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Interview

Julia Schnorrer: Regisseurin von hier

Die Schwandorferin dreht ihren zweiten Kurzfilm „The Hacker“. Der MZ erzählt sie von ihren Filmen und ihrer jungen Karriere.
von Nina Brolich

Julia Schnorrer bereitet den Drehort, einen „Stodl“ in Klardorf, vor.
Julia Schnorrer bereitet den Drehort, einen „Stodl“ in Klardorf, vor. Foto: sni

Schwandorf.Frau Schnorrer, was machen Sie hier in diesem Stodl?

Julia Schnorrer: Ich drehe einen Kurzfilm bzw. bereite aktuell noch den Dreh vor, weil am Sonntag das ganze Team ankommt, Montagvormittag Probentag ist und bis Donnerstag gedreht wird. Der Stodl muss noch vorbereitet werden, damit alles ästhetisch chaotisch aussieht.

Und worum geht es in dem Film?

Es geht um einen siebzehnjährigen Hacker, der kurz nach seiner Festnahme in diesem Stodl festsitzt. Hier trifft er die Regierungsbeauftragte, die die Macht hat, sein Leben für immer zu ruinieren oder ihm eine zweite Chance zu geben. Diese Konfrontation zwischen den beiden ist Mittelpunkt des Films.

Wie sind Sie dazu gekommen, Filmwissenschaft und Sozial- und Kulturanthropologie zu studieren?

Filmwissenschaft war als Alternative zu Regie gedacht, weil ich sehr viel Theaterregie und Regieassistenzen, auch in der Region, gemacht habe und eigentlich an eine Regieuni wollte. Die haben mich dann aber leider alle nicht gewollt, also habe ich mir einen Plan B überlegt. Sozial- und Kulturanthropologie war, weil ich schreibe – generell und auch Drehbücher – und meinen Blick erweitern wollte. Anthropologie war dafür perfekt.

Warum bevorzugen Sie das Medium des Kurzfilms?

Weil es schnell, effizient und halbwegs kostengünstig ist. Ein Low-Budget-Film unter 10000 Euro geht schon, aber das merkt man dann einfach. Beim Kurzfilm kann man auf eine sehr schnelle Art und Weise eine Geschichte erzählen. Menschen sind eher bereit, zehn Minuten ihres Lebens zu investieren als beispielsweise 90. Deswegen finde ich das Medium Kurzfilm doch sehr vorteilhaft für mich als Geschichtenerzähler.

Ein Video zur Crowdfunding-Kampagne sehen Sie hier:

2015 haben Sie bereits den Kurzfilm „Acceptance“ hier gedreht. Ein Jahr später: Wie lautet Ihr Fazit zu Ihrem Debüt?

Dass ich sehr stolz darauf bin, was mein Team und ich gemacht haben und dass ich im Nachhinein ein paar Sachen noch verändern würde und gerne anders gemacht hätte. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Deswegen werde ich jetzt sämtliche Lektionen, die ich gelernt habe, im nächsten Kurzfilm besser machen und hoffe, dass dann das Fazit meines ersten Kurzfilms am Endprodukt des zweiten auch erkenntlich wird.

Das Thema von „Acceptance“ ist immer noch ein brisantes, da es vor allem darum geht, wie schwer es einem Vater fällt, die Homosexualität seiner Tochter zu akzeptieren. Warum haben Sie für Ihr Debüt gerade dieses gewählt?

Zum einen kenne ich einfach dieses Klischee von der konservativen Heimat, das ja auch seine Bewandtnis hat, aber bei weitem nicht so krass ist, wie manche Leute meinen. Zum anderen bin ich selber auch in der LGBTQIA-Community (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Questioning, Intersex, Asexual. Die Community umfasst also Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender sowie Intersexpersonen, Unsichere und Asexuelle. Anm. d. Red.) Man könnte mich als bisexuell bezeichnen und daher kenne ich auch dieses ganze Stigma, das dann auch vor allem mit Bisexualität einhergeht. So aus der LGBT-Community heraus kam der Wunsch, etwas zu diesem Thema auch in diesen Kurzfilm einzubringen.

