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Energie

Erdverkabelung hat oberste Priorität

Der Schwandorfer Stadtrat will den Ostbayernring vergraben. Plan B sieht für Stromleitungen massive Auflagen vor.
Von Hubert Heinzl

Neue Stromleitungen will die Stadt Schwandorf nur unter strengen Auflagen akzeptieren. Man hofft auf eine Erdverkabelung.
Neue Stromleitungen will die Stadt Schwandorf nur unter strengen Auflagen akzeptieren. Man hofft auf eine Erdverkabelung. Foto: dpa

Schwandorf.Zu guter Letzt wurde auch noch die Zeit knapp. Am Freitag muss die Stellungnahme der Stadt Schwandorf im Rahmen des Raumordnungsverfahrens für den neuen Ostbayernring bei der Regierung vorliegen. Am Montag rang der Stadtrat in zweieinhalbstündiger Sitzung um die richtige Haltung zu dem Tennet-Projekt der neuen Höchstspannungsleitung, die von Irlaching bis zum Umspannwerk das Stadtgebiet massiv tangiert. Dass es am besten wäre, die Stromversorgung unter die Erde zu verbannen – darüber herrschte im Stadtrat Einigkeit. An der Frage, ob man auch einen Plan B vorschlagen soll – konkret: Stromleitungen, aber unter bestimmten Auflagen – schieden sich jedoch die Geister.

Sabine Pollinger, die Leiterin des Stadtplanungsamts, erläuterte in einem etwa einstündigen Vortrag, wie sich die drei wesentlichen Trassenvarianten aus Sicht der Verwaltung auf die Stadtentwicklung sowie Anwohner, Natur und Landschaftsbild auswirken. Oberste Prämisse der Stadt sei allerdings die „weitestgehende Umsetzung der Erdverkabelung im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten“, wie es in einem Forderungskatalog der Stadt heißt. Die ist im übrigen nicht Herrin des Verfahrens, wie bei der Sitzung mehrfach betont wurde. Die Stadt Schwandorfer ist nur einer von vielen „Trägern der öffentlichen Belange“, die im Rahmen des Raumordnungsverfahrens Stellung nehmen. Die Entscheidung fällt am Ende die Regierung der Oberpfalz.

Die drei möglichen Varianten für die Trasse des Ostbayernrings:

Für den Fall, dass Erdkabel nicht realisierbar sind, wurden zusätzliche Auflagen für Strommasten und mögliche Trassen festgeschrieben. Vielleicht die wichtigste: Die Situation der Anwohner darf „im Vergleich zum Bestand nicht verschlechtert werden“, wie es in der Vorlage heißt. Zudem sollen sich Anzahl und Höhe der Masten nicht vergrößern, die 110-kV-Leitung des Bayernwerks auf dem Gestänge des Ostbayernrings mitgenommen, die Neubelastung von Siedlungseinheiten „auf ein Minimum reduziert werden“. Auch die Entwicklung der Stadt, so die Forderung, darf durch die Stromtrassen nicht beeinträchtigt werden – also etwa künftige Wohn- oder Gewerbegebiete. Die Eingriffe in das Landschaftsbild und die Waldgebiete sollen schließlich möglichst gering ausfallen.

Klares Ranking der Möglichkeiten

Legt man diese Prämissen wie ein Raster auf die drei Trassenvarianten, ergibt sich aus Sicht der Stadtverwaltung ein klares Ranking – auch wenn das Oberbürgermeister Andreas Feller und die Sprecher der CSU-Fraktion nicht so verstanden wissen wollten. Von der schlechteren Alternative noch die beste scheint demnach die Bestandstrasse durch das Naabtal – sofern der Ortsteil Irlaching umgangen wird und beim „Hotspot“ Ettmannsdorf (O-Ton Pollinger) die Maststandorte und -typen überlegt gewählt werden. Hier könnten die Stromleitungen, die momentan teils nur 60 Meter von der Wohnbebauung entfernt verlaufen, auf mindestens 140 Meter Abstand rücken.

Die Varianten 2 und 3 , die über die Höhenzüge im Stadtwesten verlaufen, sind für die Verwaltung vor allem aus zwei Gründen nur zweite Wahl: Zum einen werden die künftigen Siedlungsflächen in Kreith und Richt beeinträchtigt, zum anderen die Entwicklung des Industriegebiets Sitzenhof, das stärker Richtung B 85 orientiert werden soll. Auch die Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Bewaldung sind laut Verwaltung deutlich stärker als bei der Naabtalvariante.

