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Energie

Eine Trasse bahnt sich ihren Weg

Die Anzeichen mehren sich, dass sich die neue Stromautobahn durch die Oberpfalz zieht – „vorrangig unterirdisch“.
Von Reinhold Willfurth, MZ

Die Starkstrommasten des „Ostbayernrings“ bleiben der Region erhalten. Die Gleichstromtrasse Südost soll vorrangig unterirdisch verlaufen.
Die Starkstrommasten des „Ostbayernrings“ bleiben der Region erhalten. Die Gleichstromtrasse Südost soll vorrangig unterirdisch verlaufen.Foto: dpa

Schwandorf.Noch ist nichts entschieden, aber die Bundesnetzagentur gibt schon mal die grobe Richtung für die Stromautobahn von Sachsen-Anhalt nach Bayern vor: Eine schnurgerade Linie führt auf einer Karte der Genehmigungsbehörde von Wolmirstedt nach Ohu bei Landshut. Die gestrichelte Linie zeigt das geografische Zentrum des Untersuchungsraums für die Trasse. Sie führt mitten durch das Naabtal.

Ein Indiz mehr, dass die Trasse der „Gleichstrompassage Südost“, die ab Mitte der Zwanzigerjahre Windstrom von Norddeutschland in den industriereichen Süden transportieren soll, durch die Oberpfalz verlaufen wird – auch wenn die Bundesnetzagentur beteuert, bei der Linie handele es sich nicht schon um einen Entwurf für den künftigen Trassenverlauf.

Das Gebot der Geradlinigkeit

Es ist also theoretisch möglich, dass die Trasse in einem Bogen über Unter- und Mittelfranken geführt wird. Aber da gibt es noch das Gebot der Geradlinigkeit: Die Trasse soll so wenig wie möglich von der Luftlinie abweichen. So will es seit Anfang Januar ein neues Gesetz, das die Energiewende beschleunigen soll. Die Zeit drängt: Anfang der Zwanzigerjahre sollen die bayerischen Atommeiler vom Netz gehen. Große Umwege wird es daher nicht geben können oder dürfen.

Das Untersuchungsgebiet:

Die These, dass die tatsächliche Trasse den 406,9 Kilometern Luftlinie auf dem Plan der Bundesnetzagentur entspricht, wird auch durch eine Maßgabe des Berliner Wirtschaftsministeriums untermauert: Für die neue Stromautobahn, ein grundlegender Bestandteil der Energiewende, sollen auch bestehende Trassen genutzt werden. Da böte sich die Schneise des „Ostbayernrings“ an, der sich von Unterfranken übers Naabtal bis nach Schwandorf zieht. Derzeit wird die Hochspannungs-Wechselstromleitung unter den Argusaugen von Bürgern und Bürgermeistern für einen Ausbau vorbereitet.

Nicht nur der „Ostbayernring“ weckt den Argwohn der Region. Die Bundesnetzagentur will auch die Nutzung von Autobahn- und Eisenbahntrassen für die Stromautobahn prüfen, um Eingriffe in die Landschaft zu minimieren. Auch diese Infrastruktur kann die Oberpfalz mit der A 93 und der Bahnstrecke Regensburg-Hof aufbieten.

Albert Füracker Foto: Röttenbacher/Archiv
Albert Füracker Foto: Röttenbacher/Archiv

Zumindest brauchen die Menschen in der Region keine Angst vor monströsen Masten zu haben – wenn ein Beschluss des Bundeskabinetts konsequent umgesetzt wird: Die Bundesregierung will Stromautobahnen „vorrangig“ unter die Erde verlegen. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat nach diesem Kompromissvorschlag im Sommer letzten Jahres seinen Widerstand gegen die geplanten „Monstertrassen“ aufgegeben.

