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Interview

„Niemals ungeübt aufs Motorrad steigen“

Polizeihauptkommissar Jürgen Wagner von der PI Schwandorf rät, beim Start in die neue Saison besonders vorsichtig zu sein.

Jürgen Wagner, Polizeihauptkommissar
Jürgen Wagner, Polizeihauptkommissar

Schwandorf.Ein Blick in die Polizeistatistik verrät: Motorradfahren ist ein riskantes Hobby. Im Landkreis Schwandorf kamen im vergangenen Jahr fünf Biker bei Verkehrsunfällen ums Leben, 48 wurden schwer verletzt. Polizeihauptkommissar Jürgen Wagner von der Polizeiinspektion Schwandorf rät ihnen, beim Start in die neue Saison besonders vorsichtig zu sein und auch einzukalkulieren, dass andere Verkehrsteilnehmer sich erst wieder an die schnellen Zweiräder gewöhnen müssen.

Herr Wagner, die ersten Motorradfahrer sind jetzt wieder auf den Straßen im Landkreis unterwegs. Was fällt Ihnen auf, wenn Sie sie beobachten? Sind die Fahrer jetzt besonders leichtsinnig?

„Übermut ist eigentlich kein Thema. Aber die Fahrer müssen von der Ruhezeit in die aktive Zeit hineinfinden. Mir ist heuer schon zweimal aufgefallen, dass sich Fahrer „verbremst“ haben. Sie sind zu schnell an ein stehendes Auto rangefahren, sind erschrocken und haben dann zu spät und heftig gebremst. Man muss nach der Winterpause den Umgang mit der Vorder- und der Hinterradbremse in den Griff kriegen.“

Welchen Tipp haben Sie für Biker parat, die sicher in den Frühling starten wollen?

„Niemals ungeübt aufs Motorrad steigen. Man sollte sich pünktlich vor dem Start für ein Sicherheitstraining anmelden, zum Beispiel beim ADAC. Außerdem sollten sie immer mit Fehlern der anderen Verkehrsteilnehmer rechnen. Auch die müssen sich erst daran gewöhnen, dass da plötzlich wieder Motorräder neben ihnen auftauchen.“

Sind die Motorräder in der Regel in gutem Zustand oder müssen Sie bei Kontrollen häufiger Fehler bemängeln?

„Die Fahrzeuge sind im Großen und Ganzen in Ordnung. Motorradfahrer sind sich bewusst, dass ihr technisches Gerät ausschlaggebend für ihre Sicherheit ist. Außerdem spielt es eine große Rolle, dass Motorradfahren ein sportliches Hobby ist. Meistens wird ein Motorrad deshalb besser gepflegt als der Pkw, in den man einfach jeden Tag einsteigt und in die Arbeit fährt.“

Wird die Polizeiinspektion Schwandorf in den nächsten Wochen verstärkt auf die Motorradfahrer achten?

„Wir haben noch keine Planungen vom Polizeipräsidium bekommen. Es ist deshalb auch noch keine Schwerpunktaktion in Schwandorf geplant. Aber im Rahmen der Streife werden wir natürlich Kontrollen durchführen, zum Beispiel, wenn ein Motorradfahrer auffällt, weil er zu viel Gas gibt oder andere Sachen macht, die man im Straßenverkehr nicht tun sollte. Im Lauf des Jahres wird es aber sicher auch noch eine Schwerpunktaktion geben, bei der die Motorradfahrer im Mittelpunkt stehen.“

Tipps für Biker

  • Statistik:

    Im Landkreis Schwandorf gibt es derzeit insgesamt 13 015 zugelassene Motorräder mit einem Hubraum ab 125 Kubikzentimeter. Allein im Stadtgebiet Schwandorf sind es 2207 Krafträder. Die Polizei hat für alle Biker ausführliche Tipps parat.

  • Selbst Hand anlegen:

    Auch wenn es noch so verlockend erscheinen mag, am Motorrad herumzuschrauben – die Polizei rät dringend davon ab. Wer keine Fachkenntnisse hat, sollte sein Fahrzeug lieber in eine Werkstatt bringen. Wer nicht zugelassene Teile einbaut, erhöht sein Unfallrisiko und riskiert, dass Betriebserlaubnis und Versicherungsschutz erlöschen.

  • Sich selbst richtig einschätzen:

    Wer monatelang witterungsbedingt nicht mit seinem Bike unterwegs war, sollte bedenken, dass in dieser Zeit vielleicht seine Fahrfertigkeiten gelitten haben und wieder trainiert werden müssen. Das ist besonders wichtig, wenn der Erwerb des Führerscheins schon lange zurückliegt. Ein Fahrsicherheitstraining ist für alle empfehlenswert.

  • Auf die Fahrbahn achten:

    Motorradreifen sind auf glatter, schmieriger Fahrbahn und in Grenzsituationen schnell überfordert. Gefährlich wird es oft aufverschlissenen Fahrbahnbelägen, bei Fahrbahnmarkierungen, Schienen und Kanaldeckeln, abgefrästen Fahrbahnbelägen im Bereich von Baustellen, bei Laub und Schmutz oder Nässe und Glätte, insbesondere in Waldstücken und auf Brücken. Zusätzlich besteht bei Regen und Nässe besonders in Spurrinnen Aquaplaninggefahr.

  • Die Reifen kontrollieren:

    Vor jeder Fahrt sollte man den Zustand kontrollieren. Stimmt der Luftdruck noch? Weisen die Reifen Beschädigungen auf? Sind sie ungleichmäßig abgefahren? Reicht die Profiltiefe noch aus?

  • An die anderen denken:

    Mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle mit Motorradfahrerbeteiligung wird in der Regel von anderen Verkehrsteilnehmern verursacht. Sie schätzen Entfernung und Geschwindigkeit des Motorradfahrers wegen seiner schmalen Silhouette oft falsch ein. Außerdem können Motorräder schneller beschleunigen und schwieriger abbremsen als Autofahrer. Diese unterschätzen außerdem vor allem in Kurven den Platzbedarf eines Bikes.

  • Auf gute Schutzkleidung achten:

    Motorradfahrer und Sozius sollten passende Schutzhelme tragen und nicht mit Jeans und T-Shirt, sondern mit Motorradkleidung aus reißfestem Material, Stiefeln und Handschuhen unterwegs sein. Auch wenn schwarze Lederanzüge schick sind: Grelle Farben sorgen dafür, dass der Biker besser gesehen wird. (scl)

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