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Kundgebung

Friedliche Demo gegen AfD-Auftritt

150 Menschen protestieren in Schwandorf gegen die Rechtspopulisten. Massives Polizeiaufgebot sichert die Veranstaltung ab.
Von Hubert Heinzl und André Baumgarten

  • Bis hierher und nicht weiter: Ein massives Polizeiaufgebot versperrte den Weg zum Veranstaltungslokal der AfD. Foto: Heinzl
  • Grünen-Stadträtin Marion Juniec-Möller: „Die AfD steht für den Systemsturz.“ Foto: Heinzl
  • Vor allem junge Leute folgten dem Aufruf zur Demo gegen die AfD. Foto: Heinzl

Schwandorf.Breiter Protest gegen die rechtspopulistische AfD: Rund 150 meist junge Demonstranten versammelten sich am Freitagnachmittag auf dem Parkplatz des Erlebnisbads, um ihren Unmut gegen eine Veranstaltung der selbst ernannten „Alternative für Deutschland“ kundzutun. Die tagte und tafelte nur etwa 200 Meter entfernt im Waldhotel „Schwefelquelle“ – eine Woche vor dem Bundesparteitag in Stuttgart.

Doch da hatte zumindest ein Teil der Öffentlichkeit nicht nur in Schwandorf etwas dagegen. Einem Aufruf des Linken-Kreisverbands Mittlere Oberpfalz schlossen sich das Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus, die Schwandorfer Grünen, die Grüne Jugend, die DGB-Jugend Schwandorf und die Piraten an. Auch die SPD beteiligte sich an der Protestkundgebung. Neben MdL Franz Schindler und 2. Bürgermeisterin Ulrike Roidl wurde auch Altlandrat Hans Schuierer unter den Demonstranten gesichtet. Das Bild aber bestimmten junge Leute, teils organisiert, teils auch unorganisiert aus dem Lager der Antifa-Bewegung.

Eva Kappl vom Kreisverband Mitte der Partei „Die Linke“ eröffnete den Reigen der Ansprachen. Foto: Heinzl
Eva Kappl vom Kreisverband Mitte der Partei „Die Linke“ eröffnete den Reigen der Ansprachen. Foto: Heinzl

In den Ansprachen wurde die AfD mitsamt ihrem Parteiprogramm einer vernichtenden Kritik unterzogen. Eva Kappl vom Linken-Kreisverband sagte, in Schwandorf sei „kein Platz für rechte Hetzer“ und sprach von Drohungen gegen die Veranstalter im Vorfeld der Kundgebung. Die Rednerin wandte sich vor allem gegen den Anspruch der AfD, Anwalt des kleinen Mannes zu sein – denn das Gegenteil sei der Fall. Die Partei „spiele die Schwachen gegen die Schwächsten aus und hetze gegen Migranten, Geflüchtete, Homosexuelle und sozial Benachteiligte“. Dem müssten sich die Menschen entgegenstellen und „für eine offene und tolerante Gesellschaft“ eintreten.

Theresa Eberlein von der Grünen Jugend Ostbayern warf der rechtspopulistischen Partei einen „gesellschaftlichen Rollback“ vor – mit einem antiquierten Familienbild und geprägt von „Rassismus und völkisch-nationaler Gesinnung“. Nicht der Islam wäre verfassungswidrig, sondern die AfD, erklärte sie.

Sehen Sie hier ein aktuelles Video von der Demonstration der Schwandorfer gegen die selbst ernannten „Alternative für Deutschland“:

Mit einem spontanen Demonstrationszug zogen die AfD-Gegner zurm Waldhotel „Schwefelquelle“ in Schwandorf. Video: Baumgarten

Peter Lang, Kreisvorsitzender der Piraten, hatte sich aus dem offiziellen Programmentwurf der AfD, der beim Bundesparteitag als Leitantrag verabschiedet werden soll, einige „Auszüge“ herausgepickt: Die Rechtspopulisten stellten nicht nur den Verbleib in Europa und der EU infrage, sondern stünden auch für eine islamfeindliche Haltung bis hin zum „Verbot von Minaretten“. Statt Masseneinwanderung sollten laut AfD einfach „mehr Kinder“ für eine Lösung des demografischen Problems sorgen. Die selbst ernannte „Alternative für Deutschland“ stehe für eine Aushöhlung des Asylrechts, eine Abschaffung des Erneuerbare Energien Gesetzes und eine Hinwendung zur Atomenergie.

„Da träumt jemand ganz klar von der Machtergreifung. Die AfD strebt nach einem Systemsturz.“

Grünen-Stadträtin Marion Juniec-Möller

Grünen-Stadträtin Marion Juniec-Möller ging als letzte Rednerin auf den AfD-Referenten Peter Böhringer ein, der im Gasthaus „Zur Schwefelquelle“ zum Thema „Gutes Geld für freie Menschen und für eine solide Wirtschaft“ sprach. Bei Recherchen im Internet stieß die Grünen-Stadträtin auf Äußerungen ganz anderen Kalibers – wie etwa: „Bald ist unsere Wahrheit die allgemeine Wahrheit“, im sogenannten „Goldseitenblog“ des Referenten. „Da träumt jemand ganz klar von der Machtergreifung. Die AfD strebt nach einem Systemsturz“, erklärte Juniec-Möller. Das aber sei in großen Teilen der Bevölkerung unbekannt, und diese Unwissenheit erkläre für zum Teil auch den Zulauf zu den Rechtspopulisten.

„Die AfD ist brandgefährlich, und wir müssen ganz wachsam sein und keiner Diskussion an irgendeinem Stammtisch aus dem Weg gehen“, sagte Juniec-Möller und forderte abschließend die Menschen dazu auf, „für eine bunte, vielfältige Gesellschaft zu kämpfen“. Nach dem offiziellen Ende der Kundgebung bewegte sich ein spontaner Demonstrationszug mit einem Großteil der Teilnehmer Richtung „Schwefelquelle“. Ein massives Polizeiaufgebot sperrte ihnen jedoch den Weg zum Versammlungslokal. Nach etwa einer halben Stunde Wartens löste sich die Spontandemo friedlich wieder auf.

Gesichert von Security, verfolgten im Saal des Waldhotels da schon gut 90 Zuhörer den Vortrag von Peter Böhringer, unter ihnen einige der führenden Köpfe der regionalen AfD. Das Publikum war gemischt, zumeist aber eher gesetzteren Alters.

Die Kundgebung

  • Kundgebung gegen die AfD:

    Zur Gegenkundgebung kamen rund 150 Demonstranten. Aufgerufen hatte der Linke-Kreisverband Mittlere Oberpfalz, die DGB-Jugend Schwandorf, die Grüne Jugend Ostbayern, der Grünen-Ortsverband Schwandorf und die Piraten schlossen sich dem an. Auch die SPD beteiligte sich an der Demonstration.

  • Friedlicher Protest:

    Nach Polizeiangaben verlief die Kundgebung gegen die AfD ohne Zwischenfälle. (hh)

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