Unter anderem die Umstellung von Freileitung auf Erdkabel nimmt die Sprecherin des zuständigen Netzwerkbetreibers Tennet zum Anlass, bei der Frage nach der Trassenführung abzuwinken. „Zu früh!“, sagt Ulrike Hörchens. Die Bundesnetzagentur erarbeite derzeit erst Kriterien, nach denen Erdkabel geplant würden. Auch Kerstin Rippel, Sprecherin des Netzbetreibers 50Hertz, der die Leitung von Sachsen-Anhalt bis an die bayerische Landesgrenze baut, kann noch nichts über die Übergabestelle sagen. Beide Sprecherinnen sind sich aber darüber einig, dass nach der politischen Einigung nun Tempo bei der Planung angesagt ist.

500 Meter breiter Planungskorridor

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur skizzierte gegenüber der MZ den Verfahrensverlauf: Nachdem die Behörde Start und Ziel festgelegt habe, seien nun die Netzwerkbetreiber mit ihrem jeweiligen Antrag zur Streckenführung am Zug. Nach deren Prüfung kämen bei sogenannten Antragskonferenzen die Träger öffentlicher Belange und die Öffentlichkeit zum Zug. Danach lege die Behörde einen Planungskorridor mit 500 Metern Breite auf der künftigen Trasse fest. Der sei die Basis für die nachfolgende Planfeststellung. Alle Interessen müssten dabei berücksichtigt werden, sagte der Sprecher – der Naturschutz stehe gleichberechtigt neben Belangen der Anwohner oder dem Gebot der Geradlinigkeit.

Für den bayerischen Heimat-Staatssekretär und Oberpfälzer CSU-Chef Albert Füracker steht seit Ende vergangenen Jahres fest: Die neue Stromautobahn wird „natürlich“ durch die Oberpfalz führen, und das wird nicht am Widerstand der Christsozialen scheitern. Um aber aus der Region kein „Stromtrassenerwartungsland“ zu machen, plädiert Füracker für Erdkabel entlang bestehender Autobahntrassen. „Das ist am vernünftigsten“, sagt Füracker im Gespräch mit der MZ. Die Eingriffe in die Landschaft hielten sich hier am geringsten. Als Alternative zum Naabtal wäre aber auch eine Trasse entlang der A 9 denkbar, die den Strom dann übers Nürnberger Land und den Landkreis Neumarkt nach Süden brächte.

Füracker „träumt davon“, Stromautobahn und Ostbayernring auf eine einzige Trasse zu legen. Bei dem Traum werde es freilich vorerst bleiben – auch wenn der Staatssekretär nicht von der Vision lassen will, auch den technisch komplizierteren Wechselstrom irgendwann einmal unterirdisch transportieren zu lassen.

Aktuelle Nachrichten aus dem Kreis Schwandorf lesen Sie hier.

Die lange Leitung

  • Transfer:

    Die geplanten Stromtrassen „Südlink“ und „Gleichstrompassage SüdOst“ sind nötig, um Ökostrom von den Windkraftanlagen im Norden und Osten Deutschlands in den Süden zu transportieren, um den Strombedarf der Industrie dort zu stillen.

  • Verlauf:

    Die Gleichstrompassage Süd-Ost soll neuerdings über 406 Kilometer (Luftlinie) von Wolmirstedt bei Magdeburg nach Ohu bei Landshut führen. Dort soll die Infrastruktur des Atomkraftwerks Isar genutzt werden.

  • Protest:

    Bürgerinitiativen entlang der geplanten Trasse befürchten eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und sinkende Immobilienwerte.

  • Ostbayernring:

    Die 185 Kilometer lange Stromtrasse soll ertüchtigt werden und hatte bislang mit der Energiewende nur mittelbar zu tun. Netzbetreiber Tennet will die Trasse zusammen mit den Anwohnern bestimmen. Freileitungsgegner fordern einen Verlauf entlang der A 93 mit Erdverkabelungen. Das ist aber technisch nur schwer umsetzbar. (fu)

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