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Gesundheit

Weichen stellen für den Lärmschutz

Die Klardorfer fühlen sich durch den Ausbau der Bahntrasse vom Zugverkehr überrollt. In einem Punkt gibt es aber Hoffnung.
Von Reinhold Willfurth

  • Die Gegenwart: Schon jetzt schließen sich die Schranken in Klardorf in Stoßzeiten im Minutentakt. OB Andreas Feller (links) und Vertreter der Bahn suchten bei einem Ortstermin Abhilfe.Foto: Willfurth
  • Die Zukunft: Sollte die Bahnstrecke wie zu erwarten ausgebaut werden, rollen täglich bis zu 80 Güterzüge durch das Naabtal.Foto: dpa

Schwandorf. Die Verständigung ist nicht immer einfach. Das liegt aber nicht an den Beteiligten, sondern am Verkehr: Fast im Minutentakt senkt sich die Schranke am Bahnübergang in Klardorf, um Platz zu machen für Alex-Fernzüge oder Triebwagen der Oberpfalzbahn. Fast wie bestellt rattert sogar noch ein Kohlenzug, gezogen von einer lärmenden russischen „Ludmilla“, durch, bevor die wartenden Schwerlast-Lkw und Traktoren kaum weniger lautstark den Bahnübergang passieren können.

Als ob es noch zusätzliche Argumente für die Nöte der Anwohner gebraucht hätte. Die Klardorfer stehen stellvertretend für einige tausend Bürger entlang der Bahnstrecke Regensburg-Hof, denen der seit Jahrzehnten von einer ganzen Region ersehnte Ausbau Angst macht – Angst vor noch mehr Bahnverkehr, Angst vor dem Lärm von 80 bis 120 Güterzügen täglich, und im Fall Klardorf: Angst vor einem geteilten Dorf. Denn die Bahnlinie verläuft mitten durch den Schwandorfer Stadtteil, und schon jetzt klagen die Bewohner, dass zu manchen Zeiten kaum mehr ein Durchkommen sei.

„Mehr Verkehr, aber weniger Lärm“

MdB Karl Holmeier (CSU), der zum Pressegespräch vor Ort eingeladen hat, will den Anwohnern ihre Angst nehmen. „Es wird mehr Verkehr geben“, räumt Holmeier ein. „Aber es wird leiser werden“. Das scheinbare Paradox löst der verkehrspolitische Sprecher der CSU im Bundestag so auf: Zunächst sollen bis 2020 zwingend „Flüsterbremsen“ die alten Graugussbremsen auf den Güterwaggons ablösen, die durch Deutschland rollen. Bis elektrisch betriebene Güterzüge von den deutschen Nord- und Ostseehäfen via Naabtal in Richtung Südosteuropa fahren, müssten sie nach Holmeiers Rechnung also bereits viel leiser fahren als heute. Eine Anwohnerin, die während des Gesprächs bis zu 94 Dezibel Lärm gemessen hat, hört dies mit Interesse.

Noch viel wichtiger ist aber die Frage, ob der Ausbau der Bahnstrecke einen „erheblichen Eingriff“ bedeutet. Nur dann ist eine sogenannte Lärmsanierung vorgesehen, also Lärmschutzmaßnahmen, wie sei bei einem Neubau einer Bahnstrecke vorgeschrieben sind. Das würde einen „maximalen Lärmschutz“ bedeuten, wie sie auch der anwesende CSU-Ortsvorsitzende von Klardorf, Thomas Schmidt, fordert.

Auch für dieses Anliegen hat Karl Holmeier ermutigende Nachrichten aus Berlin dabei. Der Bundestag hat nämlich Ende Januar mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD unter anderem beschlossen, bei der Realisierung von Gütertrassen im Rahmen der Verkehrskorridore des Transeuropäischen Güternetzes (TEN) Ausbau- und Neubaustrecken gleichzustellen. Die Strecke Regensburg-Hof gilt als sicherer Anwärter für eine solche europäische Schienenverkehrsader.

Vorbild: Bürgerbeteiligung Rheintal

Dafür haben Bürgerinitiativen im Südwesten Deutschlands Vorarbeit geleistet. Aus dem Beschluss von Union und SPD geht hervor, dass ein Projektbeirat, bestehend aus Vertretern von BIs, Politik und Bahn beim Ausbau der besonders belasteten Rheintalbahn bestens in Sachen Lärmschutz zusammengearbeitet haben.

Die erfolgreiche Kooperation könnte eine Steilvorlage für die bereits gegründeten Oberpfälzer Bürgerinitiativen gegen Bahnlärm werden (z. B. das „Forum Bahnlärm e. V.“). Bei der Bahn liefen sie damit offene Türen ein, wie Thomas Engel, Leiter des Regionalnetzes Bayern der Deutschen Bahn, beim Ortstermin in Klardorf andeutete. Engel wünscht sich frühzeitig einen Dialog mit den Betroffenen, um Maßnahmen rechtzeitig planen zu können. Von der MZ nach seiner persönlichen Meinung befragt, schlägt sich der Bahnmanager klar auf die Seite der Anwohner. „Für mich ist der Ausbau ein erheblicher Eingriff“. Er müsse sich aber an das Urteil des Eisenbahnbundesamts halten, welches das letzte Wort in Sachen Lärmsanierung habe.

Als vorläufigen Zeitplan für die Elektrifizierung nannte Engel die Jahre 2016 bis 2018 als Startperiode für die (Vor-) Planungen. Dabei würden auch Bürger beteiligt. Eine Sorge treibt dabei Karl Holmeier noch um: Er bittet die Anwohner und ihre Vertreter, „nicht nur ablehnende Stellungnahmen“ abzugeben. Schließlich gilt die Ertüchtigung der Bahnstrecke als Wunschtraum einer ganzen Region, dessen Erfüllung nun in greifbare Nähe gerückt ist.

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Schrankenproblem ungelöst

  • Optionen:

    Kritisch sehen Anwohner wie Bernhard Mayer, dessen Haus knapp 20 Meter von der Bahnlinie entfernt steht, nach wie vor die Wartezeiten vor der Bahnschranke. Schon jetzt sei die Schranke „gefühlt immer zu“, so Mayer. OB Andreas Feller zeigte Verständnis für die Ängste der Klardorfer vor einer Spaltung des Dorfes bei erhöhtem Zugaufkommen, konnte aber vorläufig keine Lösung anbieten. Eine Unterführung oder eine Verlegung der Strecke schloss Bahn-Sprecher Thomas Engel aus Kostengründen aus. Die Möglichkeit einer Überführung müsse man noch untersuchen.

  • Drehbuch:

    Der Bundesverkehrswegeplan ist das entscheidende Drehbuch für die Entwicklung des Straßen- und Schienenverkehrs in Deutschland. Chancen auf baldige Realisierung haben nur Projekte mit dem Siegel „Vordringlicher Bedarf“. (fu)

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