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Flüchtlinge wurden „Thema des Jahres“

Die Zahl der Schutzsuchenden hat sich heuer im Landkreis Schwandorf fast verdreifacht. Die Anstrengungen sind enorm.
Von Hubert Heinzl

Die deutsche Sprache ist der erste Schritt zur Integration: In elf Übergangsklassen an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Schwandorf werden zurzeit 280 Schüler(innen) unterrichtet.
Die deutsche Sprache ist der erste Schritt zur Integration: In elf Übergangsklassen an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Schwandorf werden zurzeit 280 Schüler(innen) unterrichtet. Foto: dpa

Schwandorf.„Flüchtlinge“ ist zum Wort des Jahres gekürt worden – und das beherrschende Thema waren die Schutzsuchenden aus der Fremde zweifellos. Fakt ist: Von rund einer Million Menschen, die in diesem Jahr in Deutschland Asyl beantragt haben, kamen, streng nach dem Königsteiner Schlüssel, immer mehr auch in den Landkreis Schwandorf. Anfang des Jahres zählten die Statistiker 526 Flüchtlinge – bis zum Jahresende dürfte sich ihre Zahl auf rund 1560 nahezu verdreifacht haben. Etwa 100 Menschen fehlen in dieser Statistik – sie wurden zwangsweise abgeschoben oder verließen Deutschland nach der Ablehnung ihres Asylantrags mehr oder minder freiwillig.

Stadt Schwandorf trägt Hauptlast

Rein numerisch ist es Schwandorf, das im Landkreis die Hauptlast trägt. Rund 470 Schutzsuchende leben zurzeit in der Großen Kreisstadt. In der Notunterkunft in der Triumph-Halle, die erst Ende Dezember von den Flüchtlingen bezogen wurde, kommen 370 Flüchtlinge auf Zeit dazu. Auch für eine zweite Gemeinschaftsunterkunft mit 150 Plätzen, die im nächsten Jahr erstellt werden soll, wurden heuer die Weichen gestellt. Macht in der Summe bald an die 1000 Menschen, die in der Stadt eine vorübergehende Bleibe finden.

Von der Turnhalle zur Erstaufnahmeunterkunft in Burglengenfeld. Video: Baumgarten

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache – aber was bedeuten sie? Offizielle Aussagen sind rar – „Obergrenzen“ oder dergleichen werden von den politischen Entscheidungsträgern im Landkreis Schwandorf nicht diskutiert. Landrat Thomas Ebeling hat sich bei einer Podiumsdiskussion sogar einmal aus dem Fenster gelehnt und sinngemäß erklärt, der Landkreis könne auch die doppelte Anzahl bewältigen, also einen Anteil von rund zwei Prozent der Bevölkerung.

Die Landkreisverwaltung hat noch am ehesten mit den Flüchtlingen zu tun, und nicht nur deshalb, weil diese am Monatsersten beim Landratsamt ihr Geld abholen. Sieben zusätzliche Planstellen waren im vergangenen Jahr in der Ausländerbehörde erforderlich, um die anfallenden Aufgaben zu stemmen. Alleine im Auftrag der Regierung dezentrale Unterkünfte zu prüfen und anzumieten, ist inzwischen für einen Mitarbeiter ein Fulltime-Job. Mehr Arbeit gibt es aber auch in anderen Sachgebieten. Und schließlich hat der Landkreis im Rahmen zweier Pilotprojekte auch noch die Sozialberatung aller dezentral untergebrachten Asylbewerber und die Vernetzung der ehrenamtlichen Helfer übernommen. Das wird auch ins Geld gehen – denn nicht alle finanziellen Lasten schultern Bund und Freistaat Bayern.

Eine Unterrichtsstunde in einer Übergangsklasse

Auch in den Bildungseinrichtungen sind die neuen Klassenkameraden ein großes Thema. Für ihren Weg auf den Arbeitsmarkt spielt das Berufsschulzentrum Schwandorf die entscheidende Rolle. Hier ist der Aufwand enorm gestiegen: Inzwischen gibt es sieben zum Teil ausgelagerte Flüchtlingsklassen, eine Warteliste mit rund 60 jungen Leuten und Pläne, drei weitere Klassenzimmer in Containerbauweise einzurichten. Im Vordergrund steht zunächst immer der Deutschunterricht, zunehmend ergänzt durch berufsspezifische Anforderungen. Nach zwei Jahren können die jungen Flüchtlinge den Hauptschulabschluss erwerben, sind deshalb aber noch nicht automatisch reif für eine Ausbildung. Erprobt wird deshalb ein drittes vorbereitendes Jahr, ebenfalls als Pilotprojekt. Und an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Schwandorf sind für Migranten und Flüchtlingskinder elf Übergangsklassen eingerichtet worden, um ihnen den Einstieg ins deutsche Schulsystem zu erleichtern. 280 Jungen und Mädchen nutzen dieses Sprungbrett. Bisher reichen die Kapazitäten aus.

Ein ganzes Heer von Helfern

Ungezählt ist schließlich das Heer der vielen haupt- und vor allem ehrenamtlichen Helfer im Landkreis Schwandorf. Gezählt hat sie keiner, aber eines betonen die Kommunalpolitiker immer wieder: Ohne Unterstützung aus der Mitte der Bevölkerung wären die Behörden dem Zustrom der Flüchtenden nicht gewachsen.

Alle wichtigen Themen des Jahres 2015 aus dem Landkreis Schwandorf finden Sie in unserem Jahresrückblick-NewsBlog:

Flüchtlinge: Zahlen und Fakten

  • Flüchtlinge:

    Die Zahl der Schutzsuchenden im Landkreis Schwandorf stieg 2015 von 526 Anfang des Jahres auf rund 1560 zum letzten Stichtag Ende November an, hat sich also verdreifacht. Gut 60 davon sind unbegleitete junge Flüchtlinge mit einer Rundumbetreuung. Schülerinnen und Schüler: An elf Übergangsklassen an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis werden 280 Jungen und Mädchen unterrichtet. Am Berufsschulzentrum gibt es derzeit sieben Klassen und eine Warteliste von annähernd 80 jungen Flüchtlingen.

  • Deutsche Sprache:

    Die Arbeitsagentur finanziert zurzeit auch im Landkreis Schwandorf Sprachkurse, in denen Asylbewerber mit hoher Bleibeperspektive (Eritrea, Irak und Iran, Syrien) Deutsch lernen können. Den Unterricht erteilen die VHS und andere Bildungsträger.

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