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Unterhaltung

Schwandorfer Kino wieder auf Erfolgskurs

Frederik Hohrath hat das Lichtspielhaus aus der Verlustzone geführt. Eigentümer Dr. Saur plant weiter einen Neubau.
von Cornelia Lorenz

Frederik Hohrath (l.) hat das Schwandorfer Kino aus der Verlustzone herausgeführt. Für die Zukunft hat er viele Pläne. Das Dokumentarfilmfestival Zwickl mit seiner Initiatorin Anne Schleicher (r.) wird sich heuer vor allem auf das Lichtspielhaus in der Postgartenstraße konzentrieren.
Frederik Hohrath (l.) hat das Schwandorfer Kino aus der Verlustzone herausgeführt. Für die Zukunft hat er viele Pläne. Das Dokumentarfilmfestival Zwickl mit seiner Initiatorin Anne Schleicher (r.) wird sich heuer vor allem auf das Lichtspielhaus in der Postgartenstraße konzentrieren.Foto: Archiv/hh

Schwandorf.Es gehörte schon eine große Portion Optimismus dazu, das ehemalige Union-Kino an der Postgartenstraße zu übernehmen: Das kleine Filmtheater mit seiner mittlerweile über 80-jährigen Geschichte hatte in den vergangenen Jahren mit seinen Betreibern jedes Mal nach kurzer Zeit Schiffbruch erlitten. Doch wie es scheint, hat es Frederik Hohrath geschafft: Der 53-jährige Hesse ist inzwischen seit gut einem Jahr im Geschäft und blickt gut gelaunt und mit neuen Ideen in die Zukunft. „Die Zahl der Besucher reicht für den Spielbetrieb aus. Das Kino läuft kostendeckend – und es bleibt am Ende sogar etwas übrig“, freut er sich.

Eine wechselhafte Vorgeschichte

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, haben die Vorgänger von Hohrath finanziell schmerzlich zu spüren bekommen. Dabei hatte im Januar 2006 alles recht vielversprechend begonnen. Damals hatte der Schwandorfer Zahnarzt Dr. Karl-Heinz Saur das in Konkurs gegangene Lichtspielhaus an der Postgartenstraße erworben, um die Kino-Tradition in Schwandorf wiederzubeleben. Das frisch sanierte Filmtheater wurde mit einem neuen Betreiber eröffnet. Im Jahr 2011 musste dieser trotz einiger Achtungserfolge Insolvenz anmelden. Bereits 2013 steuerte der nächste Betreiber trotz Umstellung auf 3-D-Technik auf die Pleite zu – und im Sommer 2015 gingen nach einem weiteren Anlauf im Union-Kino die Lichter aus.

Rammstein beim Konzert in Paris: Die Band ist bekannt für ihre Pyrotechnik auf der Bühne.
Rammstein beim Konzert in Paris: Die Band ist bekannt für ihre Pyrotechnik auf der Bühne. Foto: Handout/Rammstein/dpa

Doch nun scheint es Hohrath gelungen zu sein, das Ruder herumzureißen und das Lichtspielhaus in den Köpfen der Schwandorfern als Adresse zu verankern, die durchaus einen Besuch wert ist. Die ersten drei, vier Monate nach der Wiedereröffnung im Februar 2016 seien hart gewesen, räumt er freimütig ein. Das Minus am Monatsende war durchaus beunruhigend – und die Stimmung ebenso. „Die wechselhafte Geschichte des Kinos schwang immer mit – das hat man zum Beispiel daran gemerkt, dass kaum jemand angerufen oder Gutscheine gekauft hat. Die Schwandorfer waren skeptisch, wie lange es diesmal dauern würde“, sagt Hohrath.

Das erste Geschäftsjahr im Kino, das mittlerweile den Namen „Lichtwerk“ trägt, hat er nun hinter sich gebracht und blickt recht optimistisch in die Zukunft. Das Telefon klingelt wieder, der Gutscheinverkauf läuft – und der Kinosaal mit seinen 120 Plätzen erlebt regelmäßig Vorstellungen, die nahezu ausverkauft sind.

„Die wechselhafte Geschichte des Kinos schwang immer mit – das hat man zum Beispiel daran gemerkt, dass kaum jemand angerufen oder Gutscheine gekauft hat.“

Kinobetreiber Frederik Hohrath

Das klappt angesichts der Multiplex-Kinos im Umkreis logischerweise bei den aktuellen Hollywood-Streifen nicht so gut. „Independence Day – die Wiederkehr“ von Regisseur Roland Emmerich zum Beispiel war im Schwandorfer Kino ein richtiger Flop. Dafür feiert Hohrath beim Publikum große Erfolge mit den Live-Übertragungen aus dem „Royal Opera House“ in London. Wer hätte gedacht, dass zum Beispiel die Aufführung von Tschaikowskys „Nussknacker“ es schaffen würde, den Kinosaal in der Großen Kreisstadt derart zu füllen?

Live bei den Meistersingern

Doch es funktioniert – und so wird Hohrath diesen Weg mit hochkarätigen Live-Übertragungen weiter beschreiten. Für Musikfans hat er jetzt schon ein ganz besonderes Schmankerl vorbereitet: Am 25. Juli können sie vom Kinosessel in Schwandorf aus bequem die Premiere der „Meistersinger von Nürnberg“ bei den Bayreuther Festspielen miterleben. Während das Schauspiel in Bayreuth bereits um 16 Uhr startet, läuft es in Schwandorf erst ab 18 Uhr. Damit sollen Berufstätige die Chance bekommen, das Spektakel mitzuverfolgen. Die langen Pausen zwischen den Akten bleiben ihnen erspart – und pünktlich zum Beginn des letzten Aktes könne man dann von der Aufzeichnung auf die Live-Übertragung umschalten, sagt Hohrath.

Gute Erfahrungen hat der 53-Jährige in den vergangenen Wochen auch mit seinem Konzept vom „Senioren-Kino“ gemacht, bei dem die Besucher mit aktuellen, aber auch historischen Filmen unterhalten und mit einem Stück Kuchen verwöhnt werden. Volles Haus kann er mit der Reihe türkischer Filme vermelden, bei der alle vier bis sechs Wochen ein neuer Streifen ins Rennen geht.

Programm für Kinder geplant

Doch auch die ganz kleinen Kinofans will Hohrath künftig einbeziehen: Aktuell plant er, ab Herbst regelmäßig spezielle Kinderfilme ins Programm aufzunehmen. „Das müssen ganz ausgewählte kleine Kurzfilme sein, denn kleine Kinder sind noch nicht so belastbar“, sagt er. Nach 35 bis 40 Minuten, wenn die Filme zu Ende sind, könne dann noch eine gemeinsame Aktion stattfinden, zum Beispiel das Malen von Bildern zum Film.

Weitere Ideen spuken Hohrath bereits im Kopf herum. Spätestens im Herbst soll nun auch der zweite Kinosaal mit rund 35 Plätzen renoviert und mit einem digitalen Projektor ausgestattet sein. Und noch ein Thema beschäftigt den begeisterten Cineasten, der im Hauptberuf als Dozent bei einem Bildungsträger arbeitet: Dr. Saurs Pläne für den Neubau eines Kinos in der Großen Kreisstadt. Die Vision eines Lichtspielhauses mit vier, fünf Sälen hat dieser nämlich noch nicht begraben, wie er der MZ bestätigte.

Ad acta gelegt hat er lediglich das Konzept, das Kino in Wackersdorf zu errichten. Stattdessen schwebt ihm derzeit eher ein Standort in Globus-Nähe vor. Konkreter äußern will er sich erst, wenn Verträge unterschrieben sind. „Das muss durchdacht sein von A bis Z“, betont er – genauso wie die Tatsache, dass er dann, wenn es ganz konkret in die Planungsphase gehe, auf Hilfestellung der Stadt hofft.

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MZ verlost Kinokarten

  • Den Konzertfilm „Rammstein: Paris“

    können die Schwandorfer noch am 24. und 29. März im Kino an der Postgartenstraße sehen. Dabei handelt es sich um eine Dokumentation über zwei Konzerte der 1994 in Berlin gegründeten Rockband „Rammstein“, die musikalisch zur „Neuen Deutschen Härte“ gezählt wird. Ihre Musik gilt als brachial, ihre Texte wurden in der Vergangenheit kontrovers diskutiert, ebenso wie der massive Einsatz von Pyrotechnik bei ihren Konzerten. Bis 2009 verkaufte die Band über 16 Millionen Tonträger und ist mit ihren deutschsprachigen Texten unter anderem in Ländern wie den USA sehr erfolgreich. Während der „Made in Germany“-Tour von Rammstein drehte der gefeierte schwedische Regisseur Jonas Åkerlund im März 2012 bei zwei Konzerten der Band im Palais Omnisports in Paris seine Dokumentation. Jeweils 17.000 Zuschauer jubelten der Band damals zu.

  • Verlosung:

    Für die Vorstellung am Mittwoch, 29. März, um 20 Uhr im Kino Schwandorf verlost die MZ zweimal zwei Tickets. Interessenten melden sich bis Sonntag unter Tel. (0 13 79) 88 58 16 (0,50 € pro Festnetzanruf; Mobilfunk ggf. abweichend). Die Gewinner werden telefonisch benachrichtigt, die Karten an der Kinokasse hinterlegt.

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