MyMz
Anzeige

Unterricht als Herzensangelegenheit

Daniela Ertl bringt 15 Schülern aus acht verschiedenen Nationen die deutsche Sprache näher – mit viel Geduld und Liebe.
Von Elisabeth Hirzinger

Schwandorf.280 Flüchtlinge und Kinder mit Migrationshintergrund werden inzwischen in elf Übergangsklassen, verteilt auf zehn Schulstandorte im Landkreis unterrichtet. Tendenz steigend. Es sind Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Sprachen, die im Idealfall, wie ihn das Kulturministerium auf seiner Homepage darstellt, „den Unterricht bereichern und den Schulalltag beleben.“

Soweit die Theorie. Aber wie sieht die Realität aus? Wie meistern die Lehrer die Herausforderungen? Wie gelingt die Integration? „Ganz einfach“, sagt die Mittelschullehrerin Daniela Ertl, die seit März 2014 in der Übergangsklasse „7 bis 9“ an der Kreuzbergschule 15 Schüler mit ausländischen Wurzeln unterrichtet. Für sie ist das eine „Herzenssache“. Daniela Ertl nimmt ihre Schützlinge an, so wie sie sind, bemüht sich, ihre Kulturen kennenzulernen und erwartet aber auch, dass die Schüler ihre Kultur akzeptieren.

Eine Unterrichtsstunde in einer Übergangsklasse

Ob das funktioniert? „Bei mir funktioniert das gut“, sagt die Lehrerin. Es ist es mucksmäuschenstill, als die Reporterin in Begleitung der Schulrätin und des Schulleiters die „Ü 7 bis 9“ betritt. Daniela Ertl lacht. „Normalerweise ist es hier nicht so still“, erklärt sie den Gästen.

Die Schüler der Übergangsklasse sind nämlich, wie alle anderen an der Schule auch, „vor allem laut“. Aber das kann ihre Lehrerin, eine Frau, die es geschafft hat, innerhalb von einer Woche einen Unterrichtsplan speziell für Schüler ohne Deutschkenntnisse zu erarbeiten, nicht erschüttern.

Daniela Ertl ist der ruhende Pol in der Klasse. Sie ist für die durchweg emotional stark belasteten Kinder und Jugendlichen eine wichtige Bezugsperson. Die engagierte Mittelschullehrerin arbeitet mit Bildern und Wortschatzkarten. Timea zeigt auf ein Auge. „Der Auge“ sagt sie stolz und wartet auf das Feedback der Lehrerin. Daniela Ertl wiegt den Kopf. Timea probiert es mit „die Auge“. „Macht nix“, tröstet sie ihre Lehrerin. Sie will, dass sich die Schüler trauen, was zu sagen. Und wenn es falsch ist, ist das nicht schlimm.

„Machst Du bitte weiter, Gündus“. Die Schüler fordern sich gegenseitig zum Mitmachen auf, bestimmt, aber höflich, so wie es die Klassenregeln verlangen. Sie hängen, auf Karton geschrieben, im Raum. „Wir lassen einander ausreden und hören zu, wir helfen uns, wir schlägern uns nicht ...“, steht da plakativ.

Die Lehrerin teilt Arbeitsblätter aus mit unterschiedlichen Anforderungen, je nach Wissensstand. Fatima, das stille Mädchen in der ersten Reihe, ist als erste fertig. Sie ist erst im September nach Deutschland gekommen und „sehr fleißig“. Genauso wie ihre Banknachbarin aus Kroatien, die perfekt Englisch spricht. „Wahnsinn“, sagt Daniela Ertl und seufzt. Irgendwann wird Lucia sicher an eine weiterführende Schule wechseln.

Die Statistik des Schulamts

  • Schüler:

    Im Landkreis Schwandorf wurden im Oktober 2015 insgesamt 280 Schüler in sogenannten Übergangsklassen unterrichtet.

  • Übergangsklassen:

    Elf Ü-Klassen gibt es an den Grund- und Mittelschulen: an der Kreuzbergschule, in Neunburg v. Wald, in Oberviechtach, in Pfreimd, in Nittenau und in Teublitz.

  • Regelklassen:

    In Neunburg vorm Wald, Nittenau, Bodenwöhr, in Bruck, Burglengenfeld, Teublitz, in Wackersdorf, in Schwandorf an der Kreuzbergschule, in Fronberg und an der Lindenschule werden außerdem 122 Kinder mit Migrationshintergrund und Flüchtlingskinder in Regelklassen unterrichtet.

  • Die Nationalitäten:

    Syrien, Polen, Weißrussland, Ukraine, Bosnien, Serbien, Irak, Mazedonien, Weißrussland, Bulgarien, Vietnam, Kosovo, Georgien, Irak, Litauen, Albanien, Ungarn und Kroatien.

  • Einschätzung des Schulamts:

    „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Schulrätin Renate Vettori.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht