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„Hier kann sich jeder sicher fühlen“

Die Polizei in Schwandorf wertet für die MZ ihre Akten aus. Das Fazit: Flüchtlinge spielen im Polizeialltag kaum eine Rolle.
Von Elisabeth Hirzinger

Lügengeschichten über Flüchtlinge werden oft gezielt lanciert. Foto: dpa
Lügengeschichten über Flüchtlinge werden oft gezielt lanciert. Foto: dpa

Schwandorf.Meldungen, die auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken verbreitet werden, sind mit Vorsicht zu genießen. Da wird ungeniert gegen Flüchtlinge gehetzt. Den Menschen, die aus Krisengebieten zu uns gekommen sind, werden Straftaten angedichtet, ihnen wird Gewaltbereitschaft unterstellt, und blitzschnell fühlt sich die halbe Nation unsicher. Dabei gibt es dafür zumindest in Schwandorf keinen Grund, sagt der Leiter der Polizeiinspektion, Armin Kott.

Für die MZ hat der Polizeichef die Akten nach Straftaten durchforstet, die Asylbewerber in den vergangenen Monaten begangen haben. Was er gefunden hat, hat er auf zwei Blättern zusammengefasst. Armin Kott hat bis Oktober 2015, als der große Flüchtlingsstrom auch Schwandorf erreichte, zurückgeblättert und „alle Fälle herausgesucht, bei denen Asylbewerber beteiligt waren“. Das Ergebnis ist überschaubar.

Seit Oktober sei „nicht ein einziges Mal ein inländischer Bürger Opfer einer Attacke durch einen Flüchtling geworden“, betont der Inspektionsleiter. Vereinzelt sei es zu kleineren Diebstahlsdelikten oder Streitereien untereinander gekommen. Aber das alles habe sich in den Räumen der Unterkünfte abgespielt, betont der Inspektionsleiter.

Massenschlägerei war ein Streit

Der Polizeichef steht den sozialen Medien durchaus kritisch gegenüber. Denn, was dort gepostet wird, entpuppt sich nach seiner Erfahrung manchmal als Lüge. Oder es stellt sich heraus, dass ein Vorfall doch nicht ganz so dramatisch war, wie er anfangs dargestellt wurde. Als Beispiel nennt Armin Kott die angebliche Massenschlägerei in der provisorischen Erstaufnahmeeinrichtung an der Gutenbergstraße. Einen Streit gab es, doch es gab keine ernsthaft Verletzten, und nicht einmal der Sachschaden war der Rede wert.

Kommentar

Den Rechten Kontra geben

Es ist erschreckend, was auf Facebook alles gepostet und dann auch noch ohne Verstand weiterverbreitet wird. Da machen Meldungen die Runde, die jeglicher...

Unterm Strich bleiben bis zum 22. Februar 20 Einsätze im Zusammenhang mit Asylbewerbern. In vier Fällen wurden Anzeigen erstattet. Aber auch das waren alles „Kleindelikte“, sagt Armin Kott, der bei der Gelegenheit gleich darauf hinweist, dass von den Straftaten, die sich „im sehr niedrigen Bereich“ bewegten, der Normalbürger gar nicht tangiert sei.

Dass die zentralen Unterkünfte Konfliktpotenzial bergen, wollen Armin Kott und Dienstgruppenleiter Manfred Bruckner gar nicht bestreiten. Es sei auch kein Wunder, dass es zu Reibereien komme, „wenn so viele beieinander sind“. Aber das sei zum Beispiel bei den Schwandorfer Bürgerfesten auch nicht anders.

Inspektionsleiter Armin Kott und Inspektionsleiter Manfred Bruckner (rechts) haben alle Fälle herausgesucht, bei denen Flüchtlinge beteiligt waren. Foto: Hirzinger
Inspektionsleiter Armin Kott und Inspektionsleiter Manfred Bruckner (rechts) haben alle Fälle herausgesucht, bei denen Flüchtlinge beteiligt waren. Foto: Hirzinger

Auch wenn die statistische Auswertung für das Jahr 2015 noch nicht vorliegt – eines können Kott und Bruckner bereits jetzt sagen: Die Sicherheitslage in Schwandorf ist nicht alarmierend. Es gebe keinen Grund, sich für mögliche Angriffe zu rüsten. In der Stadt gebe es aktuell keine Kriminalitätsschwerpunkte.

Die Zeiten, in denen gewaltbereite Spätaussiedler auf den Straßen für Unsicherheit und Unruhe sorgten, sind vorbei, sagt Manfred Bruckner. Er erklärt sich das Phänomen damit, dass die nachfolgende Generation mittlerweile integriert ist. Wenn sich Bürger trotzdem unsicher fühlten, sei die Polizei machtlos. „Gegen subjektive Angst kann man nichts machen“, sagt der Dienstgruppenleiter.

Das Gespräch kommt immer wieder auf die sozialen Medien zurück, in denen oft ungeniert gegen Flüchtlinge gehetzt wird. Da wird den Asylbewerbern schon mal unterstellt, dass sie klauen wie die Raben, und die Polizei wird via Facebook aufgefordert, die Räder in den Unterkünften mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

„Gegen subjektive Angst kann man nichts machen.“

Dienstgruppenleiter Manfred Bruckner

Armin Kott hat sich den Facebook-Eintrag ausgedruckt. Die Zahlen, die ihm vorliegen, belegen das Gegenteil. Jahrelang, sagt Kott, sei die Zahl der Fahrraddiebstähle in Schwandorf kontinuierlich angestiegen. „Und ausgerechnet seit die Flüchtlinge in Schwandorf sind, zeigt die Kurve nach unten“, sagt er.

Straftaten nicht unterschlagen

Falsch ist laut Armin Kott auch die verbreitete Unterstellung, dass die Polizei Straftaten, die Flüchtlinge begehen, bewusst nicht publik mache. „Wir melden alles, was für die Presse von Interesse sein könnte, weiter“, versichert der Inspektionsleiter.

Richtig sind allerdings Meldungen, dass Selbstverteidigungssportarten gefragt sind wie noch nie. „Der Markt boomt“, das bestätigt auch Yilmaz Demir, der in Cham und Bruck die Kampfsportschule „Bushido“ betreibt, die einzige Schule in Bayern, die von der Ärztekammer anerkannt wird.

Aber, das Geschäft brummt nicht erst seit Köln, erzählt Demir, ein Türke mit ausgeprägtem Vorwald-Dialekt, der vor 13 Jahren nach Deutschland kam und aus eigener Erfahrung weiß, dass „Integration nur über die Sprache funktioniert“.

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