Warum drehen Sie Ihre Kurzfilme in Schwandorf, wenn ein Hacker doch wahrscheinlich besser im urbanen Berlin aufgehoben wäre? Immerhin studieren Sie ja in der Hauptstadt.

Eben deswegen drehe ich im Stodl, wegen des Kontrasts. Das hat einfach perfekt gepasst. Bei „Hacker“ denkt man natürlich an Computer und Technik, aber wir haben nur den Stodl, wir haben keine Technik. Das Einzige, was zu sehen sein wird, ist eine Überwachungskamera und eine Laptoptasche, aber sonst nichts.

Ihr neuer Film ist von „FanFiction“ inspiriert. Was ist das?

Eine kurze Erklärung ist: : Fanfics/Fanfictions sind Geschichten, die Fans schreiben, zu fiktionalen Universen, die bereits existieren, also zum Beispiel Harry Potter, Herr der Ringe oder Star Trek. Sie werden online kostenlos veröffentlicht. Seit ich zwölf bin, lese ich FanFiction, und hab dann auch sehr bald angefangen, sie selbst zu schreiben. So habe ich eigentlich das Schreiben gelernt, weil man, wenn man FanFiction veröffentlicht, von Lesern sofort sehr schnell Feedback bekommt und diese Community einfach sehr toll ist. Die FanFiction, auf der dieser Film basiert, ist eine eine Bondlock-Fic, also ein Crossover von James Bond und Sherlock. Ich hatte sehr viel Spaß daran, diese zwei Medien zu kombinieren, und während des Schreibens dachte ich schon bei dieser Szene: „Hey, die würde sich für einen Kurzfilm eignen!“

Wie findet sich ein derart internationales Team wie bei „The Hacker“ zusammen?

Die Hauptdarstellerin Shabana Hussein war letztes Jahr bei Acceptance dabei. Sie hat mich dann auf Ethan Taylor gebracht. Beide sind aus London. Die Cutterin, Rachel, die den Schnitt macht, habe ich in einer einer James-Bond-Facebook-Gruppe gefunden. Sie kommt aus Newcastle in Nordengland. Die Grafikdesignerin aus Mexiko kenne ich über ein BBC-Sherlock-Projekt.

Wofür setzen Sie das gesammelte Geld konkret ein?

40 Prozent sind für das Team. Das ist eine weit untertarifliche Aufwandsentschädigung, weil ich mir mit meinen Mitteln einfach den Mindestlohn nicht leisten kann. Der Rest ist für Equipment-Leihe, Set-Dekoration, Fahrtkosten, Catering, Maske und viele Kleinigkeiten. Man glaubt gar nicht, was da alles zusammenkommt. Deswegen brauchen wir auch mehr Unterstützer – auch weil bei der Crowdfundingkampagne gerade Flaute herrscht.

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Das Projekt

  • Der Film:

    Gedreht wird der circa neunminütige Film von 5. bis 8. September. Hauptdarsteller sind Shabana Hussein und Ethan Taylor. Der Film soll bis Weihnachten komplett fertig sein.

  • Crowdfunding:

    Das Budget von 5050 Euro soll per Crowdfunding gesammelt werden. Die Kampagne läuft bis zum 13. September. Spenden kann man unter www.jays-lair.com/hacker

  • Möglichkeiten zur Unterstützung:

    Bei „Claudia‘s Fashion Corner“ (Breite Straße 20) ist eine Sammelbox aufgestellt. Als Gegenleistung für die Spende bekommt man z.B. den Filmsoundtrack. Julia Schnorrer ist zu erreichen unter (0 94 31) 6 01 85. Updates zum Film gibt es unter unter www.facebook.com/thehackershort2016

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