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Benefiz-Gala

„Leuchtturmevent“ bringt 50 500 Euro ein

Schwandorfer Rotarier, Lions und Round Table setzen sich für Integration ein und finanzieren einen Berater für Betriebe.
Von Renate Ahrens

Die beiden Geschäftsführer Michael und Cornelia Horsch (vorne) führten durch den Abend.
Die beiden Geschäftsführer Michael und Cornelia Horsch (vorne) führten durch den Abend. Fotos: tre

Schwandorf. Was kann ein Einzelner tun, um Flüchtlingen zu helfen? Diese Frage hatte Dr. Reinhard Erös bereits vor 30 Jahren Mutter Teresa in den Slums von Kalkutta gestellt, wie er am Samstag beim Benefizabend für die Flüchtlingsarbeit im Landkreis Schwandorf bei der Firma Horsch erzählte. „Du musst die Menschen lieben“, hätte die Ordensfrau schlicht zu ihm gesagt. Das habe er nie vergessen. „Ich habe erst später gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist“, räumt er heute ein. Aber schließlich könne ein einfacher Mann aus Argentinien auch Papst werden, sagte er und erntete begeisterten Applaus. Alles sei möglich.

Der ehemalige Bundeswehrarzt, der zusammen mit seiner Familie im Jahr 2001 die „Kinderhilfe Afghanistan“ gegründet hat und seitdem mitten im Taliban-Gebiet viele Schulen, Waisenhäuser, Kliniken und kürzlich sogar die erste Universität für Frauen gebaut hat, beeindruckte die rund 250 Menschen in dem festlich geschmückten Saal. Handeln statt Reden, das ist schon immer die Devise von Erös, und das nehmen sich die Schwandorfer Service-Clubs Rotarier, Lions und Round Table zum Vorbild. „Wir wollen Lösungsmöglichkeiten finden“, so der Grundton, „und Integration fordern und fördern.“

„Kümmerer“ wird eingestellt

Schon immer ist sei es den Clubs wichtig, nicht nur Geld zu geben, sondern sich auch persönlich zu engagieren, beispielsweise als Lesepate oder bei der Tafel, wie Axel Jakobitz, Präsident des Round Table, betonte. Um Betriebe in der Region zu motivieren und dabei zu begleiten, Flüchtlinge auszubilden und einzustellen, werden die drei Clubs einen Berater einstellen – einen „Kümmerer“, wie ihn Jakobitz nannte. „Das ist eine der größten Herausforderungen für uns alle seit vielen Jahren.“ Der Hauptgedanke der Aktion sei: „Diejenigen, die das Rüstzeug in Form von Ausbildung bekommen haben, sind die besten Entwicklungshelfer, die man sich vorstellen kann“, erklärten neben Jakobitz auch Michael Horsch und Dr. Reinhard Proske, die beiden Präsidenten der anderen Clubs; sie appellierten an die Anwesenden, mit dem „Kümmerer“ zusammenzuarbeiten. Schließlich waren am Benefizabend viele hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik anwesend. Die öffentliche Hand habe finanzielle Unterstützung für dieses Projekt zugesagt. Der Berater soll, zunächst für drei Jahre, Betriebe unterstützen, wenn es um praktische Hürden geht, vernetzen und Kontakt halten zu den Flüchtlingen. Einen Bewerber gebe es bereits: Joao Neisinger ist zurzeit Projektmanager für betriebliche Integration von Flüchtlingen bei Horsch.

Aspekte des Engagements

  • Kunst:

    Dr. Dalal Makari-Pausch bekämpft Terror mit Kunst: Ihr Schattenspiel kommt ohne Sprache aus und wird von jedem verstanden. Sie versucht so, traumatisierten Kindern neu Lebensmut zu geben. Makari-Pausch wurde in Damaskus geboren. Umrahmt wurde die Vorstellung von ihren Gedichten, rezitiert von Barbara Dudkowski.

