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Schwandorf
Dienstag, 25. September 2018 14° 1

Konzertreihe

Spannende Klänge bei den Kunz-Tagen

Die Konrad-Max-Kunz-Tage sind durch den Auftritt des Trios „Terra del sol“ durch eine interessante Facette reicher geworden.
Von Christina Röttenbacher

  • Bassist Markus Schlesag, Gitarrist Clemens M. Peters und Tenor Gustavo Martin Sanchez (v. l.)Foto: Röttenbacher
  • Etliche Zugaben mussten die Künstler geben.

SCHWANDORF.Ein festgefahrenes Standardkonzept kann man den Schwandorfer Konrad-Max-Kunz (KMK) Tagen wahrlich nicht unterstellen. Das im Jahr 2010 ins Leben gerufene Kultur- und Musikfestival unter dem Motto „Aus der Region für die Region“ hat sich zu einem Kulturevent entwickelt, das seinem Namensgeber, dem großen Sohn der Stadt Schwandorf, Konrad Max Kunz zur Ehre gereicht.

Die Palette von Musik und Gesang hat sich enorm erweitert. Sie ist professionell geworden, experimentierfreudig, vielseitig und abwechslungsreich. Von Theater bis Oratorium, von Swing bis Jazz reichte sie bisher, und wie beim Konzert am Samstag in der Spitalkirche, hat man den Mut bewiesen, sich mit einem weiteren Höhepunkt auch ganz neuen Einflüssen zu öffnen.

Feuerwerk aus dem Süden

Das Trio „Tierra del sol“ mit dem aus Regensburg stammenden Tenor Gustavo Martin Sanchez, dem Gitarristen und Arrangeur Clemens M. Peters und dem außergewöhnlichen Kontrabassisten Markus Schlesag entführte das Publikum in der ausverkauften Spitalkirche mit Canciónes, Flamenco, Tango und Sicilianas in südeuropäische Urlaubsgefilde und das temperamentvolle Lateinamerika. Diese drei Musiker reichten aus, um das ganze Feuerwerk lateinamerikanischer Rhythmen zu entzünden. Bürgermeisterin Ulrike Roidl erinnerte sich in ihrer Begrüßung an ihren Andalusienurlaub, wo sie den Flamenco gehört und gesehen hatte. Das Trio präsentierte sich dem begeisterten Publikum in einer Intensität, die sich aus den völlig unterschiedlichen Hintergründen und Zugängen zum Flamenco, aber auch aus einer intensiven, intuitiven Harmonie im Spannungsfeld der eruptiven Kraft nährte. Sie zeigten auf, dass der Flamenco wandlungs- und anpassungsfähig ist, dass lateinamerikanisches Volksliedgut mit moderner, fast jazziger Auslegung seine strenge Historie überwindet und neue Facetten hinzugewinnt.

Die Mehrheit der Vortragsstücke wie „Los Coatros muleros“, ein Volkslied über Esel, das im französischen Exil geschriebene Lied „El Cafe de Chinitas“ oder das von Peters in moderner Tonsprache neu arrangierte Stück „Baladilla de los tres rios“, stammten von textlich Frederico Garcia Lorca. Mit „Lamento Guitano“ von Maria Grever präsentierte das Trio die einzige Komponistin, die es über die Grenzen ihres mexikanischen Heimatlandes hinaus zu Ruhm gebracht hatte. Mit wunderbaren, jazzigen Soloeinlagen und Improvisationen trat der Bassist immer wieder aus dem Hintergrund des Taktgebers hervor und setzte das sperrige Instrument virtuos in Szene. „Bravo“-Rufe belohnten ihn.

Südliche Lebenslust: „Granada“

Wenn die Namen der Komponisten dem Publikum auch nicht geläufig waren, das Paradestück und Ohrwurm südeuropäischer Lebenslust, „Granada“ des mexikanischen Komponisten Augustin Lara war jedem geläufig. Der Tenor Gustavo Martin Sanchez legte den richtigen Benjamino-Gigli- Schmalz in das Lied, ohne Temperament und Originalität des Loblieds auf die spanische Stadt zu verfälschen.

Gustavo Sanchez sang vor zwei Jahren einen bedeutenden Part im Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Hier hatte die Initiatorin des „Tierra del sol“-Konzertes, Christina Fink-Rester, den ausgebildeten Tenor und „sehr netten Menschen“ kennengelernt. Gekommen war ein Trio, dem man noch viele Stunden hätte zuhören können. Das neue Konzept, die künstlerischen Facetten der Schwandorfer Konrad-Max-Kunz-Tage kulturell zu flexibilisieren und zu erweitern, scheint aufzugehen. Erst nach etlichen Zugaben, darunter ein herrlicher A-capella Flamenco unter rhythmischem Klatschen des Publikums, durfte das Trio die Bühne verlassen.

Flamenco

  • Begriff:

    Flamenco ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Liedern und Tänzen aus Andalusien und gilt als traditionelle, spanische Musik.

  • Einflüsse:

    Tanz und Musik waren über Jahrhunderte kastilischen, jüdischen, maurischen, afrikanischen und nordspanischen Einflüssen unterworfen.

  • Instrumentierung:

    Die wichtigsten Begleitinstrumente sind Percussions, Palmas, das Cajon, Kastagnetten und Cana Rociera. (hcr)

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