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Kultur

Maibaum und Venus in der Kunst

Zwei französische bildende Künstlerinnen ließen sich in der Kebbelvilla Schwandorf bei der Arbeit über die Schulter schauen.
Von Christina Röttenbacher

Maibaum-Installation der französischen Künstlerin Margot Sokolowska
Maibaum-Installation der französischen Künstlerin Margot Sokolowska

Schwandorf. Als die französische Künstlerin Margot Sokolowska vor fünf Wochen im Rahmen des Austauschprojektes zwischen dem französischen Künstlerhaus Pojols in Nouaison - Bordeaux und dem internationalen Künstlerhaus in der Maximilianstraße, das dem Oberpfälzer Künstlerhaus angeschlossen ist, durch Fronberg fuhr, stach ihr der Maibaum ins Auge und sie begann, das kulturelle Objekt in künstlerische Aspekte zu zergliedern, zu analysieren, im Laufe der Wochen immer weiter zu abstrahieren, die christliche Symbolik der Maibaums der profanen Bedeutung gegenüber zu stellen. Entstanden sind Bilderserien, Installationen und Abstraktionen aus dem Blickwinkel einer Künstlerin.

Thematisch nicht weit entfernt von ihrer Künstlerkollegin ist Noémie Keren, ebenfalls aus Bordeaux in Frankreich. Auch sie hat als Installationskünstlerin den kulturell und mythologisch-prähistorischen Ansatz.

Am Pfingstsonntag hatten die Künstlerinnen, die sich auf Einladung der Stadt Schwandorf und des Fördervereins Oberpfälzer Künstlerhaus für sechs Wochen in den Studios und Ateliers des Internationalen Künstlerhauses aufhalten, ihre Arbeitsstätten für interessierte Besucher geöffnet, um sich über die Schulter blicken zu lassen und ihre Arbeiten dem Betrachter zu erläutern.

Bedauerlicherweise fanden nur wenige den Mut, sich auf das Experiment „moderne Kunst“ einzulassen und sich erkenntnisreiche Aha-Effekte zu gönnen. Denn der Maibaumserie in Acryll, Aquarell, Gravur und in ungewöhnlichen Perspektiven unterlegte Margot Sokolowska eine intensive Deutung. Maibäume, ursprünglich aus der keltischen Tradition kommend und vom Katholizismus übernommen, kenne man auch in Frankreich in der Dordogne und Polen. In Bayern dagegen sei der Maibaum ein profanes, weltliches Objekt. Die traditionellen, religiösen und regionalen Parallelen und Unterschiede aufgreifend, befasste sich Margot Sokolowska mit dem maibaum: Je mehr ich über die Kultur des Maibaums erfahren habe, um so mehr veränderte er sich in meinen Bildern hin zum Abstrakten, vom Maibaum zu My Baum“. Der Nicht-Künstler sieht einen Maibaum, die Künstlerin sieht alternative Denkanstöße, Verknüpfungen aus Kunstgeschichte, Mythologie, New-Age, Philosophie und öffnet so den Blick für das Banale.

Durch die Fenster des Studios von Noémie Keren sieht man weiße Laken mit roten Handabdrücken auf Wäscheleinen hängen. Dazwischen kleine Venusfiguren, einzeln, in Wäschebeuteln, in kleinen Gruppen auf Papier. Auf dem Boden eine mit Waschpulver ausgestreute Venus, dahinter eine Waschmaschine. Das Atelier ist – ja soll – begehbar sein, um die Installation mit allen Sinnen erleben zu können, interpretiert die 23-jährige Künstlerin Keren, die vor einem Jahr ihr Diplom in Kunstgeschichte abgelegt hat, ihr Gesamtwerk, das sie in fünf Wochen erarbeitet hat.

Es wirkt im ersten Moment befremdlich, thematisch nicht greifbar, doch auch sie hat den großen, mythologischen und prähistorischen Ansatz. Handabdrücke in Höhlen dürften die ersten künstlerischen Ausdrucksformen der Menschheitsgeschichte sein. Kerens künstlerischer Ansatz geht viel tiefer. „Die große Frage für mich ist, wie die Menschen mit der Rationalität, der Aufklärung umgehen und umgegangen sind. Wie sich die Abkehr von der Religion mit Säkularisation, der Reformation durch Martin Luther bis hin zur New-Age Philosophie auswirkt.“ Sie nehme all diese Fragmente aus Religion, Mythologie, Historie auf und füge sie zu eigenen Kreationen, Gedankengängen zusammen.

Ein großes Anliegen sei ihr, die Kunst aus dem Gefängnis „Museum“ zu befreien, in Installationen mit allen Sinnen erleb- und erfahrbar zu machen. Riechen, schmecken, hören, sehen, fühlen seien die Grundlagen ihres künstlerischen Ausdrucks. Mit diesen interpretatorischen Offenbarungen konnte man sich unbelastet in ihre Installation wagen und sich ganz der Kunst hingeben. Die Künstlerinnen halten sich noch bis zum Freitag, den 29. Mai im Internationalen Künstlerhaus auf.

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