  • Referat:

    Warum müssen Menschen ihre Heimat verlassen und alles zurücklassen, was sie aufgebaut haben? Einfache Antworten gibt es nicht, aber Dr. Reinhard Erös hat durch seine jahrelange Arbeit als Entwicklungshelfer in Afghanistan guten Einblick in die Hintergründe; er referierte über „Fluchtursachen bekämpfen“.

  • Die rund 250 Besucher ließen sich beim Benefizabend ein leckeres Drei-Gänge-Menü schmecken. Etwa 30 Prozent der Gäste waren von Rotary Club, Round Table oder Lions Club, auch von den umliegenden Service-Clubs. Es gab Cremesuppe von der Petersilienwurzel, geschmortes Weiderind im Kräutermantel und Dessert.

  • Einsatz:

    Die Firma Horsch bildet zehn weitere Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea, Somalia, der Elfenbeinküste und Albanien aus, wie Philipp Horsch erklärte. Man sehe es als „Verpflichtung und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft“. Man könne nicht alles auf die Politik abwälzen. Das neue Projekt soll weitere Impulse setzen. (tre)

Hilfe ist in vieler Hinsicht nötig. „Die meisten Flüchtlingskinder sind traumatisiert“, erklärt Dr. Dalal Makari-Pausch, die in Damaskus aufgewachsen ist und seit 15 Jahren in Deutschland lebt. 2015 wurde sie zur „Persönlichkeit des Jahres in der palästinensischen und arabischen Welt“ für ihre humanitären Dienste ausgezeichnet. In vielen Ländern der Welt unterstützt sie Jugendliche bei ihrer Ausbildung. Auch im Landkreis gebe es viele erfolgreiche Initiativen von Firmen und Organisationen, wie ein Kurzfilm bewies.

Ob beim THW, wo sich Flüchtlinge engagieren, bei der Ausbildung bei Horsch oder bei EMZ, im Haus des guten Hirten oder bei Aktionen des Arbeitsamtes – das Projekt „Schwandorfer interkulturelles Ausbildungsprogramm“ hat Vorbildcharakter und soll weiter ausgebaut werden und langfristigen Erfolg haben. Denn noch immer sei die Not groß, erklärte Erös. Eine Million Kinder in den Flüchtlingslagern in Afghanistan, wo seit fast 40 Jahren Krieg herrscht, seien unterernährt und hätten keine Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben. „55 Prozent, die hierherkommen, sind Analphabeten. Wenn sie in ihr Land zurückkommen, können sie deutsche Zeitungen lesen, aber nicht ihre eigenen“, machte Erös auf Probleme aufmerksam. Korruption sei in Afghanistan an der Tagesordnung, längst nicht alle Fördergelder kämen an der richtigen Stelle an und das dortige Wertesystem sei ein völlig anderes. Der „deutsche Afghane“ wie Erös einmal genannt wurde (schließlich spricht er perfekt die Sprache), betonte: „Man muss die Fluchtursachen vor Ort bekämpfen“, und bekam dafür ungeteilte Zustimmung.

Dank an alle Ehrenamtlichen

Nicht nur vorne auf der Bühne wurde diskutiert, sondern immer wieder auch an den runden, weiß gedeckten Tischen, wo die Besucher das DreiGänge-Menü genossen. Moderiert von David Neufeld, beleuchteten Sozialministerin Emilia Müller, Landrat Thomas Ebeling, Dr. Reinhard Erös, Thomas Hanauer (EMZ), Martin Liebl (THW) und Philipp Horsch die aktuelle Situation. Die Hauptarbeit würde nach wie vor die Gesellschaft und die vielen Ehrenamtlichen übernehmen, denen Müller ausdrücklich dankte. Ein guter Anfang des geplanten Projekts ist bereits geschafft: Allein beim Benefizabend kamen Spenden in Höhe von 50 500 Euro zusammen, wie Cornelia Horsch am Sonntag der MZ mitteilte. Mit der Aktion der drei Service-Clubs wolle man eine „Leuchtturmfunktion“ ausüben und Zeichen setzen, betonte Michael Horsch.

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