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Tourismus

Oberpfälzer Seenland hat viel Potenzial

Seit 20 Jahren gibt es den Zweckverband. Die MZ sprach mit Landrat Ebeling und Geschäftsführer Häring über die Perspektiven.
Von Hubert Heinzl

Zukunftspläne: Geschäftsführer Joachim Häring (li.) und Landrat Thomas Ebeling, der Vorsitzende des Zweckverbands Oberpfälzer Seenland, sind zuversichtlich, dass sich Tourismus in der Region weiter positiv entwickelt. Foto: Hubert Heinzl

Schwandorf. Vor 20 Jahren wurde der Seen-Zweckverband gegründet. Was hat’s gebracht?

Ebeling: Natürlich kann ein Zweckverband, der sich in erster Linie mit Tourismus-Marketing beschäftigt, nicht ohne weiteres reproduzierbare Ergebnisse vorweisen. Zwar haben wir die Übernachtungszahlen, aber ein Schwerpunkt der Aktivitäten beschäftigt sich mit dem Tagestourismus. Insofern ist nicht jeder Erfolg messbar und greifbar. Aber ich glaube schon, dass der Zweckverband einen großen Schub für die Vermarktung unserer Seenlandschaft, die ja wirklich einzigartig ist in Ostbayern, gebracht hat.

Häring: Auch bayernweit sind wir mit dem Thema Wassererlebnis vorne dabei. Mittlerweile gibt es die entsprechenden Freizeitmöglichkeiten, mit denen wir uns von den klassischen Seen-Destinationen absetzen können – gerade bei der Zielgruppe Familien.

Großprojekte hat es immer mal wieder gegeben – etwa Versuche, das Buchheim-Museum in die Region zu bringen oder Pläne für einen gigantischen Freizeitpark. Geworden ist daraus nichts. Sind Sie zuversichtlich, dass das neueste Leuchtturm-Projekt, die „Holzkugel“, nun auch wirklich realisiert wird?

Landrat: Da kann man auf jeden Fall optimistisch sein. Das Projekt passt von der Dimension her genau zum Seenland. Aus meiner Sicht ist es nicht so hoch gegriffen, dass man es als utopisch bezeichnen müsste. Außerdem sehen wir, dass ein vernünftiges und geprüftes Geschäftsmodell dahintersteht, bei dem uns auch Experten, die sich das angesehen haben, sagen, das passt. Am allerwichtigsten ist, dass die Investorensituation geklärt ist. Natürlich steckt, wie bei jedem Projekt, der Teufel im Detail, wie bei jedem anderen Bauprojekt auch.

Liegt das Projekt im Zeitplan?

Häring: Zurzeit findet in Steinberg am See die zweite Auslegung statt. Das Genehmigungsverfahren läuft. Und wenn alle Unterlagen vorliegen, bin ich sehr zuversichtlich, dass dann auch die Baugenehmigung kommt.

Ebeling: Sagen wir es mal so: Das Genehmigungsverfahren läuft an, der Bauantrag soll in Kürze, voraussichtlich noch im April, vorgelegt werden.

Die 40 Meter hohe Kugel entsteht am Ufer des Steinberger Sees. Foto: Archiv

Und wann kann man am Steinberger See etwas sehen, etwa den Ersten Spatenstich?

Häring: Der Erste Spatenstich ist noch heuer geplant, die Eröffnung dann im nächsten Jahr, 2018.

Mit wie vielen Besuchern rechnen die Investoren? Gibt es da bereits Zahlen?

Ebeling: Man erwartet zwischen 150000 und 200000 Besucher pro Jahr. Wenn man das mit dem Waldwipfelpfad bei Neuschönau vergleicht, bei dem man von bis zu 400000 Besuchern spricht, sieht man, dass es sich um eine seriöse Rechnung handelt. Jemand, der unseriös vorgeht, könnte ja auch die Meinung vertreten, wir schaffen doppelt soviel. Aber da wurde durchaus konservativ gerechnet.

Wenn sich die Erwartungen erfüllen, wird sich einiges ändern am Steinberger See. Wie lässt sich der Ansturm bewältigen?

Ebeling: Ich glaube, die Infrastruktur vor Ort ist schon sehr gut und kann das auch ganz gut verkraften. Die Zufahrt zum Erlebnispark erfolgt von der Autobahn bis zur Kugel, ohne Wohngebiete zu berühren. Auf der anderen Seite ergeben sich natürlich Chancen für unsere touristischen Leistungsträger, ihre Angebote zu vergrößern, vielleicht auch für neue Investoren. Bei den Übernachtungen und in der Gastronomie gibt es noch viel Potenzial. Nun liegt es an den Menschen vor Ort, das auch auszunutzen.

