MyMz
Anzeige

Kommunikation

Freifunk-Initiative lebt vom Mitmachen

Das Ziel ist kostenloses WLAN in Schwandorf und zwar flächendeckend und ausfallsicher. Dafür braucht es viele Knotenpunkte.
Von Dietmar Zwick

Die Freifunk-Initiatoren wollen in Schwandorf ein möglichst flächendeckendes, kostenloses Internet-Netz aufbauen. Bislang gibt es vier Knotenpunkte in der Breite und Rathausstraße.
Die Freifunk-Initiatoren wollen in Schwandorf ein möglichst flächendeckendes, kostenloses Internet-Netz aufbauen. Bislang gibt es vier Knotenpunkte in der Breite und Rathausstraße. Foto: ph

Schwandorf.Waren es 2014 rund 2000 Teilnehmer, die als Privatmann oder Geschäftsmann einen Teil ihres Internets als sogenannte Knotenpunkte für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellten, so sind es aktuell 17 072 in 195 Städten. Am Donnerstagabend luden Marc Zimmerer, der in der IT Branche tätig ist, Timo Schindler, 2. Vorsitzender der JU, und Peter Lang von den Piraten sowie weitere Mitglieder des Vereins Freifunk Schwandorf e. V. zu einem Treffen ein, um über ihr Vorhaben zu informieren und weitere Interessenten für ihre Initiative zu finden, in Schwandorf ein kostenloses Internet-Netz aufzubauen. Es war das erste offizielle Treffen.

Antrag bei der Stadt gestellt

Die JU und Vertreter der Piratenpartei haben bei der Stadt Schwandorf bereits einen Antrag gestellt, um diese Initiative zu unterstützen. Doch seit Monaten liege dieser bei der Stadtverwaltung zur rechtlichen Prüfung, beklagten die Sprecher bei dem Treffen. Auch von der SPD bekommen sie großen Zuspruch, wie SPD-Stadtrat Matthias Kuhn erklärte. Eines betonen die Freifunk-Initiatoren unisono: „Dieses Projekt ist überparteilich, keine Parteiveranstaltung, sondern offen für alle“, wie Lang erklärte. Freifunk sei eine Initiative, die versucht ein stadtweites Datennetz auf Basis von WLAN-Routern aufzubauen. Dieses Netz soll eine freie Kommunikation innerhalb der ganzen Stadt und mit Hilfe von Peerings zu anderen Städten ermöglichen.

Um das zu erreichen, werden Freifunkknoten (das sind die Router mit Antennen) von Freiwilligen bei sich zuhause aufgestellt und bilden einen Teil des Netzwerks. Jedes WLAN-fähige Gerät, also beispielsweise Handy oder Notebook, kann sich in der Nähe eines solchen Knotens mit dem Netz verbinden und darüber mit anderen Teilnehmern kommunizieren. Auch ein Zugang ins Internet steht meistens zur Verfügung. Wichtig ist den Freifunkern, dass sich möglichst viele beteiligen. Jeder der mitmachen möchte, sollte sich einen Router kaufen. Die Preise dafür liegen je nach Ausführung zwischen 15 und 20 Euro für eine WLAN Reichweite von etwa 50 Meter bzw. zwischen 50 und 60 Euro mit einer Reichweite von einem Kilometer.

Auf diese Router wird eine spezielle Freifunk-Firmware aufgespielt, die man im Netz kostenlos unter „Schwandorf.freifunk.net“ herunterladen kann. Für weniger technisch Versierte stehen Ansprechpartner zur Verfügung, die dies ebenso kostenlos übernehmen. Wird der Router in Betrieb genommen, verbindet er sich automatisch mit dem nächsten Freifunk Router und so wird peu à peu ein Netz aufgebaut, das kostenloses WLAN für die Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Der finanzielle Akt für jeden ist gering, erläutert Marc Zimmerer. Zum einen fielen die Kosten für den Router an sowie jährliche Stromkosten von circa sechs Euro. Bedenken, dass jemand das private Internet hakt, sieht Zimmerer als unbegründet. Bis dato sei noch nichts passiert. Zimmerer betonte, dass keine Daten der Nutzer gespeichert würden.

Kirchtürme bestens geeignet

Je mehr mitmachen, desto größer und ausfallsicherer wird das Freifunknetz, so Zimmerer. Wünschenswert sei vor allem auch die Einbindung öffentlicher Gebäude, „darum wäre es wichtig, wenn die Stadt Schwandorf mit im Boot wäre“. Auch Kirchtürme würden sich bestens eignen, um das Freifunknetz über größere Strecken zu transportieren. Auch diejenigen, die im Haus eine geringe Bandbreite haben, könnten davon profitieren.

Ein besonderer Anreiz sei Freifunk für Asylbewerber, denn sie könnten so kostenlos mit ihrer Heimat kommunizieren. Weitere gewünschte Orte für Knotenpunkte seien Cafés, Friseurgeschäfte oder Gaststätten. Vier Knotenpunkte in der Breite und Rathausstraße gebe es in Schwandorf schon – und hier herrsche mehr Aktivität als im Regensburger Freifunknetz. Um den Marktplatz abzudecken würden nur drei bis vier Knotenpunkte benötigt. Jeder Knotenpunkt werde mittels eines Aufklebers nach außen hin sichtbar gemacht. Doch für diese Aufkleber und Flyer werden Spendengelder benötigt. Marc Zimmerer, Peter Lang und Timo Schindler würden sich freuen, wenn möglichst viele mitmachen, um ein „digitales Glas Wasser, für diejenigen, die vorbeigehen, zur Verfügung zu stellen“.

Die Freifunk-Initiative

  • Technische Aspekte:

    Alle Geräte innerhalb des Freifunk-Netzwerks können direkt miteinander kommunizieren und erstellen somit das eigene Netzwerk. Unterstützer des Netzes stellen bei sich zuhause einen Knoten auf und werden so Teil dieses Netzwerks. Diese WLAN-Router verwenden eine spezielle Software (Firmware), diefrei und offen im Internet zur Verfügung steht.

  • Nutzungsbedingungen:

    Es gibt keine Instanz, die über das Netz herrscht. Jeder Anwender ist zum gleichen Teil an dem Projekt beteiligt. Die Beteiligten betreiben das Netzwerk auf eigene Kosten.

  • Fairness:

    Das Netzwerk darf nicht in einer Weise beansprucht werden die das Netzwerk selbst, dessen Betreibende oder andere Teilnehmende beeinträchtigt. Das Netzwerk ist unverschlüsselt und offen. Jeder Teilnehmer ist selbst für die Sicherheit seiner Verbindungen und Endgeräte verantwortlich. Das Netzwerk darf nicht für Handlungen missbraucht werden, die gesetzliche Bestimmungen oder die Rechte Dritter verletzen. Es dürfen keine Inhalte übertragen werden, die gegen geltendes Recht verstoßen.

  • Regeln

    Die Basis der Regeln untereinander bildet das Pico Peering Agreement .

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht