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Architektourbus

Zwerge bringen Leben in das neue Zentrum

Für die neue Schwandorfer Kinderkrippe im Herzen der Stadt wuchsen Alt und Neu zu einer gelungenen Einheit zusammen.
Von Petra Beer-Dausch

Stadtzwerge – welch passender Name für die neue Kinderkrippe direkt im Herzen Schwandorfs. Das sanierte Mesnerhaus und der neu hinzugefügte Ersatzbau für das Otthau sind neben Rathaus und Stadtpfarrkirche St. Jakob, im historischen Pfleghofviertel gelegen.

Schwandorf.Stadtzwerge – welch passender Name für die neue Kinderkrippe direkt im Herzen Schwandorfs. Neben Rathaus und Stadtpfarrkirche St. Jakob, im historischen Pfleghofviertel gelegen. Der Name stellt für Architekt Karlheinz Beer nicht nur den Bezug zu den Nutzern, also den kleinsten Schwandorfern, her, sondern auch zu den Gebäuden, in denen die Krippe untergebracht ist: Das sanierte Mesnerhaus und der neu hinzugefügte Ersatzbau für das Otthaus sind zwei „kleine, aber wehrhafte“ Oberpfälzer Satteldachhäuser mit Jahrhunderte alten Fundamenten. Die Skepsis, ob sich dort eine moderne Kinderkrippe mit ihren speziellen Bedürfnissen verwirklichen ließ, ist sicher bei dem einen oder anderen gegeben. Ein Besuch bei den Stadtzwergen zeigt aber schnell, dass diese Skepsis unbegründet ist. Bei vielen Eltern habe es erst einmal einen Aha-Effekt gegeben. „Die können sich das von außen gar nicht so vorstellen und stehen dann staunend in den Gruppen“, berichtet auch Krippenleiterin Andrea Müller. Seit 1. März ist die Einrichtung in Betrieb.

Das Mesnerhaus und das Otthaus, zwei Zeugnisse der Schwandorfer Geschichte in prominenter Lage, waren viele Jahre ohne Nutzung und dem Verfall preisgegeben. Interessenten für eine private Nutzung der Gebäude hatte es trotz öffentlicher Ausschreibung nicht gegeben. Mit der Entscheidung, dort eine Kinderkrippe zu errichten, verfolgte die Stadt mehrere Ziele: Der Bedarf an Plätzen war da, die öffentliche Förderung gut; durch die öffentliche Nutzung sollte das Pfleghofviertel weiter aufgewertet und die Altstadt belebt werden, so der städtische Pressesprecher Lothar Mulzer.

Neubau an alter Stelle errichtet

Erstes Anliegen der Stadt war es, die beiden alten Häuser zu retten und zu reaktivieren, erinnert sich Architekt Karlheinz Beer an den Beginn der Planung zurück. Bei der intensiven Untersuchung habe sich aber gezeigt, dass eine Sanierung des Otthauses aufgrund der schlechten Bausubstanz, der Raumhöhen und –strukturen nicht möglich gewesen wäre. Die Lösung: Das Mesnerhaus wurde saniert, das Otthaus abgerissen und durch einen Neubau an alter Stelle ersetzt.

Die nächste planerische Herausforderung für Karlheinz Beer und seine Mitarbeiter war es dann, in der Kubatur der zwei kleinen Satteldachhäuser das Raumprogramm für eine Kinderkrippe umzusetzen. Das gelang, indem im Altbau die Funktionsräume wie Büro, Küche, Waschräume, Toiletten, Treppenhaus, Garderoben und der zentrale Eingang mit großem Empfangs- und Wartebereich für die Eltern untergebracht wurden. Im Neubau befinden sich alle Aufenthaltsräume für die Kinder. Insgesamt stehen rund 350 Quadratmeter zur Verfügung. Das Platzangebot ist sehr großzügig, freut sich Krippenleiterin Andrea Müller.

