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Flüchtlinge sind als Mieter willkommen

Verdienen sich Hausbesitzer mit Asylbewerbern eine goldene Nase? Nein, sagt Andreas Bäuml, der mit Vorurteilen aufräumt.
Von Elisabeth Hirzinger

Viele Vermieter kümmern sich nicht nur um ihr Haus, sondern auch um die Flüchtlinge.
Viele Vermieter kümmern sich nicht nur um ihr Haus, sondern auch um die Flüchtlinge. Foto: dpa

Schwandorf.Fast jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der ein Haus oder eine Wohnung an Flüchtlinge vermietet hat und damit reich geworden ist. Die MZ wollte wissen, was dran ist an diesen Geschichten. Ob tatsächlich so viele Schrottimmobilien angeboten werden und die Mitarbeiter im Landratsamt in der Not nehmen, was sie kriegen können.

Der Mann, der es wissen muss, sitzt in einem Büro im Untergeschoss des Landratsamtes. Andreas Bäuml, Leiter der Abteilung „Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Verbraucherschutz und Veterinäramt“, und sein Mitarbeiter Georg Lautenschlager sorgen dafür, dass die Flüchtlinge, die dem Landkreis zugewiesen werden, ein Dach über dem Kopf haben. Viele hundert Mietverträge haben sie schon abgeschlossen. An Unterkünften herrscht kein Mangel: Über 100 Objekte stehen auf der Warteliste.

In der Abteilung mit dem langen Namen werden die Flüchtlingszuströme gelenkt und die Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, möglichst gerecht auf den Landkreis verteilt. Bis Ende 2015 waren das 998 Asylbewerber. Und täglich werden es mehr. Aber das schreckt weder den Landrat noch seine Mitarbeiter.

Andreas Bäuml (re.) und Georg Lautenschlager lenken die Flüchtlingsströme. Foto: Hirzinger
Andreas Bäuml (re.) und Georg Lautenschlager lenken die Flüchtlingsströme. Foto: Hirzinger

Hier denkt keiner daran, in einem demonstrativen Akt einen Bus mit Flüchtlingen nach Berlin zu schicken. Dabei ist der Landkreis Landshut, der jüngst mit einer solchen Aktion große mediale Aufmerksamkeit erreichte, nicht mehr und nicht weniger belastet als der Landkreis Schwandorf, sagt Bäuml, der sich noch gut an die Anfänge erinnern kann, als es im ganzen Landkreis zwei Mietobjekte gab.

Vor zwei Jahren, erzählt Bäuml, kamen dann die ersten Investoren, die die Vermietung von Wohnungen an Flüchtlinge zum Geschäftsmodell gemacht haben. Die Nachfrage hat den Preis bestimmt. Aber die goldenen Zeiten, als der Landkreis den Mietpreis noch pro Person berechnet hat, sind längst vorbei.

„Reich wird man damit nicht“

Der Umbruch kam zwischen April und Sommer 2014. Plötzlich wurden dem Landkreis Häuser zuhauf angeboten. Georg Lautenschlager kam mit dem Besichtigen nicht mehr nach. Die angebotenen Immobilien landeten auf einer Warteliste. „Inzwischen gelten Quadratmeterpreise, die sich an der „ortsüblichen Miete“ orientieren, mit einem kleinen Aufschlag für die höhere Abnutzung. „Reich wird man damit nicht“, sagt Bäuml.

Der Strom der Flüchtlinge reißt nicht ab. Inzwischen überlegen Andreas Bäuml und Georg Lautenschlager nicht mehr, wie viele Betten sie brauchen, sondern mieten alles an, was den Anforderungen entspricht. „Und die Häuser sind noch alle voll geworden“, sagt der Abteilungsleiter. Peu à peu arbeitet Georg Lautenschlager, ursprünglich in der Umweltabteilung angesiedelt, die Warteliste ab. Eigentlich war er nur für drei Monate und zehn Wochenarbeitsstunden der Abteilung „Öffentliche Ordnung“ zugeteilt. Mittlerweile ist daraus ein Fulltime-Job geworden.

„Reich wird man damit nicht.“

Andreas Bäuml, Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Verbraucherschutz und Veterinäramt

Drei weitere Mitarbeiter kümmern sich um die ankommenden Flüchtlinge, sorgen dafür, dass sie in ihre Unterkünfte gebracht werden und schauen nach dem Rechten, wenn es Beschwerden von Nachbarn gibt. „Aber das kommt selten vor“, sagt Bäuml. Es ruft auch kein Bürgermeister mehr beim Abteilungsleiter an. „Die haben die Notwendigkeit inzwischen eingesehen“, sagt Bäuml, der darüber, ob eine Gemeinde Flüchtlinge aufnehmen muss oder nicht nicht mehr diskutiert, sondern lediglich über die Zuweisung informiert.

Die meisten Häuser sind tipptopp

Der größte Teil der Häuser, die der Landkreis angeboten bekommt, sind laut Bäuml in einem guten Zustand. Die Unterstellung, dass Hausbesitzer mit „Schrottimmobilien“ das schnelle Geld machen, sei Unsinn, sagen Georg Lautenschlager und Andreas Bäuml. Die beiden können sich nur an einen Fall erinnern, bei dem das Haus total heruntergekommen war. „Da lagen noch die Zeitungen von 1955 auf dem Boden“. Aber die allermeisten Immobilien seien „tipptopp“. Und manche sind „so schön“, dass er selber gleich einziehen würde, sagt Andreas Bäuml und schwärmt von frei stehenden Badewannen, einem Kühlschrank mit integriertem Eiscrusher und anderen Extras.

Die Mitarbeiter des Landratsamtes räumen noch mit einem weiteren Vorurteil auf: Asylbewerber in dezentralen Unterkünften seien keineswegs sich selbst überlassen. Ganz im Gegenteil. Georg Bäuml und Andreas Lautenschlager haben die Erfahrung gemacht, dass sich viele Vermieter nicht nur um ihre Häuser, sondern auch um die Bewohner kümmern. Sie begleiten die Flüchtlinge bei Behördengängen, vermitteln Sprachkurse und besorgen Kleidung oder was sonst noch gebraucht wird. Und nicht selten finden die Flüchtlinge am Ende eines strapaziösen und langen Weges in ihrem neuen Zuhause als Willkommensgruß frische Blumen und auf den Kopfkissen der Kinder Spielzeug und Kuscheltiere.

Aktuelle Nachrichten aus dem Kreis Schwandorf lesen Sie hier.

Unterkünfte für Asylbewerber

  • Dezentral: 998 Asylbewerber (Stand 31.12.2015) sind im Landkreis dezentral untergebracht, 384 in Schwandorf, 124 in Bruck, 93 in Burglengenfeld, 58 in Oberviechtach, 59 in Nabburg, 50 in Maxhütte-Haidhof, 45 in Nittenau, 40 in Bodenwöhr, 39 in Pfreimd, 33 in Wackersdorf, 32 in Neunburg v. Wald, 31 in Wernberg-Köblitz und der Rest in Schönsee, Schwarzenfeld und Teublitz.

  • Zentral: In der Gemeinschaftsunterkunft in Teublitz lebten zum 31.12.2015 129 Asylbewerber, in Neunburg vorm Wald 174 in Pfreimd 52 und in Schwandorf (Dachelhofen) 58.

  • Erstaufnahmeeinrichtung: In der ehemaligen Triumph-Halle wohnten 212 Flüchtlinge.

  • Privat: Nur zehn Asylbewerber lebten in selbst angemieteten Wohnungen.

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