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Tiere

Pferdeseuche hat die Oberpfalz erreicht

Im Landkreis Schwandorf sind zwei Tiere mit „Equiner infektiöser Anämie“ infiziert. Veterinäramt hat Sperrbezirk errichtet.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Wieder ist die Pferdeseuche EIA ausgebrochen. Jetzt gibt es einen Fall in der Oberpfalz.
Wieder ist die Pferdeseuche EIA ausgebrochen. Jetzt gibt es einen Fall in der Oberpfalz. Archivfoto: dpa

Schwandorf.Die Pferdeseuche „Equine infektiöse Anämie (EIA)“ hat die Oberpfalz erreicht. Am Dienstag wurde ein Pferdehof im Landkreis Schwandorf gesperrt. Dort war bei zwei Tieren eine Infektion mit dem Virus festgestellt worden. Die Pferde wurden am Mittwoch getötet. Die Besitzerin der Reiterpension wollte sich gegenüber der MZ nicht näher zu der Tiertragödie äußern. „Gerade werden die getöteten Pferde abgeholt. Wir sind einfach nur traurig und verzweifelt“, sagte die Frau. Auf der Homepage hatte die Betreiberin über die Quarantäne informiert und um Rücksichtnahme gebeten. „Von Herzen bitten wir Sie/Euch um Unterstützung, dass unser Betrieb ohne Hysterie, Panik, überschwappende Emotionen, oder „falsches Gerede“ die geliebte Arbeit mit unseren Pferden fortführen kann, die Zeit ist schwer genug.“

Der Hof, auf dem insgesamt 12 Pferden leben, war ins Visier der Veterinäre geraten, da zwei Pferde, die das Gestüt bereits 2011 nach Oberbayern vermittelt hatte, das Virus in sich trugen und ein Pferd erkrankt war. Nun stehen der Reiterhof im Raum Trausnitz sowie alle Pferde im Umkreis von einem Kilometer in den nächsten drei Monaten unter Quarantäne, bestätigte das Landratsamt Schwandorf. Es gebe einen weiteren Pferdehof in der Nähe, auf dem derzeit alle Tiere auf das Virus getestet werden, sagte Pressesprecher Hans Prechtl. Ergebnisse dazu lägen aber noch nicht vor. Erst wenn nach drei Monaten alle Pferde negativ getestet werden, werde die Quarantäne wieder aufgehoben. Für die betroffene Reiterpension bedeutet das eine erhebliche finanzielle Belastung, da keine Pensionsgäste mehr aufgenommen werden können, bis das Landratsamt Entwarnung gibt. Dies wird nicht vor Mitte November der Fall sein.

Zuletzt war die Seuche im Jahr 2010 in der Oberpfalz ausgebrochen – eingeschleppt wurde sie von kriminellen Pferdehändlern aus Rumänien. Infizierte Tiere gab es damals in Wald (2 Fälle) und Waldmünchen im Landkreis Cham, in Schwarzhofen und Bodenwöhr im Landkreis Schwandorf, in Mötzing im südlichen Landkreis Regensburg und in Brand im Landkreis Tirschenreuth. Der Leiter des Veterinäramtes im Landkreis Regensburg, Pio Bauer, hatte die Befürchtung, dass die Seuche möglicherweise zurückkehren könnte: „Ich glaube sicher, dass in einigen Ställen noch chronisch infizierte Tiere stehen“, sagte er damals. Bei dem Ausbruch standen damals alle positiv auf EIA getesteten Pferde im Zusammenhang mit den illegalen Tiertransporten aus Rumänien. Dem Veterinäramt Regensburg zufolge sind in Rumänien bis zu 15 Prozent aller Pferde mit EIA infiziert.

Um dennoch Pferde exportieren zu können, verschleiern kriminelle Pferdehändler die Herkunft der Tiere und bringen sie so nach Deutschland. So war eines der betroffenen Pferde aus dem Landkreis Cham damals mit falschen Papieren aus Tschechien ausgestattet worden und hatte zusätzlich noch einen Datenchip implantiert, der wiederum Informationen lieferte, die nicht zum Pass passten. Die Kontrolleure brauchten entsprechend lange, um die ursprüngliche rumänische Herkunft des Tieres zu ermitteln. 13 infizierte Pferde aus Rumänien sollen so 2010 ohne gültige Papiere in Bayern verkauft worden sein. Insgesamt gab es in jenem Jahr 15 EIA-Fälle in Bayern.

