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Kurz vor Weihnachten eine neue Bleibe

Die ersten Flüchtlinge sind in der Notunterkunft in der Triumph-Halle Schwandorf eingezogen. Hier ist Platz für 370 Menschen.
Von Hubert Heinzl

  • Ein paar Farbtupfer in der tristen Triumph-Halle – noch ist das Bettzeug verpackt. Laut Abteilungsleiter Andreas Bäuml vom Landratsamt ist die Infrastruktur für 370 Bewohner so gut wie komplett.Foto: Heinzl
  • An den Sanitäranlagen wird noch gezimmert. Bis Mitte Januar sollen sie fertig werden. Foto: Heinzl
  • Im Speiseraum sind die Tische und Stühle für 370 Menschen schon aufgebaut. Foto: Heinzl
  • Wäschetrockner und Waschmaschinen für den Dauerbetrieb... Foto: Heinzl
  • In den abgetrennten Abteilen ist mehr Platz als früher in Wackersdorf. Foto: Heinzl

Schwandorf.Die Bettbezüge, originalverpackt, sind die einzigen Farbtupfer. Ansonsten wirkt die ehemalige Triumph-Halle grau in grau. Dafür ist es wohltemperiert hier drin, selbst der Betonfußboden fühlt sich warm an. Und das ist für die Bewohner, die das 800 Quadratmeter große Areal einmal mit Leben erfüllen sollen, zunächst einmal die Hauptsache. Auf Dauer bleiben sie ohnehin nicht. Die ersten 15 Flüchtlinge sind in der provisorischen Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Gelände von Meiller GHP am Montag schon eingezogen – 370 Menschen sollen es im Regelbetrieb einmal sein. Im äußersten Notfall, und vorübergehend, reichen die Kapazitäten sogar für bis zu 500 Schutzsuchende. „Doch das soll die absolute Ausnahme bleiben“, sagt Andreas Bäuml, Abteilungsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung am Schwandorfer Landratsamt.

Alle Voraussetzungen geprüft

Ende September bereits gab der Stadtrat grundsätzlich grünes Licht für das Vorhaben. Inzwischen sind laut Maria Schuierer, der stellvertretenden Pressesprecherin das Stadt Schwandorf, auch die Nachbarn angeschrieben und auf ihre Meinung befragt worden. Vier Einwendungen sind nach ihren Worten bei der Stadt eingegangen „und, wenn sie berechtigt waren, im Genehmigungsbescheid berücksichtigt worden“, so Schuierer. Das Verfahren ist abgeschlossen, „die rechtlichen Voraussetzungen sind geprüft“, sagt die Sprecherin. Zuletzt ging es nur noch um Formalien.

Mit der Einweihung der ehemaligen Triumph-Halle, die von der Regierung der Oberpfalz für drei Jahre angemietet wurde, hat laut Andreas Bäuml die bisherige Behelfsunterkunft in Wackersdorf ausgedient. Der Umzug war keine große Sache, denn von zuletzt über 140 war die Zahl der Bewohner dort in den vergangenen Wochen auf ein gutes Dutzend geschrumpft. „Den überwiegenden Teil haben wir in dezentrale Wohnungen im Landkreis vermittelt, rund 20 wurden auf andere Landkreise verteilt“, sagt Hans Prechtl, der Pressesprecher am Landratsamt. Wieviele Menschen aus Wackersdorf abgeschoben wurden, weiß er nicht. Etwa 100 Flüchtlinge mögen es heuer im ganzen Landkreis sein, die nach der Ablehnung ihres Asylantrags mehr oder weniger freiwillig wieder ausreisten.

Die nächsten Schutzsuchenden sind schon unterwegs, aber wie lange es bis zu einer Vollbelegung dauern wird, ist für Markus Roth, den Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz, „einfach schwer abzuschätzen“. Schwandorf dient bekanntlich als Außenstelle zur Entlastung der Regensburger Erstaufnahmeeinrichtung. Wenn alles nach Plan läuft, werden in der Schwandorfer Notunterkunft nur Flüchtlinge ankommen, die bereits registriert sind und ein erstes „Screening“, also einen kurzen Gesundheitscheck, durchlaufen haben. In Schwandorf werden sie vom Gesundheitsamt gründlich medizinisch untersucht, von hier aus auch sollen sie ihren Asylantrag beim neuen Ableger des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Regensburg stellen und die ersten Termine bei der Ausländerbehörde wahrnehmen. Dann geht es weiter in dezentrale Unterkünfte – nicht nur im Landkreis Schwandorf, wohlgemerkt. „In drei Monaten sollte das alles abgewickelt sein“, beschreibt Roth die erwartete durchschnittliche Verweildauer.

Kein übertriebener Luxus

Übertriebener Luxus erwartet die Neuankömmlinge in der Notunterkunft nicht, doch für die Grundbedürfnisse ist gesorgt. In zwei getrennten Werkshallen gibt es abgetrennte Abteile für Familien oder alleinreisende Landsleute, es gibt einen großen Speisesaal für die Mahlzeiten mit Essen von einem Catering-Unternehmen und eine Security für die Sicherheit. Im Waschzimmer stehen Trockner und Waschmaschinen für die Reinigung der Kleidung zur Verfügung. Am Sanitärtrakt mit Abteilen in Holzständerbauweise dürfte dagegen noch bis Mitte Januar herumgezimmert werden – zur Überbrückung stehen Sanitärcontainer vor dem Haus.

Im Vergleich zur Wackersdorfer Notunterkunft sieht Andreas Bäuml vom Schwandorfer Landratsamt aber eine „deutliche Verbesserung“. Die Abteile sind nach seinen Worten deutlich kleiner geworden, bieten mit höchstens acht Betten mehr Raum fürs Privatleben. Freizeitmöglichkeiten, um die endlosen Stunden in der Warteschleife zu überbrücken, sind bisher nicht vorgesehen – von der Aussicht abgesehen, sich an der frischen Luft in Schwandorf frei bewegen zu können.

Die Infrastruktur

  • Die Sanitäranlagen

    und Duschkabinen werden in stabiler Holzständerbauweise im Inneren der ehemaligen Triumph-Halle errichtet. Mit einer Fertigstellung rechnet das Landratsamt bis Mitte Januar. Für die Übergangszeit wurden außerhalb der Halle inzwischen Sanitärcontainer aufgestellt.

  • An Waschmaschinen und Wäschetrocknern

    herrscht kein Mangel in der neuen Notunterkunft, wie Andreas Bäuml, der Leiter der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, der MZ demonstriert. Natürlich werden die neuen Bewohner in den Gebrauch der Geräte eingewiesen.

  • Rund 370 Stühle

    und die entsprechenden Tischgarnituren sind bereits aufgestellt worden, obwohl zunächst nur ein rundes Dutzend Flüchtlinge in der Schwandorfer Notunterkunft eingezogen ist. Die ehemalige Triumph-Halle ist laut Landratsamt im Regelbetrieb für 370 Menschen ausgelegt.

  • Die Wohnsituation der Flüchtlinge

    hat sich im Vergleich zu den Provisorien in Burglengenfeld und Wackersdorf verbessert. Die Abteile sind in Schwandorf mit maximal acht Schlafplätzen belegt, an den früheren Standorten gab es laut Bäuml auch „Aufenthaltsräume“ für 15 oder sogar noch mehr Menschen. (hh)

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