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Von der Medizinstudentin zur Künstlerin

Auf verschlungenen Wegen zum Traumberuf: Nicole Matschiner eröffnet am 13. Mai ihre neue Ausstellung in Schwandorf.
Von Cornelia Lorenz

Die Künstlerin Nicole Matschiner fühlt sich in ihrer Heimatstadt Schwandorf sehr wohl.
Die Künstlerin Nicole Matschiner fühlt sich in ihrer Heimatstadt Schwandorf sehr wohl. Foto: Karin Wagner

Schwandorf.Man muss nicht unbedingt den geradlinigsten Weg durchs Leben nehmen, um ans Ziel zu kommen. Nicole Matschiner hat große Haken geschlagen, bevor sie den Mut fand, das zu tun, was sie wirklich glücklich macht: Die 38-jährige Schwandorferin ließ vor rund zehn Jahren ihr Medizinstudium sausen und machte am Ende trotz vieler Bedenken die Kunst zu ihrem Beruf – eine Entscheidung, die sie nie bereut hat. Am 13. Mai eröffnet Matschiner in der Bahnhofstraße 11 ihre Ausstellung mit dem Titel „Into The Great Wide Open“.

Dass sie ihre Bilder im ehemaligen Jack-Wolfskin-Laden präsentieren kann, ist eigentlich dem Zufall geschuldet: Als Matschiner kürzlich in der Schwandorfer Innenstadt unterwegs war, fiel ihr das leer stehende Geschäft auf. Der Kontakt zum Vermieter war schnell hergestellt und auch der Mietvertrag für zwei Wochen wurde unkompliziert unter Dach und Fach gebracht.

Jetzt, in der heißen Phase vor der Vernissage, gibt es für Matschiner naturgemäß viel zu tun. Rund 25 Acrylbilder und Collagen will sie ausstellen – unter anderem eine Bilderserie, die Vögel in abstrakten Käfigen zeigt. Ein mit einem Graffiti-Herz verzierter Stromverteilerkasten inspirierte sie zu einer weiteren Bilderserie. Man darf also sehr gespannt sein, was sich dahinter verbirgt, denn einige der Ausstellungsstücke sind noch in Arbeit. „Das geht bis zur letzten Minute“, sagt Matschiner und lacht.

Im Kreuzbergviertel daheim

Stressen lässt sich die 38-Jährige von den Vorbereitungen zur Vernissage nicht. Ihr Leben ist zurzeit ohnehin recht unruhig. Erst im November ist sie nach einigen Jahren, in denen sie der Liebe wegen überwiegend in Schweden lebte, in ihre Heimatstadt Schwandorf zurückgekehrt, wo sie im Kreuzbergviertel aufwuchs. Matschiner genießt es, wieder zuhause zu sein. „Ich weiß die Heimat jetzt mehr zu schätzen. Man hat hier kurze Wege, und von den Menschen kriegt man oft ein Lächeln zurück“, sagt sie.

„Ich weiß die Heimat jetzt mehr zu schätzen. Man hat hier kurze Wege, und von den Menschen kriegt man oft ein Lächeln zurück.“

Künstlerin Nicole Matschiner

Das trägt dazu bei, dass sich Matschiner in der Schwandorf so wohlfühlt. Dass früher irgendetwas mit ihrer Berufswahl nicht stimmte und sie deshalb nicht mit sich im Reinen war, merkte sie schon bald nach ihrem Abitur am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium. Ihr Kunstlehrer hatte ihr Talent erkannt und ihr vorgeschlagen, selbst Kunstlehrerin zu werden. Das kam für Matschiner nie in Frage. „Ich will Kinder einfach nicht bewerten“, sagt sie. Aus Vernunftgründen, wie sie heute sagt, entschied sie sich deshalb für ein Medizinstudium in Regensburg, stieg nach einigen Semestern auf Zahnmedizin um – Onkel, Großvater und Urgroßmutter waren schließlich auch schon Zahnärzte gewesen.

