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Bahnverkehr

Große Sorgen um die Lärmvorsorge

Der Güterverkehr auf der Bahnstrecke Regensburg-Hof wird zunehmen. Ein umfassender Lärmschutz ist trotzdem nicht garantiert.
Von Reinhold Willfurth

Ob die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg eine Lärmvorsorge für die Anwohner nach sich zieht, ist noch offen.
Ob die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg eine Lärmvorsorge für die Anwohner nach sich zieht, ist noch offen.Foto: dpa-Archiv

Schwandorf. Es steht noch kein einziger Oberleitungsmast. Doch die europäischen Bahngesellschaften haben die Strecke Regensburg-Hof offenbar bereits für sich entdeckt. Immer mehr Güterzüge rollen lärmend durch das Naabtal – und damit mitten durch Kommunen wie Schwandorf, Maxhütte-Haidhof oder Schwarzenfeld.

Die Mitglieder des „Forums Bahnlärm“ haben genau nachgezählt. „Als wir 2011 angefangen haben, waren es sieben bis acht pro Tag, jetzt sind‘s schon doppelt so viel“, sagt Sprecher Peter Exner. Und auch die Fahrzeiten hätten sich verändert: Schon ab fünf Uhr morgens donnern die schweren Züge nach Beobachtung der Forum-Mitglieder durch die Oberpfalz.

Höchste Zeit, an den Lärmschutz zu denken, denn wie der Güterzugverkehr auf der Naabtaltrasse spätestens in zehn Jahren aussehen wird, kann man sich nach der Entscheidung aus Berlin ausmalen: Die im neuen Bundesverkehrswegeplan in Aussicht gestellte Elektrifizierung der Bahnstrecke ist der Lückenschluss für eine transeuropäische Hauptstrecke von den deutschen Überseehäfen via Oberpfalz bis nach Südosteuropa. Unter einer Oberleitung könnten täglich bis zu 80 Güterzüge durch das Naabtal rollen.

Fahrdraht„wesentliche Änderung“?

Bislang gibt es keine offizielle Antwort auf die entscheidende Frage: Wird die Elektrifizierung als „wesentliche Änderung“ eingestuft? In diesem Fall würde ein umfassender, moderner Lärmschutz für die Streckenanwohner garantiert („Lärmvorsorge“). Gilt der Oberleitungsbau allerdings nur als Ertüchtigung, können die Anwohner nur auf eine „Lärmsanierung“ mit wesentlich niedrigeren Standards hoffen. Insofern sind die Mitglieder des Forums Bahnlärm über eine Passage in den Richtlinien für Planfeststellungen des Eisenbahnbundesamts (EBA) irritiert. Die Einzelmaßnahme „77.1 „Oberleitung, Neubau ...“ wird in der Lesart der Bürger lediglich als Einbau eines Zubehörs gewertet, der nicht einmal einer Planfeststellung bedürfe. „Das wäre der Tod für die Lärmvorsorge“, sagt Peter Exner. Ein Urteil des Oberlandesgerichtes von Schleswig-Holstein verheißt ebenfalls nichts Gutes. Demnach bedeutet eine reine Elektrifizierung keine wesentliche Änderung im Sinne der Lärmvorsorge.

Das EBA verweist in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung auf die Tatsache, dass die Deutsche Bahn noch keinen Antrag auf Planfeststellung gestellt habe.

„Als wir 2011 angefangen haben, waren es sieben bis acht [Güterzüge, Anm. d. Red.] pro Tag, jetzt sind‘s schon doppelt so viel.“

Peter Exner, Sprecher des Forum Bahnlärm

Die Sorge um die Lärmvorsorge trübt die Freude über den einzigen echten Erfolg der Region im Bundesverkehrswegeplan. Mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof bis spätestens in zehn Jahren geht das letzte Relikt des Kalten Kriegs in der Infrastruktur Ostbayerns zu Ende. Der Jubel ist groß, zumindest bei der CSU, die sich mit dem Zuschlag für die Oberpfälzer Nord-Südverbindung damit tröstet, dass andere Wünsche vorerst in der Schublade bleiben müssen. Auf dem vorläufigen Abstellgleis landete zum Beispiel die „Metropolenbahn“, die Verbindung von München und Nürnberg via Schwandorf nach Prag. Da konnte auch eine Resolution, im Dezember verkündet und unterschrieben von allen Politikern und Wirtschaftsvertretern der Region, nichts bei Verkehrsminister Dobrindt (CSU) ausrichten.

