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Umwelt

Stadt will Pfandring-Modell testen

Das System von Sammelringen an Mülleimern ist umstritten. Ob Pro oder Contra überwiegt, will die Stadt selbst herausfinden.
Von Elisabeth Hirzinger

Die Erfahrungen in anderen Städten reichen von „Flop“ bis „dauerhaft ausbaufähig“.
Die Erfahrungen in anderen Städten reichen von „Flop“ bis „dauerhaft ausbaufähig“. Foto: dpa

Schwandorf.Pfandringe gibt es schon in über 20 Städten, in Hannover, Köln, Bochum, in Regensburg – und bald auch in Schwandorf. Im Frühjahr will die Stadt eine Testphase mit fünf Pfandringen starten. Nach einem Jahr wird die Stadt Bilanz ziehen und schauen, ob sich das System bewährt hat.

Das System ist so simpel, wie die Idee, die dahinter steckt: Ein Metallring an öffentlichen Abfalleimern soll Bedürftigen das Wühlen im Müll ersparen und gleichzeitig die Zahl der PET-Flaschen, die als Restmüll verbrannt werden, reduzieren. Das war auch der Grundgedanke des Erfinders, der sowohl den sozialen als auch den ökologischen Aspekt im Auge hatte.

Über die Idee des jungen Produktdesigners Paul Ketz hatte die MZ im Februar 2015 berichtet. Damals hatte es in der Stadtverwaltung „noch keine konkreten Überlegungen“ zur Einführung eines Pfandring-Systems gegeben. Man wollte sich aber, wie Pressesprecher Lothar Mulzer damals auf Nachfrage berichtete, „zeitnah mit dem Thema beschäftigen“. Das ist inzwischen passiert.

Erfahrungen abgewartet

Die zuständige Baubetriebsabteilung hat sich mit dem Thema offenbar intensiv auseinandergesetzt. Die Abteilungsleitung habe sich nach Auskunft des Pressesprechers „mit den Kollegen in anderen Städten ausgetauscht und deren erste Erfahrungen abgewartet“. Diese fielen so konträr aus, wie das Thema diskutiert wird.

Die Erfahrungen der anderen Städte reichten laut Mulzer von „Flopp“, wie in Karlsruhe und Oldenburg, bis zu „dauerhaft ausbaufähig“. Die Gründe für die unterschiedlichen Bewertungen waren „vielschichtig“, sagt Lothar Mulzer. Zum Teil seien die Flaschenringe „von den Sammlern nicht gewünscht gewesen, weil die Konkurrenz wächst, wenn Flaschen im Ring bereitgestellt werden“. Andere Kommunen hielten die Pfandringe für verletzungsgefährlich oder haben vermehrt „wilde Hausmüllablagerungen im Bereich der Abfallkörbe festgestellt“.

System funktioniert nicht überall

Tatsächlich funktioniert das Projekt nicht in jeder Stadt. Fakt ist aber auch, dass es in jeder Stadt, auch in Schwandorf, Menschen gibt, die sich mit dem Pfandgeld ein Zubrot verdienen, deren Not so groß ist, dass sie dafür im Müll wühlen. Und genau das will der Erfinder der Pfandringe verhindern, weil es „entwürdigend ist“, wie Paul Ketz nicht müde wird zu betonen. Er möchte aber auch dazu beitragen, dass mehr Müll recycelt und weniger Müll verbrannt wird.

Damit rennt der Initiator beim Schwandorfer Müllkraftwerk zumindest offene Türen ein. Verbandsdirektor Thomas Knoll hat schon vor einem Jahr bekräftigt, dass er „jede Maßnahme unterstützt, die zur Abfallvermeidung beiträgt“. Auch Knoll sieht es kritisch, dass Pfandflaschen und Dosen, die nicht recycelt werden, im Müllkraftwerk landen.

2015 waren die Meinungen zum Pfandflaschen-System bei den Sprechern der Stadtratsfraktionen weit auseinandergegangen. Sie reichten von Skepsis bis Ablehnung. Trotzdem waren sich im Vorfeld mit einer Ausnahme alle einig, dass die Stadt einen Testlauf starten sollte.

Nach Abwägung aller Pro und Kontra-Argumente anderer Städte hat sich die Stadt jetzt dazu entschlossen, eine Testphase durchzuführen „und die Ergebnisse speziell in unserem Stadtgebiet dann selbst zu beurteilen“.

Start mit fünf Pfandringen

Im Frühjahr ist es so weit. Die Stadt startet das Projekt mit fünf Pfandringe, wie Pressesprecher Lothar Mulzer mitteilt. Die Kosten für das Experiment halten sich im Rahmen. Für das Material hat die Stadt insgesamt rund 500 Euro veranschlagt. Dazu kommen noch die Personalkosten für die Montage durch die Bauhofmitarbeiter.

Die Pfandringe hat die Stadt laut Mulzer in der Farbe „kommunalorange“ bestellt, zum einen, weil sie damit „der Farbe der Kommunalfahrzeuge angeglichen sind“ und zum anderen, weil sie so „eigentlich nicht übersehen werden können“.

Die fünf Standorte in der Innenstadt hat die Verwaltung in Absprache mit den städtischen Bauhoftrupps und unter Einbeziehung von „deren Erfahrungen“ inzwischen festgelegt. Ausgesucht wurden „markante Stellen im Kernstadtbereich“, wo vermehrt Flaschen und Dosen anfallen, also im Stadtpark, am Marktplatz, am Bahnhofplatz, am Adolf-Kolping-Platz und am Buswartehäuschen an der Wackersdorfer Straße, auf Höhe der Agentur für Arbeit.

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Das Modell

  • Der Pfandring

    ist ein Zusatz für öffentliche Mülleimer, zum Abstellen und Wiedereinsammeln von Pfandflaschen.

  • Paul Ketz

    ist der Erfinder und Entwickler der Pfandringe. Zusammen mit Ulrike Kroppach arbeitet er daran, „die Ringe in die Welt zu bringen“.

  • Argumente für

    den Ring sind, dass Passanten ihr Leergut guten Gewissens abstellen können und Pfandsammler nicht in die Mülleimer greifen müssen, dass Flaschen und Dosen im Recyclingkreislauf bleiben, der CO2-Ausstoß reduziert wird, genauso wie der Reinigungsaufwand für die Stadt.

  • Der Pfandwert

    ist laut Ulrike Kroppach mittlerweile eine eigene Währung. „Weil Flaschen nicht aus den Mülleimern herausgeholt werden konnten oder kaputtgegangen sind, wurden im vergangenen Jahr rund 150 Millionen Euro an Pfandwert verbrannt“, sagt die Geschäftspartnerin von Ketz.

  • Das Armutsproblem

    lösen die Ringe nicht. Aber darum geht es Kroppach auch nicht. Er findet es „entwürdigend, wenn Menschen im Müll wühlen müssen. Das wollen wir verhindern.“

  • In rund 20 Städten

    gibt es bereits Pfandringe. Auch die Bahn hat schon erste Modelle an Bahnsteigen installiert.

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