Sollten die nicht langsam anfangen mit ihren Investitionen?

Häring: Natürlich laufen im Hintergrund schon Planungen. Aber ich denke, man wartet noch ab. Der Erste Spatenstich wird ein wichtiges Signal sein dafür, dass die Kugel wirklich kommt. Dann werden wohl auch noch andere Investoren an den Start gehen und ihre Projekte entsprechend umsetzen.

Sind das eher überregionale Interessenten oder Anbieter vor Ort?

Häring: Ich glaube, dass das Seenland sehr stark unter Beobachtung steht, auch von außen. Allerdings rechnen die Investoren vor Ort natürlich auch und können sich ausmalen: Wenn das Projekt kommt, wird von dem ganzen Kuchen auch etwas abzuzwacken sein. Da gibt es natürlich viele Ideen, aber man geht damit noch nicht an die Öffentlichkeit, solange das nicht eine ganz sichere Sache ist.

Besteht nicht die Gefahr, dass durch das Leuchtturmprojekt die Entwicklung im Seenland in eine falsche Richtung gehen, die Region ihren Charme verlieren könnte?

Ebeling: Natürlich stellt sich die Frage, ob sich durch große Projekte der Charakter der Region so verändert, dass etwas kaputtgeht. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns im Seenland in einer von Menschenhand geschaffenen Landschaft befinden. Sie ist wunderschön, aber trotzdem an vielen Orten ein künstliches Produkt. Die Mischung ist das Ausschlaggebende: Am Brückelsee zum Beispiel sind größte Teile noch von einer Bebauung frei gehalten, so dass die Natur wirklich erlebbar ist. Am Au- und Lindensee ist die Situation ähnlich. Auf der anderen Seite gibt es Murner- und Steinberger See mit einer intensiveren touristischen Nutzung. Dass man, auch wenn große Vorhaben umgesetzt werden, noch alle Dinge erleben kann, ist, denke ich, ausschlaggebend. Am Steinberger See ist die touristische Nutzung schon sehr stark ausgeprägt, da passt die „Holzkugel“ optimal hin.

Sie sagen, im Seenland kann man so gut wie alles machen – ist der Angebots-Mix denn schon komplett?

Häring: Natürlich können wir uns nicht einfach zufrieden zurücklehnen und nichts mehr machen; das wäre Stillstand. Wir haben eine breite Vielfalt – mehr als viele andere Regionen. Was wir aber nach wie vor vorantreiben müssen, ist die Qualität. Wir sind gerade dabei, das Netz der Wanderwege zu überarbeiten; dazu gehören dann auch die entsprechenden Wanderkarten und gastronomischen und Übernachtungsangebote an der Strecke, um sinnvolle Rundwege zu ermöglichen. Beim Wandern führt mit dem Goldsteig ja das absolute Premiumprodukt durch unser Seenland. Aber natürlich muss die Qualität flächendeckend weiter verbessert werden...

Also gibt es bald lauter kleine Goldsteige...

Häring: Das werden wir in dem Umfang wohl nicht schaffen. Aber wir müssen zusammen mit den Gemeinden die Beschilderung verbessern, die Wegequalität – es gibt es viele Dinge, an denen wir ansetzen können.

Ebeling: Bei den Radwegen ist ja gerade erst die Beschilderung nach einem bayernweit einheitlichen Standard erneuert worden. Das ist für uns ein echter Meilenstein und trotz Förderung durchaus nicht billig. Da wird man schon darauf angesprochen...

Häring: Die Saison hat erst begonnen, aber wir bekommen bereits sehr positive Rückmeldungen. Darüber hinaus hat der Landkreis gerade eine neue Radkarte erstellt, die in den nächsten Wochen erscheinen wird...

Brauchen wir noch einen regelmäßigen Event als Zugpferd für das Seenland?

Häring: Wir fangen gerade wieder an mit dem Seenland-Triathlon, mit einem neuen Veranstalter. Das macht jetzt der Skiclub Schwandorf, und der Verein ist in der Läuferszene bestens vernetzt, auch über den Landkreis hinaus. Lassen wir uns einfach überraschen, der Seenland-Triathlon findet heuer ja zum ersten Mal statt.

Ebeling: Die Idee, ein Event im Seenland zu platzieren, ob Sport- oder Konzert-Ereignis, begrüßen wir natürlich. Der Triathlon könnte diese Rolle vielleicht übernehmen. Ich bin überzeugt, dass ein solches Sportereignis in der reizvollen Landschaft für die Teilnehmer sehr attraktiv sein könnte. Aber wir sind auch für Konzertereignisse sehr aufgeschlossen.

Häring: Was wir machen können in diesem Zusammenhang: Wir können Investoren ansprechen, oder Veranstalter, und das tun wir auch. Aber das braucht eben eine gewisse Zeit, um sich zu entwickeln.

Wo gibt es im Angebot noch Lücken?

Ebeling: Ein Bedarf besteht bei den Übernachtungsmöglichkeiten. Wir haben steigende Zahlen im Seenland. Im vergangenen Jahr waren es sechs Prozent mehr, doch die Bettenkapazität ist nicht im gleichen Umfang gewachsen. Irgendwann werden wir an eine natürliche Grenze stoßen, an der wir nicht mehr wachsen können, weil die Kapazitäten fehlen. Da besteht mit Sicherheit Bedarf. Es wäre schön, wenn dieser gleich in einem hochwertigen Segment gedeckt würde. Man braucht vielleicht auch einmal ein Hotel mit vielen günstigen Betten, aber genauso brauchen wir qualitativ hochwertige Übernachtungsmöglichkeiten. Denn der Urlauber wünscht sich oft einen gewissen Luxus.

Häring: In der Badesaison haben wir eine gute Auslastung, aber die Saison ist relativ kurz. Da könnte die „Kugel“ ein ganz wichtiger Faktor sein, um die Saison zu verlängern, bis in den Herbst hinein. Wenn wir das Ganze durch qualitative Aufwertungsmaßnahmen begleiten, etwa beim Wandern oder dem Radwegenetz, dann haben wir gute Chancen, auch über die Hauptsaison hinaus zu einer guten Auslastung zu sorgen. Das verbessert natürlich dann auch die Rentabilität.

Wie bekannt ist die Marke Seenland eigentlich nach 20 Jahren? Herr Häring, auf der Messe in Nürnberg haben Sie zuletzt ganz positive Erfahrungen gemacht...

Häring: Wir sind noch eine sehr junge Region, und natürlich sind andere Regionen schon wesentlich länger auf dem Markt und dadurch natürlich bekannter. Aber wir sind, gerade mit unserem neuen Erscheinungsbild, auf einem sehr guten Weg. Unsere Prospekte fallen auf, werden entsprechend angenommen. Und die Leute, die sich diese Prospekte ansehen, bekommen auch Appetit auf die Region. Das Wichtigste ist Mundpropaganda. Und je mehr Menschen uns wahrnehmen – und deswegen ist ein Leuchtturm-Projekt wie die „Kugel“ ja auch so wichtig – desto mehr werden berichten, dass man im Oberpfälzer Seenland gut Urlaub machen kann. Darum werden wir übrigens von den großen bayerischen Seen-Destinationen durchaus beneidet. Da heißt es dann: „Mei, ihr habt es gut. Bei euch kann man so viel machen ...“ Wir haben einfach ein super Entwicklungspotenzial.

Stichwort Entwicklung: Wo stehen wir in 20 Jahren – wo wollen wir stehen?

Ebeling: Wir wollen unter den Destinationen in Bayern, die sich mit dem Thema Wasser und See beschäftigen, schon nach vorne. Ich glaube, dass wir in 20 Jahren das Entwicklungspotenzial haben, um vielleicht nicht ganz die Spitze zu erklimmen, aber doch eine der bekannteren Destinationen in Bayern zu werden, was Urlaub am See oder Urlaub am Fluss angeht.

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Der Zweckverband

  • Gründung:

    Am 1. 12. 1997 wurde der Seen-Zweckverband gegründet als Zusammenschluss von Bodenwöhr, Bruck, Neunburg v. Wald, Nittenau, Schwandorf, Schwarzenfeld, Steinberg (am See) und Wackersdorf. Weitere Mitglieder sind der Landkreis und der Bezirk. Das touristische Angebot ist familienorientiert und reicht vom Bade- und Freizeitspaß an den Seen über Aktivitäten wie Wandern, Radfahren, Angeln oder Reiten bis zu Segway-Fahrten, Golf oder Wakeboarden. Infos: www.oberpfaelzer-seenland.de .

  • Wichtige Projekte:

    Im Zweckverband Oberpfälzer Seenland wurden in den vergangenen 20 Jahren während mehrerer „Leader“-Förderperioden zahlreiche Projekte entwickelt und umgesetzt. Wichtige Projekte sind unter anderem der Fischlehrpfad oder der Museumslehrpfad Wackersdorf, der Aussichtsturm und der „Erlebnispark Wasser − Fisch – Natur“ am Murnersee oder 2015 die Eröffnung des Oberpfälzer Seenwegs, der eine Verbindung vom Jurasteig über den Erzweg zum Prädikatswanderweg Goldsteig herstellt. (hh)

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