Das EIA-Virus ist deshalb so heimtückisch, weil es die Pferde in sich tragen, ohne dass die Krankheit unbedingt zum Ausbruch kommen muss. EIA wird mit allen Körperflüssigkeiten ausgeschieden. Neben dem direkten Kontakt durch Tröpfcheninfusion kann das Virus auch durch die Aufnahme virushaltiger Nahrung oder die Tränke sowie über verletzte Haut übertragen werden. Als häufigster Übertragungsweg gelten aber blutsaugende Insekten wie Pferdebremsen, die das Virus aufnehmen und von Pferd zu Pferd übertragen.

Equine Infektiöse Anämie

  • Verbreitung:

    „Die Equine infektiöse Anämie (EIA) oder auch Infektiöse Blutarmut der Einhufer ist eine weltweit verbreitete, virusbedingte Erkrankung der Pferde. Sie tritt regional gehäuft in Nord- und Südamerika, Afrika sowie Süd- und Osteuropa auf. In Deutschland ist das Virus nicht heimisch. In Bayern wurden 2011 zwei und 2015 bislang drei Fälle registriert (Stand 4. August 2015). Auslöser waren höchstwahrscheinlich importierte Pferde aus Osteuropa und Russland.“

  • Übertragung:

    „Die Übertragung von Pferd zu Pferd findet vor allem durch blutsaugende Insekten wie Bremsen oder Stechmücken statt. Das Virus vermehrt sich in den Insekten nicht und bleibt maximal 30 Minuten in den Mundwerkzeugen infektiös. Die zur Infektion notwendige Virusmenge wird erst durch mehrere Stiche erreicht. Eine Distanz ab 180 Meter verringert die Übertragungsgefahr wesentlich. Infizierte Pferde bleiben ein Leben lang Träger der Infektiösen Anämie.“

  • Krankheitsverlauf:

    „Wurde ein Pferd mit dem Anämievirus infiziert, dauert es zwei bis sechs Wochen, bis sich erste Symptome zeigen. Es gibt eine akute und chronische Verlaufsform. Bei der akuten Erkrankung zeigen die Pferde Fieber, raschen Gewichtsverlust, Teilnahmslosigkeit, Schwäche, Blutungen an Schleimhäuten und eine Anämie im Blutbild. Manche Pferde sterben. Erkrankt das Pferd chronisch, zeigen sich Fieberschübe und Anämie – das Pferd stirbt nicht, bleibt lebenslang infektiös.“

  • Konsequenzen:

    „In Deutschland ist die Equine infektiöse Anämie anzeigepflichtig und darf nicht behandelt werden. Wurde die Infektion mit dem Coggings-Test nachgewiesen, müssen betroffene Pferde getötet werden. Ist die Krankheit in einem Stall aufgetreten, wird dieser gesperrt. Die Sperre wird wieder aufgehoben, sobald alle infizierten Pferde getötet wurden und alle übrigen Pferde zweimal im Abstand von drei Monaten negativ auf EIA getestet wurden. (Quelle: Tierklinik Schierling)

Die Symptome der Pferdeseuche sind Fieber, Schwäche und Schwellungen der Gliedmaßen. Die Krankheit verläuft meistens tödlich. In Europa ist kein Impfstoff zugelassen, infizierte Tiere müssen zum Schutz vor einer Ausbreitung eingeschläfert werden.

In der vergangenen Woche wurden drei Pferde in Bad Feilnbach (Lkr. Rosenheim) getötet, die das Virus in sich trugen. Im Landkreis Ebersberg wurden vorsorglich zehn Reitställe gesperrt, im Landkreis München ein Stall.

Während sich im Internet das Thema immer weiter hochschaukelt, warnt die Tierklinik in Schierling im Landkreis Regensburg vor Panik. Im Landkreis Cham wurde mittlerweile dennoch der Sternritt in Neuhaus abgesagt, der Rosstag in Bad Kötzting soll dagegen stattfinden. Auch die Pferdeschau am Volksfestmontag in Neumarkt soll wie geplant über die Bühne gehen. Hier soll es jedoch zusätzliche Kontrollmaßnahmen geben.

Vergangene und aktuelle Fälle der Pferdeseuche in der Oberpfalz:

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