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Wegweiser für den neuen Alltag

Der Landkreis Schwandorf steigt als Modell-Kommune mit fünf zusätzlichen Mitarbeitern in die Asylsozialberatung ein.
Von Cornelia Lorenz

Die Flüchtlinge, die im Landkreis dezentral untergebracht sind, können sich seit 1. April an fünf neue Mitarbeiter des Landkreises wenden. Diese beraten sie bei vielen Problemen, die im Alltag in einem neuen Land auftreten.
Die Flüchtlinge, die im Landkreis dezentral untergebracht sind, können sich seit 1. April an fünf neue Mitarbeiter des Landkreises wenden. Diese beraten sie bei vielen Problemen, die im Alltag in einem neuen Land auftreten.Foto: dpa

Schwandorf.Der Alltag in Deutschland stellt Asylbewerber immer wieder vor Fragen, mit denen sie ohne fremde Hilfe überfordert wären. Damit sichergestellt ist, dass sie die nötige Unterstützung bekommen, ist der Landkreis als eine von sieben Modell-Kommunen im Freistaat am 1. April mit fünf neuen Mitarbeitern in die Asylsozialberatung eingestiegen. „Wir sind sehr dankbar, dass wir für dieses Projekt auserkoren worden sind“, sagt Landrat Thomas Ebeling.

Im September 2015 war ein Schreiben von Sozialministerin Emilia Müller im Landratsamt eingegangen. Der Inhalt war erfreulich: Auf Vorschlag des Bayerischen Landkreistages hatte das Ministerium den Landkreis Schwandorf ausgewählt, sich an einem Modellversuch zu beteiligen – so wie auch die Landeshauptstadt München, die Stadt Ingolstadt sowie die Landkreise Mühldorf am Inn, Lindau, Roth und Pfaffenhofen.

Geld kommt vom Freistaat

Das Ziel des Projekts, das zunächst bis 31. Dezember 2016 läuft, ist dabei klar umrissen: Der Landkreis Schwandorf soll künftig die Wohlfahrtsverbände wie die Caritas in der Beratung von Asylbewerbern nicht nur unterstützen, sondern selbst aktiv werden. Ganz konkret heißt das: Für die landkreiseigene Asylsozialberatung sind fünf Mitarbeiter neu eingestellt worden. Das bayerische Sozialministerium fördert die Modellkommunen dabei mit 80 Prozent der Personalkostenpauschale, was effektiv einem Zuschuss von 60 bis 65 Prozent entspricht. Sach- und Schulungskosten trägt der Landkreis. Heuer will der Freistaat insgesamt 11,3 Millionen Euro für die sozialpädagogische Betreuung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen.

„Wir sind sehr dankbar, dass wir für dieses Projekt auserkoren worden sind.“

Landrat Thomas Ebeling

Dass das Geld des Freistaats im Landkreis Schwandorf gebraucht wird, darüber besteht kein Zweifel. Der Caritas-Kreisverband hatte sich bislang vornehmlich auf die Betreuung von Flüchtlingen in den Gemeinschaftsunterkünften Koppenlohe, Neunburg, Pfreimd und Dachelhofen konzentriert, um überhaupt über die Runden zu kommen. Die Beratung der dezentral untergebrachten Asylbewerber war bislang überwiegend in der Hand von ehrenamtlichen Helfern gelegen.

Ansprechpartner für alle Fragen

Dank des großen Engagements hatte das System zwar relativ gut funktioniert, doch die fünf neuen Mitarbeiter wurden dennoch sehnlichst erwartet. Sie sollen künftig dabei helfen, dass Leistungsempfänger nach dem Asylbewerberleistungsgesetz ein menschenwürdiges und selbstverantwortliches Leben in Deutschland führen können. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie sich an einen Ansprechpartner wenden können, wenn sie Fragen zum Leben in ihrer neuen Umgebung haben. Viele tun sich zum Beispiel schwer, weil sie ihre Rechte und Pflichten während des Asylverfahrens nicht kennen, aufgrund von Sprachbarrieren Bescheide nicht verstehen oder Hilfe bei der Zusammenstellung der nötigen Unterlagen brauchen.

Die fünf neuen Berater werden auch mit besonders schutzbedürftigen Personen konfrontiert werden, zum Beispiel alleinerziehenden Müttern, hochschwangeren Frauen, älteren hilfsbedürftigen Menschen oder alleinstehenden Jugendlichen. Dazu kommt noch die Tatsache, dass sich manche Ratsuchende gerade in einer schweren Krise befinden, zum Beispiel psychisch schwer belastet sind oder Suizidgedanken haben. Auch chronisch kranke, traumatisierte und behinderte Menschen unter den Asylbewerbern haben einen erhöhten Beratungsbedarf in Sachen Alltagsbewältigung.

Lebensperspektive finden

Auch wenn es in einer Unterkunft zu Streitigkeiten zwischen Bewohnern oder mit Nachbarn oder Eigentümern zu Konflikten kommt, sind die Asylsozialberater des Landkreises die richtigen Ansprechpartner für die Betroffenen. Sie können als Vermittler auftreten. Darüber hinaus sollen sie die Hilfesuchenden dabei unterstützen, neue Lebensperspektiven für die Zeit ihres Aufenthalts in Deutschland oder für die Zeit nach ihrer Rückkehr ins Heimatland zu finden.

In jeder Landkreisgemeinde werden ab sofort regelmäßig Sprechstunden in den Rathäusern abgehalten. Telefonisch sind die Asylsozialberater im Landratsamt (Untergeschoss, Zimmer U 28) unter Tel. (0 94 31) 47 13 97 oder 47 14 78 erreichbar.

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