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Infrastruktur

Mühsamer Weg zur Barrierefreiheit

Beim Ausbau des Schwandorfer Bahnhofs ist Geduld gefragt. Verhandelt wird im Paket mit der geplanten Elektrifizierung.
Von Hubert Heinzl

Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit Handicap und Senioren haben am Schwandorfer Bahnhof Probleme. Das Bild stammt aus dem Jahr 2013, als die SPD in einer groß angelegten Kampagne für einen barrierefreien Ausbau Werbung machte. Getan hat sich seither aber nichts.
Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit Handicap und Senioren haben am Schwandorfer Bahnhof Probleme. Das Bild stammt aus dem Jahr 2013, als die SPD in einer groß angelegten Kampagne für einen barrierefreien Ausbau Werbung machte. Getan hat sich seither aber nichts. Archivfoto: sri

Schwandorf.Der barrierefreie Ausbau des Schwandorfer Bahnhofs steht bei Reisenden und Kommunalpolitikern schon lange auf der Wunschliste. Menschen mit Handicap, aber auch Senioren oder junge Mütter mit Kinderwagen sollen beim Zugang zum Bahnsteig endlich nicht mehr vor kaum überwindbaren Hindernissen stehen. Zuletzt trommelte die Schwandorfer SPD vor fast genau drei Jahren für einen Ausbau; es gab eine groß angelegte Unterschriftenaktion, und der Stadtrat verabschiedete eine wortmächtige Resolution.

Geht Schwandorf leer aus?

Doch getan hat sich seither wenig. Auch im kurz vor Weihnachten beschlossenen „Bayerischen Aktionsprogramm für barrierefreie Infrastruktur 2021“, kurz BABS 21, sucht man den Schwandorfer Bahnhof zunächst vergebens. Im „Bayern-Paket II“, dem Herzstück des Programms, werden zwölf Bahnhöfe benannt, die bis 2021 barrierefrei ausgebaut oder baureif gemacht werden sollen – darunter der Standort Amberg. Auch der Bahnhof Cham auf der wichtigen Zugverbindung nach Tschechien findet sich auf der Planungsliste. Doch die Eisenbahnerstadt Schwandorf geht leer aus – zumindest auf den ersten Blick.

CSU-Landtagsabgeordneter Alexander Flierl widerspricht diesem Eindruck jedoch vehement. Auch der Schwandorfer Bahnhof soll barrierefrei ausgebaut werden, sagt er, nur eben aus einem anderen Topf finanziert – der inzwischen beschlossenen Elektrifizierung der Bahnlinie Regensburg – Hof. Die Maßnahme ist nach seinen Worten Teil eines Verhandlungspakets, das das Bayerische Verkehrsministerium und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt schon bald aufschnüren wollen. „Gleich im neuen Jahr“ sollen die ersten Sondierungsgespräche beginnen, sagt Flierl. Die bayerische Marschroute: „Die Elektrifizierung ist ganz klar Bundessache. Wenn die Strecke geplant wird, sollte man die Barrierefreiheit gleich miteinbeziehen“, so der Landtagsabgeordnete. Inwieweit sich der Freistaat finanziell mit einbringe, sei Gegenstand der Verhandlungen. „Schon jetzt trägt Bayern einen Teil der Vorplanungen für die Elektrifizierung mit“, so Flierl.

Die Kosten sind enorm: Allein für die Umplanung des Schwandorfer Bahnhofs rechnet der Abgeordnete mit einem Aufwand von 1,5 Millionen Euro. Nach einer Prioritätenliste sollen Zug um Zug aber auch die weiteren Stationen im Landkreis Schwandorf barrierefrei ausgebaut werden. In Maxhütte-Haidhof und Pfreimd ist das laut Flierl bereits geschehen – bleiben, von Norden gesehen, Wernberg, Nabburg, Schwarzenfeld und Irrenlohe. Bis 2021 sollten die Vorarbeiten erledigt sein, dann könnte nach den Vorstellungen Flierls mit den eigentlichen Planungen begonnen werden.

„Gespräche haben sich ausgezahlt“

Der Abgeordnete, der Oberbürgermeister Andreas Feller kürzlich über das „Bayerische Aktionsprogramm“ informierte, sieht in dem eingeschlagenen Weg den erklärten Willen des Freistaats, „dass dem gesellschaftlich bedeutenden Bereich der Barrierefreiheit und der Aufwertung des Schienenverkehrsangebots im ländlichen Raum Rechnung getragen wird“, wie es in einer Presseerklärung heißt. „Die zahlreichen Gespräche auf allen politischen Ebenen haben sich ausgezahlt“, wird OB Feller zitiert.