Die Kinder erwartet in den zentralen Räumen im Neubau eine helle, offene Atmosphäre. Mit verschiedenen Fensterhöhen wurde auf die Bedürfnisse der Kinder reagiert.
Die Kinder erwartet in den zentralen Räumen im Neubau eine helle, offene Atmosphäre. Mit verschiedenen Fensterhöhen wurde auf die Bedürfnisse der Kinder reagiert. Foto: Beer-Dausch

Sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss sind vom Gruppenraum aus der Intensivraum mit den Essplätzen, der Schlafraum und der Waschraum mit Toiletten und Wickelplatz direkt zugänglich. „Wir haben lange getüftelt an der Planung, um die Arbeitsabläufe so effizient wie möglich zu gestalten“, sagt Karlheinz Beer. Ein Vorteil für das Personal, das jederzeit alles im Blick hat, und für die Kinder, die ihre Betreuerinnen jederzeit erreichen können, berichtet Andrea Müller. In den zwei Gruppen der Stadtzwerge können gleichzeitig maximal je zwölf Kinder betreut werden.

Sie erwartet in den zentralen Räumen im Neubau eine helle, offene Atmosphäre. Mit verschiedenen Fensterhöhen wurde auf die Bedürfnisse der Kinder reagiert, erläutert der Architekt. Kein Wunder, dass die Plätze auf den tief liegenden, breiten Fensterbänken sehr beliebt sind. Haben die Kinder von den Gruppenräumen aus doch Blickbezüge in drei Himmelsrichtungen, etwa hinüber zur Stadtpfarrkirche oder hinaus in die Oberpfälzer Landschaft. Sogar in den Waschräumen gibt es Tageslicht und Sichtbezug zur Umgebung. So entstehe auch Kommunikation, wenn die Kinder hinaus schauen auf das Treiben vor der Krippe und die Passanten hinauf zu den Kindern am Fenster. „Wir wollten die Kinder in der Stadt sichtbar machen“, so Karlheinz Beer.

„Wir haben lange getüftelt an der Planung, um die Arbeitsabläufe so effizient wie möglich zu gestalten“, sagt Architekt Karlheinz Beer.
„Wir haben lange getüftelt an der Planung, um die Arbeitsabläufe so effizient wie möglich zu gestalten“, sagt Architekt Karlheinz Beer. Foto: Beer-Dausch

Bei der Gestaltung der Räume hat der Architekt Farben und Materialien bewusst auf ein Mindestmaß reduziert. Das bringt Klarheit und Ruhe. Ein sanftes Blau im Obergeschoss, ein kräftigeres Grün im Erdgeschoss, das sind die wesentlichen Farben. Sie geben den fast baugleichen Geschossen eine eigene Identität. Putze und Decken sind weiß, die fest eingebauten Möbel in Eiche, die losen Möbel in heller Birke. „Die Farbigkeit kommt durch die Kinder und ihre Werke“, erklärt Beer. Die Möbel für die Krippe hat der Architekt mit geplant, so dass sie „mit der Architektur eine Einheit bilden und die Bedürfnisse der Nutzer erfüllen“. Seine Pläne wurden von Handwerkern aus der Region umgesetzt.

2013 begannen die Bauarbeiten

Im August 2013 sind die Bauarbeiten für die Kinderkrippe angelaufen  - mit Abbruch- und Rückbauarbeiten. Im Zuge der Sanierung wurde im Mesnerhaus der Keller mit Kies verfüllt, die Bodenplatte tiefer gesetzt sowie die Holzdecken durch Stahlbetondecken ersetzt. Die Außenwände wurden abgefangen und abgedichtet, so dass keine Feuchtigkeit aufsteigen kann. Die Fenster wurden erneuert, ebenso der Dachstuhl. Bodenplatte und Dachstuhl wurden gedämmt, an der Fassade konnte aufgrund des starken Mauerwerks auf eine Dämmung verzichtet werden. Der Neubau ist in Massivbauweise mit hochdämmendem Ziegel ausgeführt. Als Reminiszenz an die frühere Situation wurde eine zurückgesetzte Glasfuge zwischen die heute verbundenen Häuser gesetzt. Früher waren Ott-und Mesnerhaus zwei getrennte Gebäude, die nur sehr dicht beieinander standen. Die Kinderkrippe ist an das Fernwärmenetz angeschlossen. Die Räume verfügen über Fußbodenheizung. Im Neubau wurden dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung in die Fensterlaibungen integriert. Die Aufenthaltsräume sind mit Schallschutzdecken ausgestattet.

