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Energie

Strom soll zum Boden-Schatz werden

Landräte und Oberbürgermeister machen Druck für eine Erdverkabelung des Ostbayernrings. Technisch ist das möglich.
Von Reinhold Willfurth

In Kunststoffrohre verpackt, transportieren Erdkabel weitgehend unsichtbar Strom über weite Strecken.
In Kunststoffrohre verpackt, transportieren Erdkabel weitgehend unsichtbar Strom über weite Strecken.Foto: dpa

Schwandorf.Eine Region macht sich stark für die Erdverkabelung: Sämtliche Landkreise und kreisfreien Städte entlang des Ostbayernrings von Kronach in Oberfranken bis zum Endpunkt Schwandorf fordern, den Ersatzneubau der Hochspannungsleitung unter die Erde zu verlegen. Das soll zumindest für neuralgische Punkte wie Schwandorf gelten, wo die jetzige Leitung bis 70 Meter an die Wohnbebauung heranreiche, wie Landrat Thomas Ebeling und Oberbürgermeister Andreas Feller laut einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt ergänzen.

„Auch beim Ostbayernring muss eine Erdverkabelung möglich sein!“, heißt es in der Resolution der Landkreise Hof, Kronach, Kulmbach, Neustadt/Waldnaab, Schwandorf, Tirschenreuth und Wunsiedel sowie der Oberbürgermeister der Stadt Weiden und Schwandorf. Adressaten sind die Bundestagsabgeordneten der Region. Sie sollen sich für Änderungen am geplanten Energieleitungsausbaugesetz stark machen. Dort sind nach Aufassung der Politiker die Möglichkeiten für eine Erdverkabelung „nicht ausreichend weit gefasst“. Vor allem die geplante freie Hand der Bundesnetzagentur bei der Entscheidung über die Frage Freileitung oder Erdverkabelung stößt auf Widerstand. Die Forderung der Landräte und OBs: Eine Freileitung soll ohne die Zustimmung der Kommunen nicht mehr möglich sein. Nur so würden die Interessen der betroffenen Bürger ausreichend berücksichtigt. Dort, wo „erhöhtes Konfliktpotential“ bestehe, müsse auch bei HDÜ-Leitungen eine Erdverkabelung zulässig sein. HDÜ-Kabel wie die auf der Ostbayernring-Trasse transportieren Wechselstrom, im Gegensatz zu den geplanten Stromautobahnen, die Gleichstrom vom Norden in den Süden der Republik transportieren.

Das „Dialogmobil“ fährt vor

Wer sich vom „Dialogmobil“ des „Bürgerdialogs Stromnetz“, das heute vor der Stadtbücherei auf Besucher wartet, konkrete Planungen oder Antworten auf die Anliegen der Politiker erwartet, wird wohl enttäuscht werden. „Wir geben Informationen technischer Art und über das Verfahren und leiten Bürgerfragen weiter“, sagt Joachim Scheid vom Regensburger Büro des „Bürgerdialogs“, welches seit kurzem im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums den Prozess rund um den Bau der Stromautobahnen transparenter machen soll. Im „Dialogmobil“ sollen Bürger auch noch einmal über die Gründe informiert werden, warum nach dem Verzicht auf die Atomkraft Windstrom aus dem Norden in die bayerischen Industriezentren fließen muss. Zur Frage der Erdverkabelung äußern sich Joachim Scheid und sein Kollege Mikiya Heise von der Berliner Zentrale zurückhaltend. Nur so viel: Heise verweist auf die wesentlich höheren Kosten, Scheid auf die Wärmeentwicklung und den technischen Aufwand für den Bau der Leitungen. Aufwendig ist laut Heise auch der Bau von Umspannwerken beim Übergang von Freileitungen auf Erdverkabelung. Und außerdem: „Fragen Sie mal den Bauernverband, was der davon hält, wenn durch die Felder seiner Mitglieder Stromkabel verlegt werden“.

Stromautobahn durch Oberpfalz?

Unabhängig davon treibt Netzbetreiber Tennet das Raumordnungsverfahren für den Ersatzneubau des Ostbayernrings voran. Seit Anfang Dezember sollen laut der federführenden Regierung der Oberpfalz die Planunterlagen in den Rathäusern der betroffenen Gemeinden ausliegen. Der Sprecher der Regierung, Markus Roth, betont in einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung, dass noch keine Entscheidung über die Trassenführung der Gleichstromtrasse Nord/Süd gefallen sei. Zuviele Unwägbarkeiten wie etwa den Trassenendpunkt (Grundremmingen oder Landshut) müssten noch beseitigt werden. Gleichwohl könne die Oberpfalz als Standort für eine – gemäß Kabinettsbeschluss – unterirdische Stromautobahn in Frage kommen.

Auf den Fall, dass auch der Ostbayernring (teilweise) unter die Erde kommen wird, ist die Regierung vorbereitet: Dann, so Markus Roth, „würde diese Option für die fraglichen Räume in die Antragsunterlagen nachträglich eingearbeitet und ein ergänzendes Anhörungsverfahren durchgeführt werden“. Die Detailplanung für den Ostbayernring habe bei anstehenden Genehmigungsverfahren Vorrang.

Erdverkabelung? „Kein Problem“

Den technischen und finanziellen Problemen zum Trotz ist die Erdverkabelung auch für eine Wechselstrom-Hochspannungsleitung wie den Ostbayernring keine Utopie. MdB Karl Holmeier (CSU) hat bei einer Expertenanhörung im Bundestag mit Interesse dem Vortrag von Lex Hartmann gelauscht. Der Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet habe den versammelten Abgeordneten versichert, dass es für sein Unternehmen kein Problem darstelle, Teile des Ostbayernrings mit einem Erdkabel zu versehen. Der Tennet-Chef sei sogar noch weiter gegangen: Die Erdverkabelung von Wechelstromleitungen sei „sehr gut für den Leitungsausbau in ganz Deutschland“.

Umso unverständlicher war es für Holmeier, warum der Ostbayernring im Entwurf des Bundesbedarfsplangesetzes nicht als Pilotprojekt für eine Erdverkabelung aufgeführt werde. Der CSU-Abgeordnete hat da einen Verdacht: In den Genuss der Pilotprojekte würden nur Freilandleitungen aus dem Norden Deutschlands kommen. Dort, wo die Wahlkreise der Politiker lägen, in deren Verantwortung die Entscheidung gefallen sei.

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Infos und Bürgerbeteiligung

  • Information:

    Der Bürgerdialog Stromnetz ist eine „Initiative für einen offenen und transparenten Austausch aller. Interessierten rund um den Stromnetzausbau in Deutschland“. Das Infoportal wird vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert. Das Büro in Regensburg (Tel. 09 41 / 59 93 65 37) des Bürgerdialogs informiert „unabhängig“, etwa über Planungsstand und Fortschritte einzelner Netzvorhaben. Außerdem wird gezeigt, wie sich Bürgerinnen und Bürger in die Debatte einbringen können.

  • Verfahren:

    Die Planungsunterlagen für den Ostbayernring liegen seit Anfang Dezember etwa einen Monat lang in den betroffenen Gemeinden aus. Die Unterlagen stehen auch im Internet unter www.regierung.oberpfalz.bayern.de/leistungen/landesplanung/recht/ rov/rov.htm . Die beteiligten Behörden, Verbände, Organisationen, Städte und Gemeinden sowie die Öffentlichkeit können sich bis zum 29. Januar 2016 zu dem Vorhaben äußern. Das Raumordnungsverfahren beschränkt sich vorläufig ausschließlich auf den Freileitungsbau. (fu)

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