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Jubiläum

Neukirchens Burschenfahne mit Geschichte

Von 23. bis 26. August feiert der Burschenverein sein 110-jähriges Bestehen. Eine zentrale Rolle spielt ein Stück Stoff.
Von Dietmar Zwick

Die neue Burschenfahne präsentieren die Vorsitzenden Martina Kammerl und Georg Mayer. Foto: Dietmar Zwick
Die neue Burschenfahne präsentieren die Vorsitzenden Martina Kammerl und Georg Mayer. Foto: Dietmar Zwick

Schwandorf.Wir schreiben den 27. Juni 1909, den Tag, an dem der katholische Burschenverein Neukirchen mit anfangs 45 Mitgliedern gegründet wurde. Als ein Jahr verstrichen war, war schon allerhand geschehen. Aber eine vereinseigene Fahne fehlte noch – diese musste her.

Mit den Einnahmen vom Theaterspiel hatte man bereits den Grundstein gelegt, aber das Geld reichte nicht. Eine großzügige Spende von 400 Mark stellt der H. H. Präses in Aussicht und zerstreute finanzielle Bedenken. Mit diesem Grundkapital war es möglich, erste Planungen in Angriff zu nehmen. Den Entwurf, wie die Fahne aussehen sollte, erarbeitete der Pfarrer Michael Rupprecht selbst. Es sollte ein handgesticktes, mit religiösen Bildern versehenes Juwel werden. Die Fahne wurde schließlich von der Taubstummenanstalt Zell in Mittelfranken per Hand gefertigt. Der Preis: 551,50 Mark. In einer Zeit, als die Maß Bier noch 20 Pfennig kostete, war dies ein hoher Geldbetrag.

Der Heilige Josef ziert die Fahne des Burschenvereins. Foto: Dietmar Zwick
Der Heilige Josef ziert die Fahne des Burschenvereins. Foto: Dietmar Zwick

Auf der einen Seite der Fahne fand der Heilige Josef als religiöses Vorbild für die Burschen seinen Platz, auf der anderen Seite zierte ein heimatliches Motiv das Banner. Laut Aufzeichnungen schaffte man noch Fahnenbänder der Jungfrauen für 50,50 Mark sowie sechs Erinnerungsbänder im Wert von 14 Mark, an.

Erster Höhepunkt für den Burschenverein war 1910

Im April 1910 legten die Verantwortlichen den Ablauf des Festes fest. Der katholische Burschenverein Neukirchen konnte seinen ersten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte am 22. Mai 1910 feiern, auf diesen Tag legten sie die Fahnenweihe. Am Sonntagmorgen versammelten sich damals die Mitglieder auf dem Festplatz und zogen zur Pfarrkirche. Von einem eigenartigen Gepräge des Kirchenzuges berichteten Zeitzeugen. Erschienen war der katholische Gesellenverein von Schwandorf, welcher die Patenschaft übernahm, ebenso wie die katholischen Arbeitervereine Schwandorfs und Wiefelsdorfs sowie die vier Feuerwehren der Pfarrei Neukirchen (Büchheim, Gögglbach, Naabeck, Neukirchen).

Das Jubiläumsprogramm

  • Freitag:

    Am 23. August spielen zum Auftakt des 110-jährigen Jubiläums ab 20 Uhr die Draufgänger. Der Eintritt kostet fünf Euro.

  • Samstag:

    Am 24. August findet der Kommersabend mit der Neukirchner Blasmusik ab 18.30 Uhr statt und im Anschluss ab 21 Uhr die Zeltgaudi mit den Stoapfälzer Spitzbuam. Der Eintritt ist frei.

  • Sonntag:

    Um 9 Uhr ist Festgottesdienst, danach Frühschoppen mit der Neukirchner Blasmusik. Beginn des Festzugs ist um 14 Uhr. Danach spielen die Quertreiber. Der Eintritt ist frei.

  • Montag:

    Ab 20 Uhr gibt es Heavy Volxmusic mit den Troglauern (Vorverkauf 7 Euro, Abendkasse 9 Euro). Das Kombiticket Troglauer/Draufgänger kostet 10 Euro (nur Vorverkauf).

Anschließend zogen sie gemeinsam in die Kirche, um einen Gottesdienst mit der Fahnenweihe zu begehen. Die Beteiligung der Missionare sowie der aus München angereiste Bundessekretär Eugen Fässlergaben dem Festtag eine besondere Bedeutung. Als Fahnenjunker wählten sie Josef Grabinger aus, mit seinen Begleitern Martin Rost von Hartenricht und Joseph Mändl aus Naabsiegenhofen.