Von der geplanten Aufwertung des Bahnhofs Cham erwartet MdL Flierl ebenfalls positive Impulse für den Standort Schwandorf. Hier sollen laut Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann ab 2018 die Planungen für einen barrierefreien Umbau vorangetrieben werden – als weiterer Mosaikstein für einen Ausbau der Bahnstrecke von Schwandorf nach Tschechien. Flierl sieht darin „ein klares Signal für die Metropolenbahn“.

Bei der SPD hält sich die Begeisterung über die Infrastruktur-Offensive des Freistaats in Grenzen. Landtagsabgeordneter Franz Schindler, der sich zugleich im Stadtrat als Fraktionsvorsitzender um Schwandorfer Belange kümmert, sieht die Große Kreisstadt einmal mehr aufs Abstellgleis verbannt. „Wenn der Schwandorfer Bahnhof im Rahmen der Elektrifizierung verhandelt wird, dann wird es hier in zehn Jahren noch keine Barrierefreiheit geben. Das dauert viel zu lang“, sagte er auf Anfrage der MZ.

Der SPD-Abgeordnete kritisiert, dass Schwandorf schon einmal auf der Strecke geblieben sei. Als das bayerische Förderprogramm bis 2018 aufgelegt worden sei, habe man die Stadt auf die nächste Förderrunde vertröstet. Jetzt werde ein barrierefreier Ausbau wieder auf die lange Bank geschoben. Schindler fordert deshalb, die Umbaumaßnahmen in Schwandorf vorzuziehen und noch ins jetzt verabschiedete Programm mit auf zunehmen. „Die Liste ist doch nicht in Stein gemeißelt“, so der Abgeordnete.

Dass man mit einem Umbau aus technischen Gründen bis zur Elektrifizierung warten müsse, sieht Schindler nicht ein. „In Maxhütte hat das ja auch funktioniert. Und nördlich von Weiden gibt es auch schon Bahnhöfe, die bereits barrierefrei umgestaltet worden sind“, so der Landtagsabgeordnete.

Mehr barrierefreie Bahnhöfe

  • BABSI 21:

    Das „Bayerische Aktionsprogramm für barrierefreie Stationsinfrastruktur 2021 (BABSI 21)“ ist kurz vor Weihnachten vom Bayerischen Ministerrat beschlossen worden. Damit will der Freistaat nach Angaben des Bayerischen Verkehrsministers Joachim Herrmann erreichen, dass bis zum Jahr 2021 etwa 82 Prozent aller Reisenden in Bayern barrierefrei ein- und aussteigen können. Die Bahn will nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube dafür in den nächsten Jahren rund 500 Millionen Euro investieren.

  • Bayern-Paket II:

    Herzstück des neuen Aktionsprogramms ist das sogenannte „Bayern-Paket II“, das Maßnahmen an zwölf Bahnhöfen in ganz Bayern umfasst. An acht Bahnhöfen soll die Barrierefreiheit in den Jahren 2019 bis 2021 verwirklicht werden – Freilassing, Kaufering, Abensberg, Ansbach, Pleinfeld, Rottendorf, Donauwörth und Kempten. Bei vier weiteren Bahnhöfen sollen die Planungen in diesem Zeitraum bis zur Baureife vorangetrieben werden – neben Amberg fallen auch Kronach, Pegnitz und der Hauptbahnhof Fürth in diese Kategorie.

  • Bahnhof Cham:

    Am Bahnhof Cham sollen nach den Worten von Minister Herrmann ab 2018 die Planungen für einen barrierefreien Umbau laufen. Die Maßnahme erfolgt im Rahmen der Planungen für den Ausbau der Bahnstrecke von Schwandorf nach Tschechien.

  • Bahnhof Schwandorf:

    Auch der barrierefreie Umbau des Schwandorfer Bahnhofs soll planerisch vorangetrieben werden – laut MdL Alexander Flierl im Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke von Hof nach Regensburg. Flierl rechnet mit einem Einstieg in die Planungen bis 2021, Kritiker halten das allerdings für utopisch. (hh)

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