Die Häuser sind auf Jahrhunderte alten Fundamenten errichtet.
Die Häuser sind auf Jahrhunderte alten Fundamenten errichtet. Foto: Beer-Dausch

Auch wenn sie im Inneren eine Einheit bilden, außen sind Alt- und Neubau optisch deutlich abgegrenzt. Zum einen durch die unterschiedlichen Fassadenfarben ocker und grün, laut Architekt klassische Oberpfälzer Farben, nur etwas frischer interpretiert. Der Putz an der Fassade des Altbaus hat eine gröbere Körnung, am Neubau wurde ein modernerer, glatter Putz angebracht. Im Altbau sitzen die Holzfenster mittig in der Wand und sind weiß eingefasst, im Neubau sitzen sie zum Teil flächenbündig in der Fassade, wodurch die Sitznische für die Kinder innen größer wurde; auf weiße Faschen wurde verzichtet. Das Dach des Altbaus wurde mit Biberschwanz-Dachziegeln eingedeckt, der Neubau hat eine Kupferblecheindeckung.

Die Kosten für das gesamte Projekt mit Außenbereich werden sich auf rund 1,65 Millionen Euro belaufen, über FAG-Mittel wurde eine Förderung in Höhe von ca. 600 000 Euro bewilligt, erklärt der städtische Pressesprecher. An den  Außenanlagen wird derzeit noch gearbeitet, mit der Fertigstellung sei im Mai zu  rechnen. Die Außenanlagen umfassen auf einer Fläche von etwa 250 Quadratmetern einen kleinen Spielplatz mit Rutsche, Holzspielgerät, Kletterpodest und Vogelnestschaukel sowie eine begrünte und Schatten spendende Freifläche.

Sowohl die Stadt Schwandorf als Bauherr als auch die Eltern-Kind-Initiative unter dem Dach der AWO als Träger  der Krippe sind mit dem Ergebnis des Projekts sehr zufrieden. Das gilt für die Lage der Gebäude und auch für die Ausstattung, so Lothar Mulzer. Die Häuser präsentierten sich nicht als „Gebäude von der Stange“, sondern haben ihren eigenen Charakter. „Es ist nicht das Ziel, vordergründig spektakulär zu bauen,  sondern dem Standort und den Nutzern Rechnung zu tragen“, sagt Karlheinz Beer. Seiner Meinung nach war es eine kluge Entscheidung der Stadt, die neue Krippe an diesem zentralen Standort zu verwirklichen. Die Krippe sei für die Kinder nach dem Krankenhaus der erste Berührungspunkt mit einem öffentlichen Gebäude. „Wenn dieser im Herzen der Stadt liegt, bekommt man dadurch einen anderen Bezug, als wenn die Krippe irgendwo auf der grünen Wiese steht.“

ArchitektOurbus 2015

  • Termin:

    Der Architekturzirkel Schwandorf veranstaltet zusammen mit der Stadt Schwandorf am Samstag, 9. Mai, zum 9. Mal einen ArchitektOurbus ab Schwandorf. Zwei Reisebusse starten um 13 Uhr am Volksfestplatz.

  • Ziele:

    Bei der Rundfahrt werden fünf Projekte vorstellt: Neubau Kinderkrippe Schwandorf, Neubau Geschäftshaus Hermann/Glöckler in Schwarzenfeld, Sanierung und Erweiterung Wohnhaus Messerer in Pfreimd, Sanierung und Umbau für die Kieferorthopädische Praxis Dr. Mertins, Pfreimd, Neubau Depot des Oberpfälzer Freilandmuseums, Neusath.

  • Zielgruppe:

    Der ArchitektOurbus richtet sich an alle Interessierten, künftige Bauherren und Entscheidungsträger in Verwaltungen oder kommunalen Gremien.

  • Karten:

    Im Tourismusbüro der Stadt Schwandorf können die Fahrkarten gegen eine Schutzgebühr in Höhe von zehn Euro (ermäßigt fünf Euro) reserviert und abgeholt werden.

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