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Maria Diermeier von Neukirchen fungierte als Fahnenmutter. Sie und ihre Begleiterinnen übergaben die Fahne dem Fahnenjunker. Nach dem Mittagsmahl zog der Burschenverein mit der Fahne zum Rosenkranzgebet in die Kirche. Erst dann zog der Festzug durch die festlich geschmückte Ortschaft. Jetzt hatte man Gelegenheit, Gästen und Zuschauern die Fahne zu präsentieren. Die Fahnenweihe nahm einen gelungen Verlauf und trug zur Stärkung der Kameradschaft innerhalb des Vereins bei. Die Burschenfahne des katholischen Burschenvereins Neukirchen wurde einst als die schönste beim Landestreffen der Burschenvereine Bayerns in München prämiert.

Die Burschenfahne vor der Restaurierung mit den herausgetrennten Tugenden Foto: Zwick
Die Burschenfahne vor der Restaurierung mit den herausgetrennten Tugenden Foto: Zwick

Während des Dritten Reiches, nachdem die Vereinstätigkeit verboten worden war, wurde das Fahnentuch durch Pfarrer Dietl zu einer Josefsfahne für die Kirche umgearbeitet. Bei kirchlichen Anlässen führte man sie in der Öffentlichkeit mit. Die beiden Tugenden sowie den heiligen Josef trennte man aus der Burschenfahne heraus. Die Rückseite, aus der ebenfalls Motive ausgeschnitten wurden, blieb im Besitz des katholischen Burschenvereines. Im Schulhaus fand sie ihren Platz. Die einzige Erinnerung an die erste Vereinsfahne war ein Gruppenbild zur Fahnenweihe.

Der Zettel in der Schachtel Foto: Zwick
Der Zettel in der Schachtel Foto: Zwick

1950 fand die Wiedergründung des Burschenvereins Neukirchen statt, 1954 erfolgte die Fahnenweihe und auch die Mädchengruppe hob man aus der Taufe. Bis 2004 war die Fahne verschwunden und fast in Vergessenheit geraten – bis sich die Burschen zur Versammlung im alten Schulhaus trafen und nach etwas suchten. Aber es war nicht die Fahne, wie der damalige Vorstand Daniel Schwab berichtete. Die Fahne lag in einer Schachtel im oberen Stockwerk des ehemaligen Schulhauses. Darin befand sich ein Zettel, auf dem geschrieben stand: „Vorderseite der Fahne des katholischen Burschenvereins von 1910. Fahnenweihe 22. Mai 1910. Unter der NS Herrschaft ab 1933 wurden alle kirchlichen Vereine verboten. Rückseite wurde deshalb abgetrennt und zur Kirchenfahne umgearbeitet“. Gezeichnet Alois Trettenbach, Bürgermeister.

Bis 2018 lag die Fahne in der Schachtel

Die Josefsfahne liegt auf der Burschenfahne Foto: Zwick
Die Josefsfahne liegt auf der Burschenfahne Foto: Zwick

Die unvollständige Fahne lag bis Ende 2018 in der Schachtel. Doch die Burschen und Mädchen wollten, dass die Fahne wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt wird. Nachdem die Firma Kössinger in Schierling eine Kostenaufstellung vorlegte, kam der einstimmige Beschluss, die Fahne restaurieren zu lassen.

Pfarrer Eugen Thumann übergibt die Josefsfahne an den 1. Vorstand Georg Mayer. Foto: Zwick
Pfarrer Eugen Thumann übergibt die Josefsfahne an den 1. Vorstand Georg Mayer. Foto: Zwick

Aber zwei Tugenden und der heilige Josef befanden sich auf der Josefsfahne. Pfarrer Eugen Thumann und weitere Gremien stimmten zu und übergaben die Josefsfahne wieder in die Hände des Burschenvereins. So war es möglich, dass beide Fahnen Anfang März nach Schierling gebracht werden konnten. Damit war auch der Weg geebnet, dass Brauchtum und Tradition mit der einstigen Fahne aus der Gründungszeit von 1910 wieder ihre Fortsetzung finden können. Aus der Josefsfahne mussten die Elemente der Tugend und der heilige Josef herausgetrennt werden und Gabriele Gallrap –seit 30 Jahren Stickerin – setzte sie auf einen neuen seidenähnlichen Stoff ein. Für sie war es eine Premiere aus zwei Fahnen alles in eine Fahne zurückzuführen.

Martina Kammerl und Georg Mayer halten voller Freude die neue Burschenfahne. Foto: Zwick
Martina Kammerl und Georg Mayer halten voller Freude die neue Burschenfahne. Foto: Zwick

Am 4. Mai brachten Mitglieder das neue Prunkstück zurück nach Neukirchen. Nun gilt es noch abzuwarten bis das 110-jährigen Jubiläum vom 23. bis 26. August gefeiert werden kann. Einer der Höhepunkte wird dann die Segnung der Fahne im Festgottesdienst am Sonntag sein.

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