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Ratgeber

Tipps zum Schutz gegen Online-Betrüger

Auch Schwandorfer werden Opfer von Cyber-Kriminellen. Die Polizei gibt Rat, wie sich Nutzer am besten verhalten sollten.
Von Johannes Hartl

Die Liste der Maschen, mit denen Kriminelle im Internet agieren, ist fast endlos, wie die Polizei weiß. Foto: Hildenbrand/dpa
Die Liste der Maschen, mit denen Kriminelle im Internet agieren, ist fast endlos, wie die Polizei weiß. Foto: Hildenbrand/dpa

Schwandorf.Die Überraschung dürfte einer 78-jährigen aus dem Raum Schwandorf ins Gesicht gestanden haben, als sie kürzlich eine Rechnung in Höhe von 170 Euro erhielt. Für diese Summe, so berichtet es die Polizei, habe ihr Ehepartner angeblich bei einer Verkaufsplattform im Internet bestellt. Doch der vermeintliche Einkäufer ist bereits vor fast zehn Jahren verstorben.

In Wahrheit steckten unbekannte Täter dahinter, die seine Identität auf besonders perfide Weise missbräuchlich verwendeten, um sich selbst zu bereichern. Es war einer von insgesamt drei ähnlich gelagerten Online-Betrügereien, über die die Polizeiinspektion Schwandorf Anfang Juni die Öffentlichkeit informierte. Denn die Zahl derartiger Fälle, in denen das Internet als Tatwerkzeug für Betrugsdelikte dient, nimmt allgemein zu.

Die Zahl der Straftaten im Bereich der Cyberkriminalität steigt

Sandra Mallmann Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz
Sandra Mallmann Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz

Wie viele Fälle es in der Region gibt, kann zwar niemand genau sagen. Die Erfassung ist komplex, konkrete Daten sind schwierig zu ermitteln. Doch ein Blick in die bayernweite Statistik, die für die vergangenen drei Jahre alle Fälle aus dem Bereich Cyberkriminalität erfasst, zeigt eine grobe Tendenz nach oben: Während 2016 noch 24 817 entsprechende Delikte begangen wurden, waren es 2018 bereits 26 437 Straftaten – das ist ein Plus von 6,3 Prozent. Allein der Beute- und Vermögensschaden lag demnach 2018 bei 22,6 Millionen Euro, teilt Sandra Mallmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz auf Anfrage mit.

Viele Opfer, die zum Ziel von Online-Betrügereien werden, haben deshalb das Gefühl, den anonymen Tätern machtlos ausgeliefert zu sein. Und tatsächlich: Die Liste der Maschen, mit denen Kriminelle im Internet agieren, ist fast endlos. Das Spektrum reicht von Waren(kredit)betrug, bei dem der Käufer nach Bezahlung einfach keine Lieferung erhält, bis zum gefürchteten Identitätsdiebstahl. Dabei treten die Täter sogar unter den Personalien eines realen Nutzers auf oder erstellen einen falschen Account auf dessen Namen, um so Einkäufe zu tätigen.

Menschen

Hauptkommissar Bruckner nimmt seinen Hut

Das Urgestein der Polizei Schwandorf geht in den Ruhestand. Der 61-Jährige hat während seiner Karriere viele Einsätze erlebt.

Dennoch gibt es durchaus Strategien, wie man sich im Cyberspace gegen Kriminelle wappnen kann. Besondere technische Kenntnisse braucht es dafür nicht. Im Gegenteil, meist reichen schon kleinere Maßnahmen und eine gesunde Portion Skepsis aus. Konkret heißt das: Wer sich im Internet bewegt, sollte mit seinen Daten möglichst vorsichtig und zurückhaltend umgehen, also insbesondere seine Zugangsdaten geheim halten. „Geben Sie immer nur so viel von sich preis, wie unbedingt nötig ist“, lautet auch Mallmanns wichtigster Rat.

