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Stillere Tage in der Triumph-Halle

Nach der Abschottung der Balkan-Route kommen weniger Flüchtlinge an. Schwandorf ist für einen neuen Ansturm gerüstet.
Von Reinhold Willfurth

In der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schwandorfer Industriestraße ist es ruhiger geworden.
In der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schwandorfer Industriestraße ist es ruhiger geworden.Foto: Willfurth

Schwandorf.Notfallpläne, die aus der Schublade gezogen werden, weil nach dem Wochenende kurzfristig mehrere Busse angekündigt sind, die fieberhafte Suche nach einer Notunterkunft nach dem Rückzieher eines Vermieters, eine Schulturnhalle, die eilends zum Domizil auf Zeit für 200 Menschen umgebaut wird: Das alles ist nur ein paar Monate her – und nicht mehr zu vergleichen mit der aktuellen Situation. In der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schwandorfer Triumph-Halle ist es ruhig geworden, „sehr ruhig“, wie es ein Insider beschreibt. Ausgelegt ist die Unterkunft auf 350 Menschen. Bis zu 400 mussten dort schon untergebracht werden. Ende Februar 2016 lebten hier noch 280 Menschen. Am Dienstag waren es genau 188, wie Markus Roth, Sprecher der Oberpfälzer Bezirksregierung, auf Anfrage mitteilt. Tendenz: sinkend.

Nur Handvoll Neuankömmlinge

Die Abschottung der Balkanroute in den vergangenen Wochen hat den sogenannten Flüchtlingsstrom in ein Rinnsal verwandelt. In den ersten beiden Märzwochen haben nach Medienberichten gerade einmal rund 3000 Menschen Asyl beantragt – in ganz Deutschland. Davon müsste der Freistaat Bayern nach dem Verteilungsschlüssel 465 Menschen aufnehmen, die gesamte Oberpfalz 41. Da bleibt für den Landkreis Schwandorf rechnerisch nur mehr eine Handvoll Menschen übrig, die neu aufgenommen werden müssen.

Die neue Situation bietet professionellen wie freiwilligen Helfern Gelegenheit, sich um die Integration der im Landkreis lebenden Flüchtlinge mit „Bleibeperspektive“ zu kümmern. Zum Stichtag 7. März lebten laut Franz Pfeffer, dem stellvertretenden Sprecher des Landkreises, 1946 Menschen auf der Flucht in der Region – mit höchst unterschiedlichem Status, so Pfeffer. Viele warten auf die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über ihren Asylantrag, viele nehmen an Sprachkursen teil, manche haben sich auch zu einer Rückkehr in ihr Heimatland entschlossen. Der Landkreis habe seine Aufgabe bisher vorbildlich erfüllt, so Pfeffer. Bei den dezentralen Unterkünften liege man sogar über der Norm. Das bestätigt auch Regierungs-Sprecher Roth. Die drastisch reduzierten Flüchtlingszahlen spüre man derzeit noch kaum, sagt Pfeffer. Einige Mitarbeiter des Amts, die bisher in die Flüchtlingsbetreuung eingebunden waren, kehrten womöglich in ihr eigentliches Aufgabengebiet zurück. Aber von einer „grundlegenden Wende“ will Pfeffer noch nicht sprechen. Es sei auch nicht so, dass die vom Landratsamt auf drei Jahre angemieteten Unterkünfte leer stünden.

Auch die Fluktuation der Flüchtlinge hält sich in Grenzen. Das mag nach den Worten des Landkreissprechers damit zusammenhängen, dass im Landkreis überdurchschnittlich viele Familien untergebracht sind. Allein 400 schulpflichtige Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien gebe es. „In anderen Landkreisen gibt es bis zu 85 Prozent männliche Singles“, so Pfeffer. Vor allem diese Gruppe und die jungen unbegleiteten Flüchtlinge ziehe es in die Großstädte.

Erste Notunterkünfte geschlossen

Die momentane Situation erlaubt es laut Regierung, Notunterkünfte zu schließen, vor allem Sporthallen wie derzeit noch in Weiden und Wiesau. Ob weitere Unterkünfte geschlossen werden, könne man noch nicht sagen. „Das letzte Jahr hat bewiesen, dass Prognosen beim Thema Flüchtlinge sehr schwierig sind“, teilt Markus Roth mit. Wenn sich die jetzige Entwicklung als dauerhaft erweisen sollte, werde die Regierung aber daraus weitere Konsequenzen ziehen.

Aktuell sind laut Regierung in der Oberpfalz rund 13 000 Asylbewerber untergebracht, davon rund 2700 in Gemeinschaftsunterkünften, rund 7500 in dezentralen Unterkünften und rund 1800 in der Erstaufnahmeeinrichtung mit Notunterkünften wie in Schwandorf. Darüber hinaus sind rund 1000 unbegleitete minderjährige Asylbewerber in der Oberpfalz untergebracht.

Sollte es 2016 zu einem neuerlichen Flüchtlingsansturm kommen, ist der Landkreis Schwandorf nach den Worten von Franz Pfeffer „gut gerüstet“. Neben der Meiller-Halle steht immer noch ihr Vorgänger, die ehemalige Maschinenhalle in Wackersdorf, bereit, um eine solche Aufgabe zu meistern. Am 1. April nehmen außerdem vier Fachkräfte am Landratsamt ihre Aufgabe als Asylsozialberater(innen) auf. Der Landkreis Schwandorf ist seit diesem Jahr Modellregion für diesen Service des bayerischen Sozialministeriums.

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