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Bilanz

Segen für Skifahrer und Bauern

Der Bilderbuchwinter bescherte im Kreis Schwandorf Freizeitspaß. Landwirte oder Autofahrer hatten keinen Grund zur Klage.
Von Reinhold Willfurth

Seit 6. Januar läuft der Skilift des Skiclubs Schwarzenfeld in Ödengrub.
Seit 6. Januar läuft der Skilift des Skiclubs Schwarzenfeld in Ödengrub.Foto: Archiv/Zwick

Schwandorf.Die Expertisen, ob hochwissenschaftlich oder auf der Basis des Verhaltens der kleinblütigen Königskerze, lagen voll daneben: Der Winter 2016/17 solle wieder einmal zu mild ausfallen, hieß es Anfang Dezember. Bis zu drei Grad wärmer als im langjährigen Mittel sollten die Temperaturen rund um den Jahreswechsel sein, prophezeiten ernstzunehmende Meteorologen.

Und dann kam der Januar 2017: Teilweise sibirische Minusgrade, eine geschlossene Schneedecke und immer wieder blauer Himmel ließen den ersten Monat des Jahres zum kältesten Januar seit 1987 – und zum schönsten Wintermonat seit langer, langer Zeit – reifen.

Das freute nicht nur die Wintersportler, sondern auch Menschen, die die verzauberte Winterlandschaft bei einem Spaziergang und strahlendem Sonnenschein genießen konnten. Aber auch Skifahrer und Langläufer nutzten das eisige Wetter zu rasanten Abfahrten oder ausgiebigen Touren durch die verschneite Oberpfälzer Landschaft.

Querfeldein durch die Landschaft

Josef Hauer stand in den vergangenen Wochen „fast jeden Tag“ auf seinen Langlaufskiern. Am liebsten ist der 67-Jährige aus Oberviechtach abseits der Loipe unterwegs. „Da fällt man wenigstens bei einem Sturz in den weichen Schnee“, sagt Hauer. Wann er den Winter zuletzt so ausgiebig auf seinen Brettern genießen konnte, kann er gar nicht so genau sagen. „Die letzten sieben Jahre jedenfalls nicht“, ist er sich sicher.

Skipisten und Loipen in der Region:

„Super zufrieden“ ist auch Rainer Hauer vom Vorstandsteam des Wintersportvereins (WSV) Schönsee. Zum ersten Mal „seit langen Jahren“ hat der Verein in diesem Winter wieder die Panoramaloipe gespurt, die rund um den Fremdenverkehrsort im Oberpfälzer Wald führt und immer wieder schöne Aussichten parat hat. Beim Wintersporttag für Gäste am vergangenen Sonntag waren die Parkplätze am Vereinsgelände voll belegt. Rund 60 Urlauber hätten sich in die Geheimnisse des Skatens auf Langlaufskiern, des Skiwachsens und des Wanderns in Schneeschuhen einweihen lassen – ein Andrang wie noch nie, so Hauer. Seit 2. Januar sind die Loipen rund um Schönsee gespurt. Binnen zwei, drei Tagen habe es nach dem Jahreswechsel einen guten halben Meter Schnee gegeben. Seitdem herrschten perfekte Verhältnisse für Wintersportler im Schönseer Land. Hauer hofft, dass der Einbruch wärmerer Luftschichten am Montagabend nur eine Verschnaufpause für diesen Bilderbuchwinter sein würde. Ein bisschen Regen mache der Schneedecke im Übrigen nichts aus. Auf ein bis zwei Wochen und mehr Winterspaß hofft der WSV-Vorstand.

Darauf setzt auch Rudolf Scharf, Leiter des Bauhofs in Nabburg und oberster Hüter des stadteigenen Skilifts. Auf knapp 2000 Fahrten hat es der seit 9. Januar geöffnete Skilift gebracht. Auf die Frage, wann zuletzt so ein Bilderbuchwinter mit großem Andrang der Skifahrer zu verzeichnen war, muss Scharf erst einmal „in meinen Unterlagen nachschauen“. Skifahrernachwuchs, aber auch viele Erwachsene hätten die beiden Pisten auf einem Nordhang im Stadtgebiet bevölkert. „Wir hatten täglich geöffnet“, sagt Scharf. Allerdings standen die „Doppelschlepper“ erst nachmittags, denn „in der Frühe und am Vormittag müssen wir unseren Winterdienst erledigen“. Der aber hielt sich bislang in verhältnismäßig engen Grenzen. Seit der ersten Januarwoche ist der Nabburger Bauhof mit Schneeräumer und Salzstreuer unterwegs. 300 Tonnen Salz sind auf den Straßen der Stadt gelandet. Vom Winterdienst-Standpunkt „ein ganz normaler Winter“, sagt Scharf.

