MyMz
Anzeige

Schützenhilfe beim Berufseinstieg

Am Berufsschulzentrum Schwandorf gibt es ein neues Pilotprojekt: Es soll Flüchtlingen den Weg zur Ausbildung erleichtern.
Von Hubert Heinzl

In den Werkstätten beim Kolping-Bildungswerk besteht auch die Möglichkeit für praktischen Unterricht.
In den Werkstätten beim Kolping-Bildungswerk besteht auch die Möglichkeit für praktischen Unterricht. Foto: Heinzl

Schwandorf. Kultusministerium und Arbeitsagentur arbeiten erstmals Hand in Hand, um die Berufsperspektiven für jugendliche Flüchtlinge zu verbessern. Am Mittwoch stellten Schulleiter Ralf Bormann und der Leiter der Schwandorfer Arbeitsagentur, Joachim Ossmann, das Modellprojekt vor, das bayernweit nur an vier Schulstandorten erprobt wird – neben Schwandorf auch noch in Höchstadt an der Aisch, Nürnberg und München. Im sogenannten „Berufliches Übergangsjahr“ (BÜJ) sollen die Flüchtlinge endgültig fit werden für den Start ins Berufsleben.

„Eine sehr elegante Maßnahme“

Der Modellversuch ist laut Bormann zunächst auf ein Jahr befristet; anschließend soll erst einmal Bilanz gezogen werden. Doch der Schulleiter hofft, dass das alles keine Eintagsfliege bleiben wird: „Das ist eine sehr elegante positive Maßnahme, die wir fortgeführt sehen wollen“, lautet sein vorläufiges Fazit, nachdem es bereits im September mit zwölf Schülern und einer Schülerin auch in Schwandorf losging.

Die Erwartungen von Schule, Betrieben und Arbeitsagentur sind hoch. Für Agenturchef Ossmann ist es zunächst von überragender Bedeutung, dass die jungen Leute überhaupt eine Ausbildung anstreben und nicht gleich Geld verdienen wollen. An einem Heer von Hilfsarbeitern kann den Arbeitsvermittlern nicht gelegen sein. Aber es geht um mehr: „Die Flüchtlinge sollen im Beruflichen Übergangsjahr in die Lage versetzt werden, eine Ausbildung erfolgreich durchzustehen“, beschreibt Agenturchef Ossmann die Aufgabenstellung. Dazu aber reichen nach den Erfahrungen aus der Praxis die bisherigen beiden sogenannten Integrationsklassen nicht aus. In zwei Jahren können die jungen Neubürger hier einen qualifizierten Hauptschulabschluss erwerben – doch für eine Ausbildung mit Übernahme reicht das oft noch nicht aus.

Vor allem an den Deutschkenntnissen hapert es in den allermeisten Fällen. Laut Bormann sind die jungen Flüchtlinge nach zwei Jahren in den Flüchtlingsklassen zwar meist relativ gut in der Lage, sich mündlich zu verständigen. Doch ein ausreichendes Textverständnis sowie die Fähigkeit, dem Berufsschulunterricht zu folgen und Prüfungsarbeiten auch schriftlich zu bewältigen, sind für die jungen Leute aus der Fremde noch einmal eine andere Preisklasse. Kein Wunder: Um eine Fremdsprache einigermaßen zu beherrschen, kalkulieren Fachleute im Schnitt mit einem Zeitraum von fünf Jahren.

Überflieger und Analphabeten

Auch im Beruflichen Übergangsjahr soll deshalb in den ersten Monaten der Fokus auf einer „fundierten Sprachausbildung“ liegen. Daneben spielen Fragen der Berufs- und Lebensorientierung sowie vertiefende Praktika eine tragende Rolle. All das gibt es in abgeschwächter Form auch schon in den Integrationsklassen. Das neue Übergangsjahr hat laut Bormann aber den Vorteil, dass man die Berufsanfänger von morgen noch gezielter fit machen kann für die Ausbildung ihrer Wahl. Nach seinen Worten kann flexibel auf die einzelnen Schüler und ihre Fähigkeiten eingegangen werden. Und für Ausnahmetalente gibt es schon mal die Möglichkeit, auch eine der vorgeschalteten Jahrgangsstufen zu überspringen. Aber das sind nur wenige. Bei manchen Flüchtlingen beginnt die Schulkarriere dagegen erst einmal mit der Alphabetisierung.

Auch in der Ausbildung selbst sollen die jungen Leute aus Eritrea, Syrien oder dem Irak nicht alleingelassen werden. Die Agentur für Arbeit verfügt nach den Worten Ossmanns über eine ganze Reihe von Instrumenten, die nicht nur für deutsche Jugendliche, sondern auch für junge Flüchtlinge eingesetzt werden sollen. Das reicht von der sogenannten Ausbildungsbegleitenden Hilfe (Sprach- und Sozialförderung, zum Teil als Einzelunterricht) bis hin zur „Assistierten Ausbildung“, bei der ein Coach sogar noch im Ausbildungsbetrieb nach dem Rechten sieht.

Kooperationspartner für Arbeitsagentur und Schule ist in Schwandorf wie bei den restlichen Flüchtlingsklassen auch das Kolping-Bildungswerk. Hier pauken die Azubis von morgen nicht nur Deutsch, sondern erwerben in der Werkstatt an der Bellstraße auch ganz praktische Fähigkeiten. „Der Unterricht hat einen ganz hohen Praxisbezug, etwa in den Bereichen Holz, Metall oder Gastronomie. Projektarbeit ist das zentrale Thema“, sagt Berufsberater Bernhard Helmstreit, der bei der Arbeitsagentur für die Flüchtlinge zuständig ist.

„Es ist auch noch Luft nach oben“

All dies soll dazu dienen, dass die jungen Flüchtlinge den Anforderungen, die Handwerk und Industrie an ihre Auszubildenden stellen, am Ende auch gewachsen sind. Die Betriebe sind laut Bormann durchaus bereit, es mit jungen Leuten aus Syrien, Iran oder Afghanistan zu versuchen. Aber geschenkt wird den neuen Arbeitskollegen deshalb auch nichts.

Immerhin: Von 90 Flüchtlingen, die im Bereich der Handwerkskammer zuletzt ihren Quali erworben haben, starteten nach den Worten Bormanns 34 eine Ausbildung. Das entspricht der bayernweiten Ausbildungsquote, die sich zurzeit irgendwo zwischen 35 und 40 Prozent eingependelt hat. „Das ist schon ganz ordentlich“, sagt der Schulleiter, „aber es ist auch noch Luft nach oben“.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht