon zusammen. Sollte vor Ablauf der Frist der Betrag von 1000 Euro erreicht sein, will Schnorrer dennoch weitersammeln. „Jeder zusätzliche Cent ermöglicht es uns, einen noch besseren Film zu produzieren!“ Im Film- und Theaterbereich sei Crowdfunding ein beliebtes Mittel, um Projekte realisieren zu können, erklärt die Studentin: „Selbst Kinofilme greifen darauf zurück.“

Bei ihrer Crowdfunding-Kampagne werde das Geld erst abgebucht, wenn das Projekt erfolgreich finanziert ist. Als sie das erste Mal von Crowdfunding hörte, sei sie ziemlich skeptisch gewesen, räumt Schnorrer ein. „Ich habe damals nicht geglaubt, dass man auf diese Art wirklich viel Geld auftreiben kann.“ Doch zahlreiche erfolgreiche Beispiele hätten sie eines Besseren belehrt. „Ich habe mittlerweile selbst schon einige Projekte unterstützt“, erzählt Julia. Alle Spender werden, wenn sie wollen, auf einer Unterstützerliste auf der Crowdfunding-Seite angezeigt.

Zudem erhalten alle Förderer des Kurzfilms von Schnorrer und ihrem Team eine Gegenleistung: Wer fünf Euro oder mehr überweist, wird im Abspann des Films erwähnt. Für eine Spende von mindestens 20 Euro bekommt man den fertigen Film als Download. Auf andere Fanartikel und gebrannte DVDs verzichtet Schnorrer: „Das würde uns viel Geld kosten. Wir nutzen die Spenden lieber dafür, um uns eine bessere Kamera zu mieten.“ Einige Euro hat Schnorrer auch schon von in Schwandorf ansässigen Unternehmen bekommen. Horsch sicherte der Studenten neben einer finanziellen Unterstützung etwa geeignete Requisiten zu, um die Innenräume passend dekorieren zu können. „Der Vater der Hauptfigur soll viele Jahre lang bei Horsch gearbeitet haben, deshalb ist es natürlich super, das wir auch die Wohnung entsprechend dekorieren können“, sagt Schnorrer. Vom Schwandorfer Juwelier Meiller bekam sie einen Ring als Requisit geliehen.

Unterstützung aus der Heimat

Unterstützung erfährt Schnorrer, die früher am Gymnasium in Schwandorf die englischsprachige Theatergruppe betreute, auch von der örtlichen Bevölkerung. So hat sich der Musiker Eddy Gabler spontan dazu bereiterklärt, ihren Film mit einem Song zu unterstützen. „Er sagte sofort zu, da er es toll findet, wenn jemand seinen Traum verwirklichen will.“ Vor der Kamera wird Gabler aber nicht zu sehen sein: „Er spielt nicht mit, unterstützt uns aber durch seine Musik“, freut sich die Schwandorfer Jungregisseurin.

Das Haus in Klardorf wird auch im Film von Julia Schnorrer zu sehen sein
Das Haus in Klardorf wird auch im Film von Julia Schnorrer zu sehen sein Foto Schnorrer

Zur Crew gehört auch Daniela Jankowiak, die mit Schnorrer viele Jahre in Produktionen der Schwandorfer Theaterbühne zu sehen war. Gemeinsam fassten die beiden auch den Beschluss, einen Kurzfilm zu drehen: Für beide ist es eine gute Möglichkeit, um ihr Können zu zeigen – für Schnorrer als Autorin und Regisseurin, für Jankowiak als Darstellerin. Tatkräftige Unterstützung erfahren sie von Thomas Giegerich, einem freiberuflichen Schauspieler aus Berlin, den Schnorrer bei einem Praktikum kennenlernte und der in dem Film unentgeltlich eine Rolle übernehmen wird. „Er hat die Erfahrung und kann uns da noch weiterbringen“, sagt die Studentin.

Wenn der Kurzfilm im Kasten ist, will Schnorrer ihren Debüt-Streifen bei verschiedenen Kurzfilmfestivals einreichen. „Wir haben sicherlich gute Chancen und hoffen, dass er mindestens einmal angenommen wird.“ Bis der zweisprachige Kurzfilm „Acceptance/Akzeptanz“ aber fertig ist, dauert es noch ein wenig. Erst muss die Crowdfunding-Kampagne ein wenig Geld in die Kassen der Crew spülen, dann fällt am 28. Juli die erste Regieklappe. „Wir sind hochmotiviert und freuen uns auf weitere Unterstützer“, sagt die Jungregisseurin.

Praktische Erfahrungen sammeln

  • Die Regisseurin:

    Die 24-jährige Julia Schnorrer schrieb das Drehbuch für den zweisprachigen Kurzfilm „Acceptance/Akzeptanz“ und will bei den Aufnahmen auch die Regie führen. In ihrer Heimatstadt Schwandorf war sie bei der Theaterbühne Schwandorf aktiv und leitete zwei Jahre die englischsprachige Theatergruppe des Gymnasiums.

  • Praktische Erfahrung:

    Mit ihrem zehnminütigen Kurzfilm will Schnorrer nun erste praktische Erfahrung im Filmbereich sammeln, die über Praktikantenstellen bei Drehs hinausgeht. Bei dem Film wirkt auch Daniela Jankowiak mit, die Schnorrer in der Schwandorfer Theaterbühne kennenlernte.

  • Die Handlung:

    Der Kurzfilm will einen Generationenkonflikt aufzeigen und sich auf die Themen Heimat und Akzeptanz konzentrieren. In der Handlung geht es um eine junge Frau Fiona, die ihrer Freundin einen Heiratsantrag machen möchte. Mit der Hochzeit ist Fionas Vater jedoch nicht einverstanden. Der Film wird im Raum Schwandorf gedreht.

  • Die Kampagne:

    Weil die Initiatorinnen zwar tolle Ideen, aber nicht das nötige Kapitel haben, setzen sie auf Crowdfunding. Alle Spenden fließen in die Filmproduktion. Die meisten Kosten verursacht die Maske, die rund 600 Euro kosten wird. Infos auf: www.startnext.com/acceptance-akzeptanz

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