Hochwinter-Abschied mit Blitzeis

Zum Abschied des Hochwinters gab es am Montag aber dann noch einmal viel zu tun für die Bauhof-Mitarbeiter in der Region. „Unsere Leute sind alle draußen“, sagte der Schwandorfer Straßenmeister Günter Schmid, nachdem am frühen Nachmittag die ersten Regentropfen auf die eiskalten Straßen der Großen Kreisstadt gefallen waren. Insgesamt 35 Mann mit fünf Groß- und drei Kleinfahrzeugen machten sich daran, die 286 Kilometer Straßen und 43 Kilometer Geh- und Radwege vor dem gefürchteten Blitzeis zu bewahren. Bis zum Montag konnten sich die Bauhof-Mitarbeiter mit anderen Aufgaben beschäftigen. „Wir hatten eine lange Phase mit trockenen Straßen“, sagt Schmid. Trotzdem seien von den rund 1000 Tonnen gebunkerten Streusalzes bereits 600 bis 700 Tonnen verbraucht, das meiste davon, als es um den 9. Januar heftig schneite.

Ein Segen war der bitterkalte Winter bislang auch für die Landwirte in der Region. Waldbauern zum Beispiel konnten nach Angaben von Josef Wittmann, Geschäftsführer des Bauernverbands (BBV), in den vergangenen Wochen in aller Ruhe ihre Bäume rücken. „Wegen des gefrorenen Bodens waren auch keine Rückeschäden durch Maschinen zu befürchten“, so Wittmann. Schneebruch sei auch kaum zu beklagen gewesen.

Aber auch auf den Feldern haben geschlossene Schneedecke und die eisigen Temperaturen keinen Schaden angerichtet – im Gegenteil. „Die Saaten sind unter der Schneedecke gut geschützt. Problematisch wären Kahlfröste“, sagt Wittmann. Der Frost lockere auch auf natürliche Weise die Äcker auf („Frostgare“). Zu milde Winter hingegen machten den Bauern zu schaffen, zum Beispiel, wenn die Zwischenfrüchte nicht wie geplant vollständig abfrieren und man dann im Frühjahr mit Chemie nachhelfen müsse. Auch der Borkenkäfer könne bei allzu milden Temperaturen früher sein zerstörerisches Werk beginnen. Probleme gebe es bei sehr kaltem Wetter allenfalls bei Kaltställen, wenn das Wasser oder das Futter drohe einzufrieren. Unterm Strich aber lautet Wittmanns Fazit: „So ein Winter hat schon seinen Sinn“.

Skilifte und Loipen

  • Skilift Nabburg:

    Der stadteigene „Doppelschlepper“ kann bis zu 1000 Personen pro Stunde auf die beiden, rund 500 Meter langen Pisten transportieren. Die Preise sind mit drei/bzw. fünf Euro für eine Halbtageskarte (!) konkurrenzlos. Auskunft unter Tel. (0 94 33) 90 11 13.

  • Skilift Ödengrub:

    Der Skiclub Schwarzenfeld betreibt den Skilift bei Kemnath/Fuhrn. Von Montag bis Freitag sind Hütte und Lift von 15.30 Uhr bis ca. 18.30 Uhr geöffnet. Samstag und Sonntag ist der Lift ab 13 Uhr geöffnet. Infos auf Facebook oder unter (0 94 39) 3 45.

  • Loipen in Thanstein:

    Loipe zur Ranze: Länge: 2,5 km, Schwierigkeitsgrad: leicht, Parkmöglichkeit beim Wintergarten Café. Loipe Eibenstein: Länge: 7,5 km, Schwierigkeitsgrad: mittel, Parkmöglichkeit beim Wintergarten Café; geeignet für Anfänger

  • Loipen in Schönsee:

    Neun klassische und Skating-Loipen sind im Nordic Sport Centrum Schönsee für Langläufer gespurt; darunter auch eine Flutlichtloipe. Diese ist Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 18 bis 20 Uhr geöffnet. Infos auch unter www.wsvschoensee.de

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