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Infrastruktur

Mobilfunk bald in geordneten Bahnen

Die Stadt Schwandorf hat einen Angebotsplan beschlossen, um Mobilfunkbetreibern Alternativstandorte vorschlagen zu können.
Von Hubert Heinzl

Bürgerprotest wie gegen den Mobilfunkmasten an der Osserstraße will die Stadt künftig durch ein Standortmanagement überflüssig machen.
Bürgerprotest wie gegen den Mobilfunkmasten an der Osserstraße will die Stadt künftig durch ein Standortmanagement überflüssig machen. Foto: scl

Schwandorf.Die Stadt will den Wildwuchs bei der Auswahl neuer Mobilfunk-Standorte beschneiden. Bei seiner jüngsten Sitzung beschloss der Planungsausschuss einstimmig, einen sogenannten Standortangebotsplan zu entwerfen. Damit soll den Anbietern ein Instrument an die Hand gegeben werden, das mögliche Alternativen aufzeigt, um die gesundheitliche Belastung der Bevölkerung möglichst gering zu halten.

Anlass für die Stadt, sich dem Thema zuzuwenden, war die umstrittene Verlegung eines Funkmasts im Juli des vergangenen Jahres, von der Rusel- an die Osserstraße, in direkter Nachbarschaft zum Gauß-Gymnasium (wir berichteten). Die erbosten Anwohner liefen Sturm gegen die Sendeanlage mitten im Wohngebiet, doch es war ein Sturm im Wasserglas. Weil die Grenzwerte für elektromagnetische Felder im Umkreis des Funkmasts eingehalten wurden, gab es keine Handhabe gegen die Standortwahl.

Es könnte auch anders gehen

Dass es auch anders gehen könnte, erläuterte in der Sitzung Hans-Ulrich Raithel vom Umweltinstitut München, der die Stadt schon bei der Debatte um die Osserstraße fachlich beraten hatte. Der Experte ging zunächst auf die fast schon ausufernden Untersuchungen über mögliche Gesundheitsschäden durch den Mobilfunk ein. Die aktuellsten Forschungsergebnisse wiesen darauf hin, so Raithel, dass es „mögliche Auswirkungen auch unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte“ gebe. Inzwischen habe auch die Weltgesundheitsorganisation erklärt, dass Handystrahlung möglicherweise Krebs auslösen könne. Gefährdet seien vor allem Vieltelefonierer, nach neusten Studien wohl aber auch Menschen, die Strahlung durch Mobilfunknetze ausgesetzt seien. Kurzum: „Gesundheitsschäden sind nicht nachweisbar, aber auch nicht auszuschließen“, so das Fazit des Fachmanns aus München.

Dieses Ergebnis münzte Raithel in eine Empfehlung an die Kommunen und Genehmigungsbehörden um. An den deutschen Bestimmungen vermisste er eine „Vorsorgekomponente“, um möglichen Gesundheitsschäden vorzubeugen. Dabei lohne es sich, „Aufwendungen für diese Vorsorge zu treffen“. In der Schweiz etwa würden zehnfach niedrigere Grenzwerte für Mobilfunk-Strahlung gelten. Und selbst die Strahlenschutzkommission empfehle, „elektromagnetische Felder im Rahmen der technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten sinnvoll zu minimieren“.

Natürlich könnten Städte und Gemeinden keine niedrigeren Grenzwerte festsetzen, so Raithel weiter. Erlaubt sei allerdings eine vergleichende Betrachtung und die Suche nach Alternativen, sofern die Versorgungsqualität durch die Mobilfunkanbieter nicht beeinträchtigt werde. An einem nämlich ließ der Fachmann vom Umweltinstitut keinen Zweifel: „Die Ansprüche an die Standortwahl und Infrastruktur sind wesentlich höher als noch vor 15 Jahren. Heute wird wesentlich mehr gesurft als telefoniert, und das bringt natürlich deutlich höhere Datenmengen mit sich“.

Alternativen für die Standorte

Die Stadt hatte das Umweltinstitut München beauftragt, zu den bestehenden 24 Mobilfunkstandorten im Stadtgebiet ein Immissionsgutachten auszuarbeiten und mögliche Alternativstandorte aufzuzeigen, als eine Art vorbereitende Untersuchung für einen echten Standortangebotsplan. Die umfangreiche Expertise legte Raithel in der Sitzung auch vor – ohne freilich auf alle Details eingehen zu können.

Anhand der Debatte um die Osserstraße räumte der Experte aber gleich mit einigen Vorurteilen auf. Die höchste Belastung durch elektromagnetische Strahlung ergibt sich nach seinen Worten nicht in unmittelbarer Nähe der Mobilfunkmasten, sondern erst in weiterer Entfernung. An der Osserstraße wurde der Funkmast bei der Genehmigung durch die Stadtverwaltung gekürzt – dabei verringern sich laut Raithel bei höheren Masten sogar die möglichen Auswirkungen. Die höchste gemessene Belastung durch Funkwellen im Umfeld der Osserstraße rührte im übrigen nicht von der Sendeanlage her, sondern von einem schnurlosen Telefon im Büro des städtischen Kindergartens. „Das wird jetzt schleunigst ausgetauscht“, wie Oberbürgermeister Andreas Feller versicherte.

Wunder, und das räumte Raithel abschließend ein, braucht man sich von der Suche nach Alternativstandorten am Ende nicht zu erwarten. Das Fazit des Experten: „Wir können die Belastung nicht wegzaubern, sondern nur maßvoll reduzieren. Viel mehr als eine 50-prozentige Entlastung im Ortsbereich wird nicht machbar sein.“

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Stellungnahmen

  • Andreas Wopperer (CSU)

    nannte den Standortangebotsplan einen gelungenen Spagat „zwischen einer möglichst geringen Betroffenheit der Bürger und dem übereinstimmenden Willen nach einer optimalen Versorgung.“

  • Manfred Schüller (SPD)

    bezeichnete den Plan schlicht als erforderlich. „Jetzt greift die Stadt aktiv ein, auch auf die Gefahr hin, von den Mobilfunkanbietern künftig den Schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen.“

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