Die Diskussion kreiste vor allem um eine Frage: Soll die Stadt überhaupt die einzelnen Trassenvorschläge bewerten – oder nicht doch lieber rein auf die Erdverkabelung setzen?

Ruf nach Erdverkabelung

Letzteres forderte vehement SPD-Fraktionschef Franz Schindler. Er sah „keine Notwendigkeit, über die Forderung nach Erdkabeln hinaus eine der drei Trassenvarianten zu priorisieren“, sich also ohne Not auf das Naabtal festzulegen. Das Raumordnungsverfahren solle ausgesetzt werden, bis eine Entscheidung über den Verlauf der Gleichstromtrasse Südost-Link gefallen sei. Die könne möglicherweise auch durch den Landkreis Schwandorf verlaufen, und dann seien „die Planungen von Tennet hinfällig“. Schindler wörtlich: „Bei der Betrachtung der Stromtrassen ist eine ganzheitliche Betrachtung erforderlich“. Ähnlich sah es ÖDP-Stadtrat Alfred Damm, der Trassenvariante 1 ohne Erdverkabelung als „nicht hinnehmbar“ bezeichnete.

CSU gegen Vorfestlegung

Die CSU dagegen wollte von einer Vorfestlegung durch die Stellungnahme nichts wissen. „Eine Trassenempfehlung kann ich nicht erkennen“, so Oberbürgermeister Andreas Feller, der die Erdverkabelung zum jetzigen Zeitraum als „Wunschtraum“ bezeichnete. Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer sprach sich ebenfalls für eine Betrachtung der Trassenvarianten aus, denn mit ihren „Auflagen zur Optimierung“ würdige sie „umfassend die Belange der Stadtentwicklung“. Am Ende fand der CSU-Vorschlag gegen die Stimmen von SPD, Grünen und FW-Stadtrat Lothar Walz eine Mehrheit.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünlichen Berichterstattung zur Abstimmung hatte die MZ das Abstimmungsergebnis falsch wiedergegeben. Die ÖDP hat, anders als berichtet, dem z Vorschlag von Oberbürgermeister Andreas Feller zugestimmt. Dies bestätigte auf Nachfrage der MZ der städtische Pressesprecher Lothar Mulzer. Für den Vorschlag stimmten 18 Stadträte von CSU, ÖDP, FW (2) und UW. Gegen den Vorschlag stimmten SPD, Grüne und ein FW-Stadtrat. Drei Stadträte fehlten entschuldigt. Laut ÖDP-Stadtrat Alfred Damm stimmte die ÖDP für den Vorschlag, weil die Forderungen nach einer weitestgehenden Erdverkabelung und die zusätzlichen Auflagen für alle möglichen Trassenvarianten richtig seien. Nach dem vom OB Feller zugesichert wurde, dass strittige Passagen die als Priorisierung einer Trasse gedeutet werden könnten, geändert werden sollen, wäre es falsch gewesen, den Beschlussvorschlag abzulehnen. Damit hätte die Stadt keine Stellungnahme und Forderungen zum Ostbayernring abgegeben. Dies wäre die schlechteste aller Möglichkeiten gewesen.

Aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Schwandorf lesen Sie hier.

Masten oder Erdkabel?

  • Beteiligung:

    Die Planungsunterlagen für das Raumordnungsverfahren Ostbayernring liegen seit Anfang Dezember in den betroffenen Gemeinden aus. Die beteiligten Behörden, Verbände, Organisationen, Städte und Gemeinden sowie die Öffentlichkeit können sich bis zum 29. Januar zu dem Vorhaben äußern.

  • Verfahren:

    Das Verfahren beschränkt sich vorläufig auf den Freileitungsbau für die 185 Kilometer lange Hochspannungs-Wechselstromleitung von Unterfranken bis nach Schwandorf. Eine Erdverkabelung will der Netzbetreiber TenneT aber nicht ausdrücklich ausschließen. Sie sei technisch machbar.

  • Stromautobahn:

    Die Gleichstrompassage Süd-Ost (Betreiber: Amprion) soll von Sachsen-Anhalt nach Bayern führen. Unklar sind zurzeit noch Ausgangs- und Endpunkt der geplanten Trasse. Im Gespräch sind Ingolstadt oder Ohu bei Landshut. Landshut würde eher für eine Trassenführung durch die Oberpfalz sprechen.

  • Forderungskatalog:

    Der Stadtrat hat bereits im Juli letzten Jahres ein Zeichen für den Schutz der Bürger vor „Monstertrassen“ gesetzt. In einem Forderungskatalog verlangen die Räte eine Erdverkabelung für den Ostbayernring und einen Aufschub für das Raumordnungsverfahren bis zur Klärung des Transportwegs.

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