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Fäuste fliegen lassen für Integration

Beim Boxclub Schwandorf trainieren ambitionierte Sportler aller Altersklassen dreimal die Woche. Mit dabei: drei Flüchtlinge.
von Nina Brolich

Der 16-jährige Afghane Bazir (links) trainiert mit seinem Trainer Andreas Rester.
Der 16-jährige Afghane Bazir (links) trainiert mit seinem Trainer Andreas Rester. Foto: sni

Schwandorf.Es herrscht eine konzentrierte Stimmung, als sich die drei jungen Männer unter den strengen Blicken ihres Schwandorfer Boxtrainers Andreas Rester in der Turnhalle der Lindenschule warmlaufen. Denn am Sonntag steht für einen der drei der erste Wettkampf an. Der Boxclub Schwandorf richtet zusammen mit Sportlern aus der Partnerstadt Sokolov einen Boxkampf aus. Boxer beider Vereine treten dabei gegen eine Auswahl aus Unterfranken an. Das Besondere am heutigen Training: Alle drei Teilnehmer sind Flüchtlinge.

Das Training läuft gut

Mohammed und Bazir sind beide 16 Jahre alt und kommen aus Afghanistan, Mohammed ist allerdings im Iran geboren worden. Bazir ist seit drei Monaten in Deutschland, Mohammed seit einem. Das Deutschsprechen klappt noch nicht so gut, für ein „Ich liebe Boxen“ von beiden reicht es jedoch. Die Kommunikation mache trotzdem keine Probleme, erzählt Rester, er mache die Übungen einfach vor und mittlerweile hätten sie die wichtigsten Boxbegriffe schon gelernt.

Der dritte im Bunde ist Balal. Der 27-Jährige kommt aus Syrien und möchte, wenn er seine Aufenthaltsgenehmigung bekommt, eine Ausbildung zum Mechaniker machen. Er spricht Englisch und berichtet von seinem Traum, ein Boxchampion zu werden. Er ist es auch, der am Sonntag für den Boxclub in den Ring treten wird und somit das erste Mal die Chance bekommt, den Triumph davonzutragen und damit seinem Traum ein Stückchen näher zu kommen. Auch Bazir hätte teilnehmen dürfen, für ihn hat man jedoch keinen Gegner gefunden.

Erst in Deutschland mit dem Boxen angefangen

Die drei seien sehr anständig und hilfsbereit, sagt Rester, und auch mit den anderen Teilnehmern gäbe es keine Probleme. Sie hätten sich gut integriert. Alle drei haben in der Heimat noch nicht geboxt und erst in Deutschland damit angefangen. Untergebracht sind sie in Gemeinschaftsunterkünften in Schwandorf und Wackersdorf.

Normalerweise trainieren bis zu zwölf Sportler in der Grundschulturnhalle, heute sind aber nur die drei eifrigen Flüchtlinge anwesend. Weil Ferienzeit sei und sie extra für den Kampf trainieren würden, erläutert Rester.

Boxen als gesunde Sportart

„Boxen ist allgemein ein guter Sport, er schult Konzentration, Reaktion, Handlungsschnelligkeit, Kondition, Beweglichkeit und Explosivität der Kampfhandlungen“, erklärt Rester, der früher selbst geboxt hat und mittlerweile seit sieben Jahren Trainer beim Schwandorfer Boxclub ist. Die Frage, ob das Boxen nicht ein gefährlicher Sport sei, weil man sich leicht verletzen könne, verneint er vehement, denn man sei gut geschützt durch die Boxhandschuhe. Zwar komme es vor, dass man sich im Ring verletze, gibt Rester zu. Es gäbe dann aber sofort Schutzsperren, wohingegen beispielsweise Fußballspieler trotz Verletzung weiterspielen und ihren Zustand so oftmals verschlimmern würden.

Beim Boxen wird man ruhig, so kommt man über viele Dinge hinweg.

Boxtrainer Andreas Rester

Darüber hinaus helfe der Sport beim Abbau von Aggression. „Beim Boxen wird man ruhig, so kommt man auch über viele Dinge hinweg“, weiß Rester. Deshalb sei es wohl unter anderem eine ideale Sportart für junge Flüchtlinge, die oftmals eine traumatische Flucht zu verarbeiten haben. Boxen helfe ihm auch, sein Selbstvertrauen zu stärken, ergänzt Balal.

Vielseitiges Training

„Beim Boxen wird jeder Muskel beansprucht“, sagt Rester. Deswegen sind die Trainingseinheiten beim Boxclub sehr vielseitig. Nach dem Aufwärmen gibt es Übungen mit dem Sprungseil, auch die Kräftigung mit Situps und Liegestützen kommt nicht zu kurz. Im weiteren Verlauf wird mit Boxsack und Maisbirne, mit Pratzen und Boxhandschuhen geübt. Dabei werden ganze Bewegungsabläufe minutiös einstudiert, die Sportler führen die Schläge präzise und kontrolliert aus. „Beim Boxen geht es ums Treffen, nicht ums Getroffen-Werden“, erläutert Rester.

Zu treffen und dabei so wenig wie möglich selbst getroffen zu werden – das ist wohl auch Balals Ziel für Sonntag. Doch auch die anderen trainieren fleißig dafür, dieses Prinzip selbst in zukünftigen Kämpfen umsetzen zu dürfen.

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Wie man mitmachen kann

  • Trainingszeiten:

    Der 1. Boxclub 1969 Schwandorf trainiert dreimal die Woche, dienstags von 19 bis 21.15 Uhr, donnerstags von 19.15 bis 21.30 Uhr und samstags von 13.30 bis 15.30 Uhr.

  • Trainer:

    Trainer ist Andreas Rester, dienstags wird er unterstützt von Michael Heigl.

  • Ort:

    Der Boxclub Schwandorf trainiert in der Turnhalle der Lindenschule. (Siemensstraße 2)

  • Teilnahme:

    Interessierte sind herzlich willkommen und können sich bei Andreas Rester melden oder einfach vorbeischauen. Nach drei Probetrainingseinheiten kann man sich für oder gegen einen Beitritt zum Verein entscheiden.

  • Kontakt:

    Andreas Rester ist zu erreichen unter (0 94 31) 6 21 89. Man kann sich auch per Mail an bc-schwandorf1969@gmx.de oder an die Facebookseite des Boxclubs wenden.

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