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Geschichte

Erinnerung an WAA-Widerstand vor Ort

Der Landkreis Schwandorf will das Gedenken an den Kampf gegen die WAA wachhalten. Dazu rang sich der Kreistag durch.
Von Reinhold Willfurth

Der Landkreis will das Gedenken an den Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf an zwei symbolträchtigen Orten wachhalten.
Der Landkreis will das Gedenken an den Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf an zwei symbolträchtigen Orten wachhalten.

Schwandorf. Die Geschichte des Kampfs gegen die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf wird nicht nur ein Fall fürs Museum: Der Kreistag rang sich am Montag dazu durch, zwei symbolträchtigen Orten des Widerstands mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher – einstimmig, aber nach langer, teilweise mit verbalem Gift angereicherter Diskussion. Ebenso einmütig fiel der Beschluss, sich dafür einzusetzen, dass der Widerstand gegen die Atomfabrik im neuen „Haus der bayerischen Geschichte“ (HdbG) in Regensburg gebührend gewürdigt wird.

Die Freunde des „Franziskus-Marterls“ dürfen nun darauf hoffen, dass der von ihnen seit 30 Jahren gepflegte Erinnerungsort künftig besser erschlossen wird. Der Kreistag einigte sich darauf, eine entsprechende Hinweistafel an der Kreisstraße anzubringen. Auf Drängen von SPD, Grünen und ÖDP wird auch das Marterl selbst durch eine Infotafel aufgewertet – wenn man sich mit der Gemeinde Bodenwöhr einigt. Zudem griff der Kreistag einen Vorschlag des Wackersdorfer BMW-Werksleiters Thomas Dose auf, der seine Einwilligung für eine Gedenktafel in der Nähe des (öffentlich zugänglichen) Eingangs zum einstmalig geplanten Brennstäbelager gab, das jetzt auf BMW-Gelände liegt. Dose hatte diese Möglichkeit im Gespräch mit der MZ ins Spiel gebracht, nachdem der Kreisausschuss kürzlich mit den Stimmen von CSU, Landrat Thomas Ebeling und Freien Wählern einen Antrag der SPD-Fraktion, 25 Jahre nach dem Aus den Widerstand gegen die WAA mit einem „Erinnerungspfad“ vor Ort zu würdigen, abgelehnt hatte. Grundlage dafür war unter anderem die negative Haltung der Firmen im „Innovationspark Wackersdorf“ (wir berichteten).

25 Jahre Baustopp der WAA

Auch bei der Sitzung des Kreistags am Montag schien es zunächst so, dass die SPD mit ihrem Antrag scheitern würde – zumal Landrat Ebeling den Plan für einen öffentlich geförderten Wanderweg durch die Region präsentierte, auf dem eine Hinweistafel auf den WAA-Widerstand eingeplant war – allerdings unter der Regie des Nachbarlandkreises Cham. Mit diesem „Kompromissangebot“ des Landrats wollte sich die SPD aber nicht zufriedengeben. Fraktionsvorsitzende Evi Thanheißer stellte klar, dass es bei dem SPD-Antrag nicht um einen „Wanderweg auf Firmengelände“ gehe, sondern darum, an drei neuralgischen Punkten –dem „Chaoteneck“, dem Franziskus-Marterl und dem ehemaligen Bauzaun – an den Kampf gegen die Atomfabrik zu erinnern – eben „dort, wo Landkreis-Geschichte geschrieben wurde“. Jede Familie im Landkreis sei von der Diskussion um die Atomfabrik betroffen gewesen. Und es gelte auch das glückliche Ende der WAA-Pläne mit 3000 neuen Arbeitsplätzen zu würdigen.

Ein Platz im neuen Museum

  • Schwerpunkt:

    Die Geschichte der WAA wird in der Dauerausstellung des „Museums der Bayerischen Geschichte“ einen festen Platz einnehmen. Die Pläne für die Wiederaufbereitungsanlage und der Widerstand dagegen wird einen von rund 40 thematischen Blöcken einnehmen.

  • Vor Ort:

    In Vorbereitung waren die Museumsleute 2013 / 2014 mit einer Sammelaktion in der Oberpfalz aktiv, die auf rege Beteiligung gestoßen und von der Bevölkerung äußerst positiv aufgenommen worden sei. Zur Diskussion, ob und wie die Geschichte der WAA in der Region präsentiert werden soll, wolle man sich nicht einmischen: „Das muss die Politik vor Ort entscheiden“.

„Es gab auch Befürworter, und der Widerstand war nicht immer friedlich“, warf Thanheißers CSU-Pendant Alexander Flierl in die Diskussion ein. Er war sich mit Landrat Ebeling einig, dass es mit den Hinweistafeln auf dem Wanderweg und vor dem BMW-Gelände genug des Gedenkens vor Ort sei. Im „Haus der bayerischen Geschichte“ sei das Thema, umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet, besser aufgehoben. Auf MZ-Anfrage bestätigte HdbG-Sprecherin Natascha Zödi-Schmidt am Montag, der Kampf gegen die WAA sei als einer von 40 Themenblöcken im neuen Museum vorgesehen.

„WAA – drei Buchstaben, zwei Meinungen“

Unterstützung erhielt der SPD-Antrag von den Jungen Wählern (JW), den Grünen und von der ÖDP. JW-Sprecher Peter Neumeier machte sich ebenso wie Arnold Kimmerl dafür stark, das Franziskus-Marterl aufzuwerten.

Zu einem verbalen Scharmützel kam es zwischen Alexander Flierl (CSU) und Marianne Schieder (SPD). Flierl hatte der SPD auf ihrer Suche nach einem Gedenk-Kompromiss „Herumeiern“ und eine „politische Show“ vorgeworfen. Schieder konterte, Flierl bringe eine unnötige Schärfe in die Diskussion. Bevor es richtig laut wurde, präsentierte Landrat Ebeling einen Vorschlag, mit dem schließlich alle leben konnten: Der Landkreis wertet im Dialog mit dem Grundstückseigentümer, der Gemeinde Bodenwöhr, das Franziskus-Marterl auf und finanziert im Benehmen mit der BMW AG auch die Hinweistafel vor deren Firmengelände.

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Wo sollte man an den Kampf gegen die WAA erinnern?

Seit einem Antrag der SPD im Kreisausschuss, einen Erinnerungspfad in Wackersdorf einzurichten, diskutieren Politiker darüber, wo man dem Widerstand gegen die WAA am besten erinnern sollte. Was meinen Sie?

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