Größte Vorsicht ist für die Kriminalhauptkommissarin immer dann geboten, wenn Nutzer via Mail aufgefordert werden, persönliche Daten zu offenbaren oder auf einen Link zu klicken. Bei dieser Methode, die als „Phishing“ bekannt ist, tarnen sich Kriminelle zum Beispiel als Bank. Die Mails sehen oft täuschend echt aus, sogar die Absenderadressen werden nachgeahmt. Doch reale Kreditinstitute, warnt Mallmann, würden nie per Mail die Zugangsdaten ihrer Kunden abfragen. Wer solche Nachrichten erhält, sollte diese unbedingt ignorieren.

Expertentipps

  • Online-Banking:

    Wer online Bankgeschäfte erledigt, sollte die Internetadresse per Hand in den Browser eingeben und sie nicht in den Verlauf übernehmen. Auch fremde oder öffentliche Hotspots sollte man dafür nicht nutzen, sagt Sandra Mallmann (Foto: Polizeipräsidium ) von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

  • System:

    Um sich gegen Ransomware zu schützen, sollten Nutzer das Betriebssystem regelmäßig aktualisieren und ein aktuelles Virenschutzprogramm installieren. Vorsicht ist bei Programmdateien geboten, die auf „exe“, „bat“, „com“ oder „vbs“ enden. (sjh)

Beim Online-Shopping, das längst zum Alltag gehört, ist ebenfalls eine gewisse Skepsis gefragt. Es sei sinnvoll, stets auf versteckte Zusatzkosten zu achten und nur „sichere Zahlungsarten“ zu verwenden – etwa per Rechnung oder Nachname. Auf den Seiten selbst sollten wiederum bevorzugt verschlüsselte Verbindungen genutzt werden. Diese sind auf zweierlei Weise zu erkennen: Entweder durch die Buchstabenkombination „https: //“ vor der Domain oder durch ein Schlosssymbol, das in der Adresszeile des Browsers angezeigt wird.

Auch bei Passwörtern rät die Polizei zur Vorsicht. Vor allem Internetnutzer, die Konten bei mehreren Plattformen unterhalten, sollten niemals für alle Seiten dasselbe Passwort verwenden. Denn wenn Kriminelle einen Account übernommen haben, könnten sie dann mühelos auf weitere zugreifen. Ebenso sollte auf das Speichern von Kennwörtern oder auf das Weiterleiten per Mail besser verzichtet werden, erklärt Mallmann.

Passwörter und Zugangsdaten bei Datenmissbrauch unbedingt ändern

Wenn die Betrüger bereits zugeschlagen haben, bleibt dagegen bloß noch der Weg zur nächsten Polizeidienststelle. Eine Anzeige zu erstatten, ist für Geschädigte dann die beste Lösung. Zudem dürften sie keinesfalls auf die Forderungen eingehen, etwa im Fall sogenannter Ransomware. Darunter verstehen Experten eine Masche, bei der gezielt Schadsoftware aufgespielt wird, die Teile des Computers sperrt oder diesen gleich vollständig unbrauchbar macht. Von den Nutzern soll so eine Geldzahlung erpresst werden. Doch egal welche Betrugsmasche zur Anwendung kommt: Besonders wichtig ist in allen Fällen, dass Nutzer gegebenenfalls ihren Account sperren lassen und/oder die Zugangsdaten ändern.

Ob die Täter letztlich ermittelt werden können, hängt vom Einzelfall ab. Fest steht aber: Die Anonymität des Internets macht es den Ermittlern nicht gerade leichter – zumal wenn sich die Täter darauf verstehen, ihre Spuren zu verwischen. Oft lassen sich vielleicht noch die ersten Schritte nachvollziehen, dann aber verliert sich die Spur in den Weiten des Netzes. Denn so vorteilhaft und segensreich die grenzenlose Kommunikation für normale Nutzer ist, so groß sind leider auch die Möglichkeiten für Kriminelle.

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