„Alles in allem enttäuschend“ finden die Sozialdemokraten in der Region die Vorschläge des Verkehrsministers. Für MdL Franz Schindler ist der Ausbaubeschluss für Regensburg-Hof auch „keine historische Großtat, sondern seit Jahrzehnten überfällig“. Dass die „Metropolenbahn“ kaum noch Erwähnung finde, sei ein „herber Rückschlag für die Oberpfalz“, teilte Schindler nach einer Sitzung des SPD-Bezirksvorstands am Samstag in Schwandorf mit. „Maßlos enttäuscht“ zeigt sich MdL Jürgen Mistol (Grüne) darüber, dass die „Metropolenbahn“ auf dem Abstellgleis gelandet sei. Hier müssten „MdB Holmeier und Co. bei ihrem Parteifreund Dobrindt endlich mal richtig Druck machen“, so Mistol. Der aktive Lärm- und Erschütterungsschutz müsse überdies „essenzieller Bestandteil“ der Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof sein, fordert Mistol. „Sonst wären die Bürgerinnen und Bürger entlang der Strecke die großen Verlierer des Projekts“.

Wirtschaft „teilweise zufrieden“

„Nur teilweise zufrieden“ ist die Wirtschaft in der Region mit den Vorschlägen aus Berlin. Enttäuscht zeigt sich die IHK Regensburg darüber, dass die „Metropolenbahn“ nicht wie erhofft in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wurde. Zufrieden zeigt man sich dagegen mit der Elektrifizierung von Regensburg-Hof. „Hier haben unsere zahlreichen Gespräche in Berlin Früchte getragen“, freut sich IHK-Geschäftsführer Dr. Jürgen Helmes.

Nicht nur Politiker und Vertreter der Wirtschaft können bei der Planung der Infrastrukturprojekte mitreden. Erstmals können sich auch Bürger dazu äußern. Darauf weisen Landratsamt und Stadt Schwandorf in Pressemitteilungen hin. Für alle Schienen- und Straßenprojekte können Landkreisbürger eine Stellungnahme aus ihrer Sicht abgeben. „Jeder Wunsch, der die Forderungen der Region unterstützt, ist hilfreich“, teilt Landrat Ebeling mit.

Stellungnahmen können bis zum 2. Mai online über das Portal www.bmvi.de/bvwp2030-stellungnahme abgegeben werden oder per Post an das Bundesministerium für Verkehr, Referat G12, Invalidenstraße 44 in 10115 Berlin.

Die Stadt Schwandorf hat extra eine E-Mail-Adresse für Stellungnahmen lärmgeplagter Bürger eingerichtet: bahnlaerm@schwandorf.de.

Die „Schwandorfer Resolution“

  • Druck:

    Eine moderne Infrastruktur und Impulse für Wirtschaft und Bevölkerungsstabilität“ soll der Ausbau der Bahntrasse von Nürnberg bzw. München via Schwandorf und Furth im Wald nach Pilen und Prag ergeben, heißt es in der „Schwandorfer Resolution“. Anlässlich der Ostbayerischen Schienenkonferenz am Dienstag in der Oberpfalzhalle wurde die Resolution von zahlreichen Kommunalpolitikern, Abgeordneten sowie Vertretern der Wirtschaft unterzeichnet.

  • Argumente:

    Die Argumente stützen sich auf ein Gutachten, das die Arge Planung Mittelbayern in Auftrag gegeben hat, der auch der Landkreis angehört. Kernpunkt des Gutachtens ist das Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) von 1,5 für den deutschen Teil der Strecke und sogar 2,5 für die Gesamtstrecke. Geplant ist nach dem Ausbau ein Verkehr mit modernen Elektro-Triebwagen, die bis zu 160 km/h schnell sind und die Fahrzeit von Nürnberg nach Prag um ein knappes Drittel reduzieren. (fu)

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