Verzicht auf Sicherheit

Doch Matschiner war damit einfach nicht glücklich. „Mir gefiel zwar der Umgang mit den Patienten. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, diese Arbeit für den Rest meines Lebens zu machen“, sagt sie. So schwenkte sie um, warf ihr Studium und die Sicherheit eines festen monatlichen Einkommens über Bord – und verschrieb sich ganz der Kunst.

„Eigentlich bin ich eher ein schüchterner, introvertierter Mensch.“

Künstlerin Nicole Matschiner

Das ist am Ende kein Wunder, denn schon als kleines Mädchen bemalte Matschiner alles, was sie finden konnte: Die Tapeten im Elternhaus zum Beispiel verzierte sie gern mit Prinzessinnen und Blümchen, was ihre Familie zum Glück mit Humor nahm. Dass ein besonderes Talent in ihr schlummert, war jedoch spätestens im Kunst-Leistungskurs am CFG klar, wo sie regelmäßig Top-Bewertungen kassierte. Nach dem abgebrochenen Zahnmedizin-Studium, mit Ende 20, überlegte Matschiner deshalb auch ernsthaft, ein Kunststudium zu beginnen, bewarb sich und wurde auch zu Eignungstests eingeladen. „Die Casting-Regeln waren undurchsichtig – und oft bekam ich am Ende zu hören, dass ich schon zu alt sei“, erinnert sie sich.

Dass man aufgrund seines Talents auch ohne Kunststudium Erfolg haben kann, hat Matschiner längst bewiesen: In Stockholm zum Beispiel waren ihre Bilder bei zwei größeren Ausstellungen zu sehen – was recht ungewöhnlich ist, da es ausländische Künstler sehr schwer haben, in der Szene einen Platz zu finden. Ihr Geld verdient die Schwandorferin längst auch mit Auftragsarbeiten und malt zum Beispiel auf Bestellung Porträts von Menschen oder auf Kundenwunsch auch abstrakte Bilder.

Anderen Menschen helfen

Weil sie im Grunde ihres Herzens Sicherheit braucht und auch gern mit Menschen zusammenarbeitet, hat sie kürzlich in München eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin begonnen. So kann sie später einmal Menschen helfen, die sich schwer tun, mit Worten ihre Gefühle auszudrücken – zum Beispiel Missbrauchsopfer, psychisch Kranke oder Menschen mit Burnout-Syndrom.

Bis es so weit ist, will Matschiner auf jeden Fall in Schwandorf wohnen bleiben. Sie kann sich gut vorstellen, weitere Ausstellungen in der Innenstadt zu organisieren. „Es gibt ja so viele Leerstände in der Stadt“, bedauert sie. Wer weiß, vielleicht lässt sich ja auch ein Gemeinschaftsprojekt mit anderen Künstlern aus der Region auf die Beine stellen? Matschiner ist für solche Projekte offen – auch wenn sie selbst gar nicht so gern im Mittelpunkt steht. „Eigentlich bin ich eher ein schüchterner, introvertierter Mensch“, sagt sie über sich selbst. Beim Malen ist das ganz anders: Auf der Leinwand lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf. „Ich will mit meinen Bildern Geschichten erzählen und dem Betrachter viel Freiraum lassen.“

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Die Ausstellung

  • Termin:

    Die neue Ausstellung der Schwandorfer Künstlerin Nicole Matschiner trägt den Titel „Into the Great Wide Open – and other stories“. Die Vernissage findet am Freitag, 13. Mai, in der Bahnhofstraße 11 (ehemaliger Jack-Wolfskin-Laden) statt. Beginn ist um 18 Uhr, die Veranstaltung dauert bis 21 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 22. Mai. Kunstinteressierte können die Bilder täglich von 11 bis 19 Uhr besichtigen. Nicole Matschiner freut sich auf viele Besucher und steht für Gespräche und Auskünfte zur Verfügung.

  • Eindrücke:

    Zu sehen gibt es voraussichtlich rund 25 Bilder in Acryl sowie Collagen. Wer sich vorab einen ersten Eindruck von ihren bisherigen Arbeiten verschaffen will, kann Matschiners Homepage im Internet besuchen. Die Adresse lautet www.nicolematschiner.com .

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